Opel-Sanierung: GM will Zafira-Entwicklung nach Frankreich verlagern

Von Dietmar Hawranek

Den deutschen Opel-Standorten droht ein Kahlschlag: Bochum soll schließen, die Astra-Produktion ins Ausland gehen- nun greift die US-Mutter General Motors nach SPIEGEL-Informationen auch im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum durch. Der nächste Zafira soll vom Partner Peugeot konstruiert werden.

Zafira-Modelle, hier die Herstellung in Bochum: GM will Kosten in der Entwicklung sparen Zur Großansicht
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Zafira-Modelle, hier die Herstellung in Bochum: GM will Kosten in der Entwicklung sparen

Hamburg - General Motors geht bei der Opel-Sanierung härter vor als bislang bekannt. Das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim, in dem rund 4500 Mitarbeiter beschäftigt sind, darf nach dem Willen der US-Manager den nächsten Zafira und die Motoren für dieses Modell nicht mehr konstruieren. Nach SPIEGEL-Informationen soll die Arbeit dem französischen Partner PSA Peugeot Citroën Chart zeigen übertragen werden.

Es ist eines der ersten Kooperationsprojekte, die die amerikanische Opel-Mutter General Motors Chart zeigen (GM) mit ihrem neuen Partner vereinbaren will. Im Entwicklungszentrum Rüsselsheim sind dadurch mehrere hundert Arbeitsplätze bedroht.

Das Entwicklungszentrum gilt als Perle der Marke Opel. Die Rüsselsheimer Techniker haben die Elektromodelle Ampera und Volt mitentwickelt und genießen in der Branche einen guten Ruf. Doch GM will Investitionskosten sparen und sich deshalb Entwicklungsaufgaben mit Peugeot teilen. Zudem will GM weiter Arbeit nach Osteuropa verlagern. In der Rüsselsheimer Opel-Zentrale sollen 150 bis 200 Stellen abgebaut werden. Die Arbeit soll künftig in Polen erledigt werden.

Den deutschen Opel-Standorten droht somit ein Kahlschlag. Das Entwicklungszentrum wird verkleinert, das Werk in Bochum soll nach dem Willen der GM-Manager 2015 geschlossen werden. Auch die Fertigung im Werk Rüsselsheim ist gefährdet. Dort werden der Insignia und der Astra gebaut. Die Produktion des Opel-Astra soll komplett auf die Werke im britischen Elsemere Port und im polnischen Gliwice verlagert werden.

Die Fertigung des Astra ist nach Analysen von Produktionsexperten in Großbritannien 220 Euro teurer als in Deutschland. Arbeitnehmervertreter von Opel können deshalb nicht nachvollziehen, dass die Montage des Astra dennoch ins dortige Werk verlagert werden soll. Dies nähre den Verdacht, dass GM bei der Sanierung auch eine Art Rachefeldzug gegen den Standort Deutschland durchzieht - hier gibt es bislang den härtesten Widerstand gegen die Kürzungspläne.

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1.
sonntagsbrötchen 10.05.2012
Zitat von sysopDen deutschen Opel-Standorten droht ein Kahlschlag: Bochum soll schließen, die Astra-Produktion ins Ausland - nun greift die US-Mutter General Motors nach SPIEGEL-Informationen auch im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum durch. Der nächste Zafira soll vom Partner Peugeot konstruiert werden. GM will nächsten Opel Zafira von Peugeot entwickeln lassen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,832482,00.html)
Würde ich bei Opel arbeiten, wäre jetzt der richtige Zeitpunkt für mich anzufangen Bewerbungen zu schreiben.
2. opel
FBaccount 10.05.2012
die marke braucht doch kein mensch, sollen sie lieber gm autos in europa verkaufen. und die arbeitsplätze in rüsselsheim.. da wird man wohl auf andere branchen setzen müssen. europäische mittelklassewagen sind alle ersetzbar.
3.
dummerjunge 10.05.2012
Immer wenn man meint General Motors hätte bereits den Tiefpunkt der Dummheit erreicht, wird man auf´s Neue überrascht. Das Erfolgsmodell Zafira ist eine deutsche Eigenentwicklung, und genau dieses Modell will man Opel jetzt wegnehmen?
4. so sieht
Nonvaio01 10.05.2012
Global econnomy eben aus. Ausserdem stellt GM sich nur auf die immer geringeren verdienste der Weltbevoelkerung ein, vor allem in. Wenn die leute immer weniger in der tasche haben, muessen die Autos billiger werden. Vor allem bei den kuerzungen die anstehen, ich denke das ist nur eines der ersten resultate des ach so tollen fiskal packtes. Mehr werden folgen....auf gehts..sparen und schulden abbauen husch husch, wenn die Steueren erhoeht werden und verguenstigungen gestrichen werden bleibt dem Buerger weniger Geld das ist einfach Mathematik.
5. ist dies schon Tollheit...
___wegwerfaccount___ 10.05.2012
Wie geht man da vor als General Motors? Man denkt sich so: Hmm, mit dem Astra verdienen wir immer noch Geld, der muß weg. Und der Zafira ist das einzige Auto im Programm, das nicht total Kacke ist. Was kann man dagegen machen? Gute Nacht, Opel, das war's dann wohl...
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General Motors: Die zehn schönsten Modelle

Markendschungel
Das GM-Universum im Überblick
General Motors hat sein Insolvenzverfahren erfolgreich abgeschlossen. Nun will der Konzern erneut an die Börse - aber wie gut ist er aufgestellt? SPIEGEL ONLINE stellt die wichtigsten Marken:
Buick
AP
Die 1903 von David Dunbar Buick gegründete Marke war die Keimzelle für den späteren General-Motors-Konzern. Weil sich der Firmengründer mit Aktien verspekulierte, übernahm William Durant 1904 die Führung und baute sein Autoimperium immer weiter aus.

Buick sollte die Leute ansprechen, die sich die Luxusautos von Cadillac nicht leisten konnten oder wollten. Bis in die siebziger Jahre verkaufte die Marke auch einige Opel-Modelle wie etwa den Rekord, Manta A und Opel GT.

Die Geschäfte liefen bis Ende der achtziger Jahre gut. Dann allerdings entschieden sich die jungen Amerikaner immer häufiger für Konkurrenzmodelle aus Europa und Japan. Das einstige Zugpferd des Mutterkonzerns fährt nun seit Jahren Verluste ein.

Chevrolet
Getty Images
Louis Chevrolet wurde in den USA als Rennfahrer berühmt. Unter anderem fuhr der Schweizer für Buick und lernte dessen Generaldirektor und General-Motors-Gründer William Durant kennen. Mit ihm schuf er 1911 die Chevrolet Motor Car Company. Allerdings kam es zwischen den beiden Männern zum Streit und Chevrolet verließ bereits zwei Jahre später das Unternehmen.

Durant erkannte den Trend zum Volksauto, produzierte preisgünstige Wagen und integrierte Chevrolet in seinen GM-Konzern. Besonders herausragend ist die seit 1953 gebaute sportliche Corvette. Allerdings wird dieses Modell seit 2005 als eigenständige Marke verkauft, um sie von den aktuellen Modellen abzugrenzen.

2005 übernahm GM die Mehrheit am südkoreanischen Hersteller Daewoo. Seitdem prangt das Chevrolet-Kreuz auf Autos wie Matiz, Kalos und Aveo. In Südkorea werden diese Modelle allerdings noch immer unter dem Namen Daewoo verkauft.
Cadillac
AP
König der Heckflosse - so könnte man den Cadillac Eldorado nennen, mit dem der Hersteller die Autoikone der fünfziger Jahre schuf. Das mehr als sechs Meter lange Auto schmückt das wohl imposanteste Heck der Automobilgeschichte.

Henry Martyn Leland gründete die Marke 1902 und benannte sie nach Antoine Laumet de La Mothe, Sieur de Cadillac, dem Gründer Detroits. Bereits sieben Jahre später übernahm GM den Autobauer.

Die meisten Modelle zeugen vom Größenwahn der amerikanischen Fahrzeugindustrie: mehr Luxus, mehr Hubraum und längere Karosserien. Zum Beispiel galt der zwischen 1967 und 1970 gebaute Fleetwood Eldorado seinerzeit als größter Fronttriebler der Welt. Das Auto konnte mit einem 8,2-Liter-Motor geordert werden.

Doch die Energiekrise Anfang der siebziger Jahre zwang Cadillac zum Umdenken. Die Hubräume wurden reduziert - etwa auf 5,7 Liter im Seville von 1975. Der kleinste Motor, den Cadillac heute im Lieferprogramm hat, ist ein V6 mit für US-Verhältnisse vergleichsweise lächerlichen 3,6 Litern Hubraum.
Pontiac
AP
General Motors gründete die Marke 1926. Pontiac sprach mit den sportlichen Autos im mittleren Preissegment vor allem jüngere Kunden an. Der wohl bekannteste Pontiac ist der Firebird, er wurde 1967 vorgestellt.

Das sogenannte Pony Car basiert auf dem Chevrolet Camaro und spielte in der US-Fernsehserie Knight Rider eine Hauptrolle. Mit dem Wagen wollte GM im jungen Segment der sogenannten Muscle Cars mitmischen, das der Konkurrent Ford mit dem Mustang beherrschte. Die Motorisierung ist wuchtig: Die Palette reichte von 3,8-Liter-Maschinen bis zu 7,5-Liter-Aggregaten.

In der Krise hat GM die Marke Pontiac stark eingedampft, Ende 2010 wird sie eingestellt.
Opel
AP
Es dauerte 30 Jahre, bis das erste Automobil die Werkshallen verließ: In seinem 1862 gegründeten Betrieb baute der Rüsselsheimer Adam Opel zunächst Nähmaschinen und später Fahrräder. Der Patent-Motorwagen System Lutzmann rollte erst 1899 auf die Straße. Zu diesem Zeitpunkt war Adam Opel jedoch schon tot - der Hesse starb im September 1895.

Innerhalb von rund 30 Jahren entwickelte sich Opel zum größten Fahrzeughersteller Europas. Doch wegen der Weltwirtschaftskrise mussten die Brüder Wilhelm von Opel und Friedrich Opel Ende der zwanziger Jahre 80 Prozent der Unternehmensanteile an General Motors verkaufen. 1931 schließlich übernahm der amerikanische Konzern den Rüsselsheimer Autobauer komplett.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte ein rascher Wiederaufbau der Produktionsanlagen. Mit Erfolg, denn 1972 kämpfte sich Opel zurück an die Spitze der deutschen Autobauer. Doch besonders in den neunziger Jahren litt das Image der traditionsreichen Firma. Mit dem neuesten Modell, dem Insignia, will Opel den Abwärtstrend trotz Wirtschaftskrise stoppen.
Vauxhall
Getty Images
Das Unternehmen wurde 1857 in London gegründet und 1925 von GM übernommen. Zunächst bauten die Briten Schiffsmotoren für die Marine; der Einstieg ins Automobilgeschäft folgte zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Als Kontinentaleuropäer kommen einem nahezu alle Autos mit Vauxhall-Emblem bekannt vor. In Großbritannien werden die Opel-Modelle mit identische Modellbezeichnung als Vauxhall verkauft. Das einzige Fahrzeug im aktuellen Produktportfolio, das nicht von Opel stammt, ist allerdings auch keine Eigenentwicklung. Die Sportlimousine VXR8 ist der Zwilling des Holden HSV Clubsport R8 - und der sprintet durch Australiens Outback.
Holden
Getty Images
Der Brite James Alexander Holden legte 1856 in Adelaide den Grundstein für den australischen Autobauer: Er gründete eine Sattlerei, die einige Jahre später auch Pferdekutsche reparierte und baute. Als Automobile zunehmend die Kaleschen ersetzten, begann Holden 1914 mit der Karosseriefertigung und dem Fahrzeugimport - unter anderem für General Motors. Der amerikanische Autobauer übernahm Holden 1931, mit dem Ziel eine eigenen Fahrzeugproduktion in Australien aufzubauen. Kriegsbedingt wurde der ersten Holden jedoch erst 1948 präsentiert.

Aktuell verkaufen die Australier Zwillingsmodelle aus der Konzernpalette wie etwa den Holden Astra, den Barina, der auf dem Chevrolet Kalos basiert und den SUV Captiva. Darüber hinaus entwickelte Holden auch eigene Fahrzeuge für den heimischen Markt wie zum Beispiel den sportlichen Pick-up Ute.
GMC
AP
Max Grabowsky gründete die Grabowsky Motor Vehicle Company 1902 und produzierte Lastwagen. Sechs Jahre später schluckte der neugegründete GM-Konzern das Unternehmen und präsentierte 1912 den ersten Truck der Marke GMC (General Motors Truck Company).

Das wohl bekannteste Modell ist der Vandura, der zwischen 1970 und 1996 produziert wurde und baugleich ist mit dem G20 von Chevrolet. In der US-Serie "Das A-Team" ist der Vandura das Einsatzfahrzeug des Quartetts um den Anführer Colonel John Hannibal Smith.
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