Bedrohtes Siemens-Werk Görlitz ist gerettet

Trotz Milliardengewinnen wollte Siemens den Standort Görlitz schließen. Nach heftigen Protesten bleibt er nun doch erhalten - allerdings werden Jobs gestrichen.

Turbinenwerk in Görlitz
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Turbinenwerk in Görlitz


Die umstrittenen Schließungspläne für den Siemens-Standort im sächsischen Görlitz sind Geschichte. In der Nacht einigten sich Unternehmensführung, Gesamtbetriebsrat und IG Metall auf einen Zukunftspakt für die Kraftwerks- und Antriebssparte. Das gab Siemens am Dienstag bekannt.

Der Konzern hatte zuvor angekündigt, in diesen Sparten weltweit rund 6900 Stellen streichen zu wollen, davon rund 3400 in Deutschland. Außerdem sollten die Standorte im sächsischen Görlitz und in Leipzig geschlossen werden. Die Pläne waren bei Arbeitnehmervertretern und auch in der Politik auf heftigen Widerstand gestoßen, weil der Konzern zuletzt Milliardengewinne verbucht hatte.

Video aus Görlitz (Dez. 2017): "Geht man so mit einer Familie um?"

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Durch den Zukunftspakt soll das Werk in Görlitz nun doch erhalten bleiben. Der Standort solle zur weltweiten Zentrale für das Industriedampfturbinengeschäft ausgebaut werden, teilte Siemens mit. Ein Teil der rund 700 Mitarbeiter müsse dennoch entlassen werden.

Auch zum Siemens-Standort Leipzig liefen intensive Gespräche, bei welchen auch Vorschläge der Belegschaft einfließen sollen, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). "Wir sind zuversichtlich, dass auch hier viele Arbeitsplätze erhalten werden können."

Ein weiterer Standort in Offenbach soll in dem in Erlangen aufgehen, inklusive eines Teils der Belegschaft. IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner sprach insgesamt von einem "für beide Seiten akzeptablen Ergebnis".

Der Zukunftspakt bilde die Grundlage für weitere Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan. Diese sollen bis Ende September abgeschlossen werden. Bis dahin soll dann auch entschieden werden, wie viele Siemens-Jobs in Deutschland noch wegfallen.

Nach Angaben von Siemens-Personalchefin Janina Kugel ist dies bislang noch offen. Man sei bereit, nach kreativen Lösungen zu suchen. Wichtig sei, dass letztlich das Sparziel erreicht werde. Der Konzern will insgesamt einen "großen" dreistelligen Millionenbetrag einsparen.

ssu/dpa/Reuters



insgesamt 8 Beiträge
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artusdanielhoerfeld 08.05.2018
1. Oben anfangen
Es wird immer wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass bei schlechter Betriebslage die Firmenleitung keine Schuld trifft. Warum? Sind die unfehlbar? Man sollte im Kriesenfall zuallererst die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen und nicht die Belegschaft, die nur nach Anweisung ihren Job macht! Schlechte Verträge ausgehandelt? Gegen die Konkurrenz eine Ausschreibung verloren? Material zu teuer eingekauft? Ohne Abfindung RAUS und bessere Leute einstellen! Der Personaler versagt hier? Auch RAUS! jede Wette, dass die sich dann plötzlich mehr Mühe geben!
joG 08.05.2018
2. Wie will man aber nun....
....stattdessen die Kosten senken? Das ist immer die eigentliche Frage bei solchen “Erfolgen”. Denn irgendwo und irgendwie muss man konkurrenzfähig bleiben.
Meinungsloser 08.05.2018
3.
@joG Als Konzern mit Milliardengewinnen hat man, zumindestens in der Theorie, auch eine soziale Verantwortung. Siemens hat die Zeit und die Mittel, sich zu überlegen, was man aus den Standorten machen kann. Einfach zumachen, brauchen wir nicht mehr ist ziemlich das letzte, was man machen sollte. Leider hat sich das in den strategischen Planungen solcher Konzerne irgend wie eingeschlichen, weils so schön einfach ist und die Aktien dabei nach oben schießen.
braingutt 08.05.2018
4. Einseitige Stimmungsmache...
Das es für diese Turbinen keinen Markt mehr gibt, bleibt Siemens garnichts anderes übrig, als hier Pläne ändern. In anderen Bereichen wird investiert, die Arbeitnehmer sollen wo immer möglich dort übernommen werden, alles andere soll sozialverträglich vonstatten gehen. Diese einseitige und tendenziöse Stimmungsmache ist der eigentliche Skandal!
mimas101 08.05.2018
5. Hmm
der Plan liest sich eher wie eine Bestell- und Vertriebszentrale von Turbinen pp die dann irgendwo günstiger hergestellt werden. Möglich das in GR eine Sparte für Sonderanfertigungen oder ähnliches beibehalten wird. Anderes macht das alles wenig Sinn. Ausschlaggebend dürfte aber auch gewesen sein das Osteuropa quasi vor der Haustüre liegt. Richtig ist aber: Wenn die Nachfrage nach einem bestimmten Gut wegbricht oder Konkurrenz die Margen und Gewinne drückt dann muß eine Firma überlegen was sie mit der neuen Situation anstellt. Entweder man sattelt im Angebot um oder macht den Laden dicht (wenn nichts mehr geht). Siemens ist zwar eine recht reiche weltweit agierende Firma aber auch dort haben kaufmännische Überlegungen nun mal Vorrang. Das Ergebnis ist allerdings für die Arbeitnehmer weniger schön zumal hier im Osten von Merkelland die Arbeitslosenquote ca. doppelt so hoch ist wie im Rest der Republik.
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