ProSiebensat1-Aufsichtsrat Mäuser: "Ich habe Heidi Klum nie getroffen"

Die Private-Equity-Gesellschaften Permira und KKR planen den Ausstieg bei ProSiebenSat1. Götz Mäuser, Permira-Partner und Aufsichtsratsmitglied des Fernsehkonzerns, über sein ungewöhnliches Investment - und sein Image als Heuschrecke.

ProSieben-Show "Germany's Next Topmodel": "Das ist Sache des Managements" Zur Großansicht
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ProSieben-Show "Germany's Next Topmodel": "Das ist Sache des Managements"

SPIEGEL: Herr Mäuser, vor sieben Jahren übernahmen die Private-Equity-Gesellschaften Permira und KKR die Mehrheit beim TV-Konzern ProSiebenSat.1. In den nächsten Monaten wollen Sie Ihre Anteile verkaufen. Hat sich das Investment gelohnt?

Mäuser: Es war auf jeden Fall eine spannende Zeit, in der uns nicht viel erspart blieb: eine millionenschwere Kartellstrafe, die Finanzkrise, ein Wechsel an der Führungsspitze und eine strategische Neuorientierung.

SPIEGEL: Von den bereichernden Erfahrungen abgesehen: Sie zahlten damals 28 Euro pro Aktie, jetzt liegt der Kurs bei gut 34 Euro. Zwischenzeitlich haben Sie über 700 Millionen Euro Dividende kassiert und Ihre Beteiligung am TV-Konzern SBS an ProSiebenSat.1 verkauft. Wie hoch ist unterm Strich Ihre Rendite ?

Mäuser: Bislang ist bei unseren Geldgebern noch kein Cent angekommen, sondern alles ist in Zins und Tilgung geflossen. Abgerechnet wird im Übrigen zum Schluss. Wir sind zuversichtlich, dass wir am Ende ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen werden. Die Entwicklung des Aktienkurses gibt uns da zur Zeit recht. Rekordverdächtig wird die Rendite wegen der Finanzkrise aber kaum werden.

SPIEGEL: Aber keine andere Beteiligung hat Ihnen so viel Ärger eingetragen: Immer wieder gab es in der Öffentlichkeit und in der Politik Proteste - gegen die Sparrunden, den Umzug von Sat.1 nach München und den Verkauf des Nachrichtenkanals N24. Haben Sie unterschätzt, was es heißt, ein Medienhaus zu besitzen?

Mäuser: Zugegeben: Die Aufmerksamkeit der Politik und der Medien war für uns recht neu. Anders als in unserem Gewerbe üblich bin ich deshalb anfangs häufiger öffentlich in Erscheinung getreten, um den Investoren ein Gesicht zu geben. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass wir als verlässliche Partner wahrgenommen werden.

SPIEGEL: Hat es Ihnen persönlich mehr Spaß gemacht, in TV-Stars wie Stefan Raab und Heidi Klum zu investieren als in Wasserhähne oder Fischstäbchen?

Mäuser: Sie werden es nicht glauben, aber Stefan Raab habe ich noch nie getroffen, Heidi Klum auch nicht. Solche Kontakte sind Sache des Managements, es stört nur, wenn der Aufsichtsrat sich da einmischt.

SPIEGEL: Damals entdeckten auch andere Finanzinvestoren das Mediengewerbe, David Montgomery etwa kaufte den Berliner Verlag. Inzwischen ist die Begeisterung der Heuschrecken für Medienfirmen abgekühlt. Geht eine Ära zu Ende?

Mäuser: Es gibt einfach weniger große attraktive Medienfirmen zu kaufen. Erschwerend kommt hinzu, dass gerade traditionelle Unternehmen wie etwa die Printmedien in der Krise sind und sich als eine, sagen wir, schwierige Anlageklasse erwiesen haben. Viele Investoren haben dort teures Lehrgeld zahlen müssen. Es gibt aber viele kleinere Investments in Online-Startups, die nicht so präsent sind.

SPIEGEL: Wer geht denn nach all den ideologischen Grabenkämpfen als Gewinner vom Platz?

Mäuser: Ich würde nicht von Gewinnern oder Verlierern sprechen. Als wir 2006 einstiegen, war das Informationsdefizit riesig, Franz Müntefering hatte das Heuschrecken-Thema entdeckt, Öffentlichkeit und Politik waren nicht reif für einen Finanzinvestor, der ein großes Medienhaus übernimmt. Aber über die Zeit ist die Diskussion deutlich sachlicher geworden. Das liegt auch daran, dass Private-Equity-geführte Unternehmen im Vergleich zu manch familiengeführtem Konzern gut durch die Krise gekommen sind.

SPIEGEL: Die Bilanz von ProSiebenSat.1 mag gut aussehen, die Gewinne sind auf Rekordniveau. Aber doch vor allem, weil ständig gespart und der Konzern auf Effizienz getrimmt wurde.

Mäuser: Das wird der Leistung des Managements nicht gerecht. Bis 2009 mussten wir im Zuge der Finanzkrise auf zweistellige Umsatzrückgänge reagieren, aber danach haben wir auf Wachstum umgeschaltet. Konzernchef Thomas Ebeling hat nach seiner Ankunft 2009 das Unternehmen erfolgreich neu aufgestellt und bis 2015 rund 750 Millionen Euro Umsatzplus versprochen, unterlegt mit entsprechenden Investitionen. Das Digitalgeschäft wächst zur Zeit um rund 40 Prozent. Wir haben mit der Produktionssparte ein zweites Wachstumsfeld. ProSiebenSat.1 hat heute mehr Mitarbeiter als 2006.

SPIEGEL: Ursprünglich wollten Sie aus dem deutschen TV-Konzern eine paneuropäische Sendergruppe machen. Die Idee darf als gescheitert gelten: Die Sender im Ausland wurden fast alle wieder verkauft.

Mäuser: Internationales Wachstum hatte damals bei allen Medienkonzernen Europas hohe Priorität, von Russland bis Afrika. Dahinter steckte die Idee, angesichts gesättigter Heimatmärkte international Synergien im Programm zu schaffen. Die Idee war richtig - bis das bewegte Bild dank der Breitband-Technologie ins Internet wanderte und der Zuschauer aus dem Wohnzimmer heraus neue Wege ging, mit Smartphones und Tablets. Seither heißt die Priorität, ihm schnellstmöglich zu folgen. ProSiebenSat.1 ist bei der Digitalisierung inzwischen weiter als die meisten Konkurrenten.

SPIEGEL: ProSiebenSat1-Konzernchef Ebeling wäre die Finanzinvestoren lieber heute als morgen los. Er soll Ihnen eine dringend benötigte Finanzspritze in Form einer Super-Dividende nur unter der Bedingung gewährt haben, dass Sie öffentlich erklären, den Ausstieg einzuleiten. Fühlen Sie sich erpresst?

Mäuser: Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn ich in der Presse lese, der Konzernchef mache Druck auf uns, zu verkaufen. Normalerweise heißt es doch immer, die schlimmen Finanzinvestoren zwingen das Management zum Exit. Aber ganz im Ernst: Wir sind Investoren auf Zeit, dass wir irgendwann verkaufen werden, war immer klar.

SPIEGEL: Die Investmentbank JP Morgan hat vergeblich einen strategischen Käufer gesucht, alle Medienkonzerne haben abgewunken, von den US-Fernsehriesen Time Warner und Discovery bis zum deutschen Axel-Springer-Verlag. Warum interessiert sich kein Medienkonzern für eine Mehrheit an ProSiebenSat.1?

Mäuser: Wir sind ein Stück weit Opfer des eigenen Erfolgs. Die Marktkapitalisierung liegt derzeit bei mehr als sieben Milliarden Euro. Die müsste ein Käufer komplett finanzieren können, weil er zu einem Übernahmeangebot an alle Aktionäre verpflichtet ist, sobald er mehr als 30 Prozent der Aktien erwirbt. Ich sehe zur Zeit kein deutsches Medienunternehmen, das dazu in der Lage wäre. Und für globale Medienkonzerne steht die Digitalisierung an erster Stelle, nicht die Internationalisierung, schon gar nicht in Europa.

SPIEGEL: Auf der Hauptversammlung am 23. Juli werden Sie als Haupteigner nun die Zweiklassengesellschaft der Aktiengattungen abschaffen, die Ihnen bisher eine Stimmenmehrheit von 88 Prozent sicherte, obwohl Ihnen nur 44 Prozent des Kapitals gehören: Die Vorzugsaktien sollen mit den bisher nicht börsennotierten Stammaktien zusammengelegt werden. Sie geben damit Ihre Mehrheit preis - warum dieser Schritt?

Mäuser: Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir den größten Wert für unsere Investoren wohl mit einem Ausstieg über die Börse erzielen dürften. Da ein strategischer Käufer zur Zeit nicht in Sicht ist, bringt uns die Mehrheit nicht mehr Geld ein als die Börse und derzeit bietet. Mit der Aktienumwandlung werden unsere Stammaktien nun zusätzlich zum Handel an der Börse zugelassen. Die ProSiebenSat.1-Aktie wird damit wesentlich liquider und interessanter für institutionelle Investoren.

SPIEGEL: Wenn es keine Anfechtungsklagen gibt, könnten Sie frühestens vier Wochen nach der Hauptversammlung den Schritt auf das Parkett wagen. Wie viele Aktien sollen denn im ersten Schritt platziert werden?

Mäuser: Wann genau wir wie viele Aktien verkaufen, werde ich Ihnen sicher nicht verraten.

SPIEGEL: Ist denkbar, dass KKR und Permira im Unternehmen bleiben?

Mäuser: Die Neigung ist gering. Wir werden von unseren Investoren nicht dafür bezahlt, an Börsen gehandelte Aktienpakete zu halten. Das können die selber.

SPIEGEL: Welche Chance bietet der Ausstieg der Finanzinvestoren für die Sendergruppe?

Mäuser: Wenn der Exit über die Börse erfolgt, erhöht das die Chance für einen Aufstieg in den Dax. ProSiebenSat.1 steht heute hervorragend da und wird sich mit oder ohne uns sehr gut weiter entwickeln.

SPIEGEL: Sie selbst, so heißt es, verlassen Permira zum Jahresende. Warum?

Mäuser: Ich bin jetzt 17 Jahre dabei, ich habe im November 1997 angefangen, als noch niemand in Deutschland wusste, was Private Equity eigentlich ist, ich eingeschlossen. Ich habe alle Höhen und Tiefen des Geschäfts erlebt, inklusive einer Menge Krisen. Es ist der richtige Zeitpunkt, etwas Neues zu machen. Ich bleibe Permira aber als Berater eng verbunden und bei ProSiebenSat.1 bleibe ich im Aufsichtsrat bis zur Hauptversammlung 2014, bis dahin sind wir gewählt.

Das Interview führte Isabell Hülsen

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Na,
timepiece123 08.07.2013
Zitat von sysopGetty ImagesDie Private-Equity-Gesellschaften Permira und KKR planen den Ausstieg bei ProSiebenSat1. Götz Mäuser, Permira-Partner und Aufsichtsratsmitglied des Fernsehkonzerns, über sein ungewöhnliches Investment - und sein Image als Heuschrecke. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/goetz-maeuser-von-permira-ueber-seine-zeit-bei-prosiebensat1-a-909969.html
da hat der Herr Mäuser aber Glück gehabt...
2. wunderschön geredet
felisconcolor 08.07.2013
nix gesagt. Kann er gut, hat Zeug zum Politiker. Ach ja im übrigen darf er sich eine Packung Papiertaschentücher bei mir abholen zum Ausheulen. Echt ne arme Socke. hat wohl nur zugebuttert.
3. Permira?
Stelzi 08.07.2013
Permira - das klingt fürwahr wie ein Abführmittel. Wer denkt sich diese Namen eigentlich aus?
4. Ich habe Heidi Klum
Pat-Riot 08.07.2013
Zitat von sysopGetty ImagesDie Private-Equity-Gesellschaften Permira und KKR planen den Ausstieg bei ProSiebenSat1. Götz Mäuser, Permira-Partner und Aufsichtsratsmitglied des Fernsehkonzerns, über sein ungewöhnliches Investment - und sein Image als Heuschrecke. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/goetz-maeuser-von-permira-ueber-seine-zeit-bei-prosiebensat1-a-909969.html
auch noch nie getroffen. Manchmal hat man eben Glück.
5. Würg ...
quark@mailinator.com 08.07.2013
Schon das Bild oben mit den 5 Blondinen zeigt, was das für ein Laden ist. Kann gar nicht so viel essen :-(.
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Zur Person
  • DPA
    Götz Mäuser, 50, ist Partner bei Permira. Bevor er 1997 zu der Private-Equity-Gesellschaft kam, arbeitete der Betriebswirt sechs Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey.