E-Mail-Scan Goldman Sachs macht Jagd auf die Muppets

Goldman Sachs zieht Konsequenzen aus ihrem Mitarbeiterskandal: Die US-Großbank lässt die E-Mails ihrer Beschäftigten systematisch durchleuchten - auf der Suche nach Wörtern à la Muppets und anderen möglichen Kundenbeleidigungen. Das Geldhaus macht sich damit zusehends zum Gespött.

Muppet-Figur Kermit: "Ah, der KER-MIT-Deal"
DPA

Muppet-Figur Kermit: "Ah, der KER-MIT-Deal"


Hamburg - Die Welt steht Kopf bei Goldman Sachs, seitdem Ex-Mitarbeiter Greg Smith in einem offenen Brief mit der US-Großbank abgerechnet hat: Der Chef des Geldhauses, Lloyd Blankfein, hat in einer Telefonkonferenz angeordnet, die E-Mails der Mitarbeiter nach Begriffen wie etwa "Muppets" zu durchforsten und anderen Hinweisen nachzugehen, in denen Bankbeschäftigte über ihre Kunden herziehen. Das bestätigte ein Sprecher der Bank und bekräftigte damit einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters.

In einem Gastbeitrag für die "New York Times" hatte Smith vergangene Woche über seinen Noch-Arbeitgeber ausgepackt. Die Atmosphäre sei "vergiftet und zerstörerisch", die Mitarbeiter prahlten, wie sie ihre Kunden abzockten. Im vergangenen Jahr habe er gehört, wie fünf verschiedene Top-Manager von ihren Kunden als "Muppets" sprachen. Nach der gleichnamigen TV-Show werden in Großbritannien abfällig Menschen bezeichnet, die keine Ahnung haben. Der Brandbrief sorgte in den USA und Großbritannien für eine Masse an Kommentaren und für viel Häme.

"Wir nehmen die Sorgen unserer Mitarbeiter ernst", sagte der Sprecher. "Darum prüfen wir die Anschuldigungen von Herrn Smith." Wann das Unternehmen die Aktion abgeschlossen haben will und was es mit den Ergebnissen vorhat, sagte er nicht.

Bankchef Blankfein hatte bereits in einer E-Mail an die Mitarbeiter Stellung zu dem Fall genommen und betont, dass Smiths Vorwürfe nicht wiedergäben, wie "die große Mehrheit bei Goldman Sachs über die Firma und ihre Arbeit im Auftrag der Kunden denkt". Das Geldhaus hofft, den Schaden möglichst klein zu halten.

Doch das Gegenteil ist offenbar der Fall. Vor allem die Internetgemeinde stürzt sich auf das Geldhaus. So hat etwa das Blog Dealbook der "New York Times" harmlose E-Mails mit Begriffen aus der Muppet-Show erfunden, die die Absurdität der derzeitigen Goldman-Kontrolle aufzeigen.

Erstes Beispiel:

Händler 1: Hast du gehört, dass Madoff wegen eines Fozzie-Schemas verurteilt wurde?

Händler 2: ?

Händler 1: Lol, ich meinte Ponzi. Verdammte Autokorrektur. (Anm. d. Redaktion: Das Ponzi-Scheme bezeichnet eine Betrügermasche, bei der nach dem Schneeballsystem alte Schuldner mit dem Geld neuer Kreditgeber bezahlt werden.)

Zweites Beispiel:

Banker 1: Ich arbeite an der Übernahme von Kentucky Equine Research (KER) durch das Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Banker 2: Ah, der KER-MIT-Deal.

yes



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insgesamt 3 Beiträge
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jojo_1970 23.03.2012
1. Wahres Gesicht von GS
GS zeigt also noch mehr sein wahres Gesicht. Nicht nur die Kunden werden verhöhnt, sondern auch die Mitarbeiter nach Statis-Methoden überwacht... Was für ein toller Arbeitgeber ;-)
Redigel 23.03.2012
2. Dr.
Zitat von sysopDPAGoldman Sachs zieht Konsequenzen aus ihrem Mitarbeiterskandal: Die US-Großbank lässt die E-Mails ihrer Beschäftigten systematisch durchleuchten - auf der Suche nach Wörtern á la Muppets und anderen möglichen Kundenbeleidigungen. Das Geldhaus macht sich damit zusehends zum Gespött. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,823289,00.html
Dann sinds bald keine Muppets mehr sondern Cashcows. Wörter verbieten führt im seltensten Fall zum Umdenken. Man erinnere sich an die Zahlenkombos der Rechten.
WillausD 23.03.2012
3. ihrer Beschäftigten systematisch durchleuchten
Das Problem ist es dem ganzen erst auf den Grund zu gehen und von dort auf alles aufarbeiten. Aber man geht typisch al la Ami. Erst Maulkorb (Emailfilter) und sitzten die Sache aus. Wer aufmupft wird gefeuert - hier sind die Amis Weltmeister. Habe mich ueber den Rundumschlag vom Smith amuesiert, es war die Wahrheit.
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