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Gewinneinbruch: Hypotheken-Debakel holt Goldman Sachs ein

Goldman-Sachs-Logo an der New Yorker Börse: Die Einigung mit der US-Regierung schlägt auf den Gewinn Zur Großansicht
REUTERS

Goldman-Sachs-Logo an der New Yorker Börse: Die Einigung mit der US-Regierung schlägt auf den Gewinn

Mit windigen Hypotheken-Geschäften wollte Goldman Sachs viel Geld verdienen. Jetzt zahlt die US-Investmentbank dafür den Preis: Der Gewinn ist 2015 um fast ein Drittel eingebrochen. Das liegt vor allem an einem milliardenschweren Vergleich mit der Regierung.

Ein Rechtsstreit um Hypotheken-Geschäfte hat der US-Investmentbank Goldman Sachs einen kräftigen Gewinneinbruch beschert. Im vergangenen Jahr fiel der Ertrag um fast ein Drittel auf 5,6 Milliarden Dollar. Allein im letzten Quartal des Jahres brach der Gewinn um 72 Prozent auf 574 Millionen Dollar ein, teilte das Unternehmen mit. Im Vorjahreszeitraum hatte das Ergebnis noch bei 2,0 Milliarden Dollar gelegen.

Die Anleger waren allerdings auf den Gewinneinbruch vorbereitet: Goldman Sachs hatte in der vergangenen Woche bekannt gegeben, sich mit der US-Regierung auf einen milliardenschweren Vergleich geeinigt zu haben. Dabei ging es um fragwürdige Geschäfte mit Hypotheken-Papieren aus den Jahren 2005 bis 2007.

Zahlreiche Institute wollten vor 2007 noch mehr am US-Immobilienmarkt verdienen. Sie gaben Hypotheken an mittellose Familien aus und blähten damit ihr Kreditgeschäft auf. Die Risiken wurden anschließend an Investoren weitergereicht - in Form von hochkomplexen Anleihen, die den Banken ebenfalls hohe Gebühren in die Kasse spülten.

Als der Markt kollabierte, erwiesen sich diese Bonds als wertlos. Viele der Käufer klagten gegen die Banken. Im jüngsten Fall hat sich Goldman nun im Grundsatz mit einer Reihe von Behörden geeinigt, darunter dem US-Justizministerium. Mit der nun vereinbarten Zahlung von fünf Milliarden Dollar werde nicht nur die Strafe beglichen, es soll auch Hilfen für hoch verschuldete Kreditnehmer geben.

Marktturbulenzen belasten Tagesgeschäft

Im Tagesgeschäft litt Goldman Sachs unter den Turbulenzen auf den Kapitalmärkten. Die Einnahmen der Bank fielen im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf 33,8 Milliarden Dollar. Die Probleme schlugen sich im Schlussquartal besonders deutlich nieder mit einem Rückgang der Erträge um fünf Prozent. Die Anleger quittierten das Abschneiden mit einem vorbörslichen Kursverlust von rund zwei Prozent.

Die Sorgen um Chinas Wirtschaft und der massiv gefallene Ölpreis hatten auch den anderen großen US-Banken zugesetzt. Im Unterschied zur reinen Investmentbank Goldman Sachs konnten breit aufgestellte Geldhäuser wie JP Morgan Chase oder die Bank of America die Turbulenzen am Finanzmarkt der vergangenen Monate aber besser abfedern, etwa mit Einsparungen oder Verbesserungen im Privatkundengeschäft. Zudem kam den Goldman-Rivalen zugute, dass sie ihre Rechtsstreitigkeiten wegen der Finanzkrise bereits größtenteils beigelegt haben - vielfach ebenfalls mit milliardenschweren Vergleichen.

brt/dpa/Reuters

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Etwas spät, die Strafe..
kraus.roland 21.01.2016
..und eine richtige Strafe ist es auch nicht für Goldman Sachs. Aber die eigentliche Schuld liegt ohnehin bei den politischen Deregulierern aus dem liberal"konservativen" Lager. Und die bleiben ja leider am Drücker. Wer sich heute fragt, was getan werden muss, damit das Vertrauen in den Markt zurückkehrt, der soll dafür sorgen, dass die arglistigen Verpackungskünste sogenannter Finanzdienstleister zuverlässig verboten und hart bestraft werden. Und davon sind wir heute genauso weit entfernt, wie bei Ausbruch der Krise!
2. The Big Short
MiniDragon 21.01.2016
könnte dazu beigetragen haben, dass in der amerikanischen Öffentlichkeit ein gewisses Umdenken begonnen hat, welches sich in solchen Vergleichen bemerkbar macht. Zwar gibt es das gleichnamige Buch von Micheal Lewis* schon seit vielen Jahren zu lesen, aber liest denn noch Bücher ? * so auch der Titel der als Goldmann- Taschenbuch vorliegenden Übersetzung ins Deutsche.
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