Gerichtsprozess Die Libyen-Connection von Goldman Sachs

In einem Prozess vor dem Obersten Gerichtshof Großbritanniens werden pikante Details publik gemacht: Goldman Sachs hat offenbar Prostituierte bezahlt, um einen Auftrag des libyschen Staatsfonds zu bekommen.

Goldman-Zentrale in New York
REUTERS

Goldman-Zentrale in New York


Vielleicht ärgern sich die Libyer auch einfach nur über ihre Verluste. Im Prozess gegen die mächtige US-Investmentbank Goldman Sachs verbreiten sie jedenfalls pikante Details über eine Geschäftsbeziehung.

So soll Goldman Prostituierte bezahlt sowie die Kosten für Geschäftsreisen und Fünfsternehotels übernommen haben, um an einen Auftrag des libyschen Staatsfonds zu kommen. Das berichtet der "Guardian" unter Bezugnahme auf einen Prozess vor dem High Court, dem Obersten Gerichtshof Großbritanniens.

Der Fall geht zurück ins Jahr 2006. Damals wurde die sogenannte Libyan Investment Authority (LIA) gegründet, um die Einnahmen aus dem Ölgeschäft gewinnbringend zu investieren. Goldman Sachs bekam den Auftrag und war für das Land zwischen Januar und April 2008 tätig.

Wegen verlustreicher Geschäfte fordert die LIA nun 1,2 Milliarden Dollar (umgerechnet 1,06 Milliarden Euro) von dem Finanzinstitut zurück. Goldman dagegen habe "gigantische Gewinne" eingefahren, so Roger Masefield, Vertreter des LIA vor Gericht. Goldman bestreitet die Vorwürfe der Klageschrift. "Die Vorwürfe sind substanzlos." Anwälte der Großbank wollen am Dienstag aussagen.

Auf Kosten der Bank Urlaub in Marokko gemacht

Um an den Auftrag zu kommen, so erzählte es Masefield im Gericht, sei ein Goldman-Vertreter nach Tripolis abgeordnet worden, um den LIA-Angestellten Investmentstrategien zu lehren, und sie zum Essen einzuladen. Im Gegenzug durfte ein Bruder des damaligen LIA-Chefs, ein Praktikum bei der Bank machen. Jahresgehalt: 36.000 Dollar (knapp 32.000 Euro).

Gerichtsunterlagen zufolge entwickelte sich eine ganz spezielle Geschäftsbeziehung zwischen den beiden. Der Praktikant habe auf Kosten der Bank Urlaub in Marokko machen dürfen, bei einer Konferenz in Dubai seien ihm die Business-Class-Flüge und eine Fünfsterneunterkunft bezahlt worden. Auch die Rechnungen von Prostituierten seien beglichen worden.

Der LIA zufolge ist das Praktikum Gegenstand von Untersuchungen der US-Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission.

Der Prozess wird fortgesetzt.

msc

insgesamt 8 Beiträge
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1lauto 13.06.2016
1. wo sind die ca. 100
Milliarden des angeblichen Privatvermögens Gaddafis geblieben ? Wer hilft mir suchen?
Referendumm 13.06.2016
2. Tiefe Recherche mal nötig
Auf SPON gab es ja schon einige Artikel zum Thema Goldman Sachs - aber auch DIE französische Bank überhaupt - sowie dem libyschen Staatsfonds. Kurz zusammen gefasst: Goldman Sachs und die französische Bank schuldeten dem libyschen Staatsfonds und damit dem Staat Libyen mehrer Milliarden US$. Interessanterweise, bevor es überhaupt zur Zahlung bzw. zum Streit deswegen kommen konnte, wurde Libyen und letztendlich deren Regierung von US- und franz. Flugzeugen quasi in die Steinzeit gebombt. Die Regierung dadurch gestürzt. Seitdem herrscht dort das Chaos. Dass das kein Zufall war, dürfte eigentlich jedem klar sein. Schade, dass SPON oder andere Medien dieses Thema nicht ausführlicher erörtern. Wir haben doch noch eine freie Presse, oder?
Snozzlebert 13.06.2016
3.
Zitat von ReferendummAuf SPON gab es ja schon einige Artikel zum Thema Goldman Sachs - aber auch DIE französische Bank überhaupt - sowie dem libyschen Staatsfonds. Kurz zusammen gefasst: Goldman Sachs und die französische Bank schuldeten dem libyschen Staatsfonds und damit dem Staat Libyen mehrer Milliarden US$. Interessanterweise, bevor es überhaupt zur Zahlung bzw. zum Streit deswegen kommen konnte, wurde Libyen und letztendlich deren Regierung von US- und franz. Flugzeugen quasi in die Steinzeit gebombt. Die Regierung dadurch gestürzt. Seitdem herrscht dort das Chaos. Dass das kein Zufall war, dürfte eigentlich jedem klar sein. Schade, dass SPON oder andere Medien dieses Thema nicht ausführlicher erörtern. Wir haben doch noch eine freie Presse, oder?
So frei wie Presse eben überall auf der Welt ist, mal etwas mehr mal etwas weniger, Verschwörungstheorien die nur in Ihrem Kopf Sinn machen haben aber auf jeden Fall nichts in seriösen Medien zu suchen. Ich frage mich was "die französische Bank" sein soll?
demokroete 14.06.2016
4. So etwas ist doch Gang und Gäbe
Bei VW gab es auch Lustreisen für Betriebsräte. Also was solls ?
grünerschnabel 14.06.2016
5. kommt drauf an wie offen der Kopf und wie wach der Geist ist..
@Snozzlebert: die französische Großbank Société Générale z.B. zitierte die ehrenwerte SZ im Mai 2011 die Organisation Global Witness.
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