Aufpasser für Blankfein: Goldman Sachs besänftigt Kritiker mit Posten-Trick

Der Brandbrief eines Ex-Mitarbeiters und brisante Investitionen haben dem ohnehin angekratzten Image von Goldman Sachs geschadet. Lloyd Blankfein, dem Chef der US-Investmentbank, drohte eine Aktionärsrevolte. Das Institut reagierte nun mit einem Kniff und schuf kurzerhand einen neuen Posten.

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein: Ein Aufpasser für den Alleinherrscher Zur Großansicht
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Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein: Ein Aufpasser für den Alleinherrscher

New York - Für die einen ist er ein genialer Banker, für die anderen der Inbegriff des gewissenlosen Finanzhais: Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein lässt weder seine Anhänger noch seine Gegner kalt. Bisher war der Boss der US-Investmentbank fast unantastbar. Doch nun können seine Kritiker einen Mini-Erfolg verbuchen. Denn der mächtige Banker bekommt eine Art Aufpasser.

Goldman Sachs hat einen "lead director", einen Hauptgeschäftsführer, berufen. Den Posten werde James J. Schiro übernehmen, teilte die Bank mit. Schiro war früher Geschäftsführer der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers. Bei Goldman Sachs wird er auch als Vorsitzender der Unternehmenskontrolle und des Nominierungsausschusses tätig sein.

Mit Schiros Ernennung reagierte die Investmentbank auf Bestrebungen von Aktionären, die Macht von Lloyd Blankfein zu beschneiden. Die Kritiker fordern, den Posten des Vorstands- und Verwaltungsratschefs zu trennen. Beide Positionen hat Lloyd Blankfein in Personalunion inne.

Und dabei soll es offenbar zunächst auch bleiben. Denn die Einrichtung des neuen Hauptgeschäftsführerpostens werten Beobachter als strategischen Schwenk der Bank, eine offene Revolte gegen Blankfein zu verhindern.

Hektischer Verkauf einer Sex-Website

Diese Strategie könnte aufgehen. Die Gewerkschaft AFSCME als Vertreter von Anteilseignern zog einen Antrag der Aktionäre für eine Trennung der beiden Posten zurück. Sie erklärte nun, sie setze darauf, dass der Hauptgeschäftsführer eine dringend nötige Überprüfung der Geschäftspraktiken und der Interessenskonflikte einleite.

Blankfein gehört zu den mächtigsten, aber auch umstrittensten Bankern der Wall Street. Ende 2009 sorgte der Goldman-Chef für Entrüstung, als er mitten in der Finanzkrise Gehälter und Macht der Investmentbanker mit dem Satz verteidigte, sie täten "Gottes Werk".

Zuletzt war Goldman Sachs Chart zeigen in die Schlagzeilen geraten, weil ein früherer Mitarbeiter der Bank in einem öffentlichen Brandbrief vorwarf, sie habe ihre Kunden regelmäßig bewusst abgezockt. Das Institut ist nun offenbar darauf bedacht, nach außen hin einen guten Eindruck zu machen. So stieß die Großbank überhastet eine Beteiligung an einer Internetseite ab, die Prostitution und Menschenhandel fördern soll.

mmq/AP/Reuters

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king_pakal 03.04.2012
Zitat von sysopREUTERSDer Brandbrief eines Ex-Mitarbeiters und brisante Investitionen haben dem ohnehin angekratzten Image von Goldman Sachs geschadet. Lloyd Blankfein, dem Chef der US-Investmentbank, drohte eine Aktionärsrevolte. Das Institut reagierte nun mit einem Kniff und schuf kurzerhand einen neuen Posten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,825438,00.html
Solange religiöse Psychopaten als CEO eingestellt werden und auch noch in der Finanzbranche (die für Machtausübung, neben Waffen, die aus der Sicht der Eliten die "wichtigste" ist), wird sich auch in der Welt nichts verändern. Die Armen werden weiter verarmen und die Reichen werden immer reicher. Der Reset kommt gewiss! Wie alle 70 / 80 Jahre. Möglicher Lösungsansatz: Abschaffung von Geld --> Machtentzug der Elite --> bessere Verteilung von Wohlstand.
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