Gehortetes Metall Großbank Goldman wird wegen Alu-Karussells verklagt

Goldman Sachs soll Aluminium zwischen Lagerhäusern hin- und herbefördert haben - um die Preise hochzutreiben. Ein Aluminiumverarbeiter will das nicht hinnehmen. Er hat die Großbank und die Londoner Metallbörse verklagt.

Aluminium-Barren (in Russland): Wartezeit verzehnfacht
REUTERS

Aluminium-Barren (in Russland): Wartezeit verzehnfacht


Hamburg/New York - Die US-Investmentbank Goldman Sachs Chart zeigenund die britische Metallbörse London Metal Exchange (LME) werden wegen dubioser Geschäfte mit Aluminium angeklagt. Das teilte die LME-Mutterfirma Hong Kong Exchanges & Clearing (HKE) laut einem Bericht des "Wall Street Journal" mit. Die Klage wurde in Michigan eingereicht, Hauptankläger ist der Aluminiumverarbeiter Superior Extrusion.

Aufgrund von gelockerten Vorschriften hatte Goldman vor drei Jahren den Lagerhausbetreiber Metro International kaufen können, der mehr als ein Viertel des auf dem Markt verfügbaren Aluminiums in seinen Lagern in der Gegend von Detroit aufbewahrt. Laut einem Bericht der "New York Times ("NYT") hat sich seit dem Einstieg von Goldman die Wartezeit von Kunden um das Zehnfache erhöht. Die LME ist als Betreiber von rund 700 Metalllagern in 36 Ländern für die Aufsicht zuständig.

Durch die verlängerten Lieferzeiten verdient Goldman einerseits durch erhöhte Lagermieten, die täglich bei 48 Cent pro Tonne Aluminium liegen. Zum andern treibt die Bank dadurch die Alu-Preise hoch. Die Zeitung zitierte Expertenschätzungen, wonach US-Kunden durch diese Praxis Mehrkosten von fünf Milliarden Dollar entstanden sein könnten.

Genährt wird der Verdacht gegen Goldman durch ein bizarres Ritual: Der "NYT" zufolge fahren zwischen den Warenhäusern regelmäßig Lastwagen, die das Aluminium hin- und herbewegen. So erfüllt Goldman formal Auflagen, die übermäßig lange Lagerzeiten verhindern sollen. Tyler Clay, ein früherer Gabelstaplerfahrer in den Lagern, sprach gegenüber der Zeitung von einem "Metall-Karussell".

Nun würden Goldman und LME wegen "wettbewerbswidrigen und monopolitischen Verhaltens im Warenlager-Markt in Zusammenhang mit Aluminiumpreisen" verklagt, teilte die Mutterfirma HKE mit. Sie bezeichnete die Klage ebenso wie Goldman als unbegründet und kündigte entschiedenen Widerstand an.

Wasser-Deal in Großbritannien?

In Großbritannien will Goldman derweil offenbar zusammen mit dem deutschen Versicherer Allianz Chart zeigen ins Wassergeschäft einsteigen. Wie die "Sunday Times" ohne nähere Quellenangaben berichtete, planen Goldman und Allianz den Kauf eines 30-Prozent-Anteils an der Yorkshire Water Services Ltd. Der Wert des Anteils an dem Versorger dürfte dem Bericht zufolge bei zwei Milliarden britischen Pfund liegen.

Wie die Zeitung weiter berichtete, will die Citigroup einen Anteil von 17 Prozent an dem Wasserversorger abgeben. Ihr Anteil würde damit von bisher 37 auf 20 Prozent sinken. Die Investmentgesellschaft M&G wolle hingegen ihren gesamten Anteil von 13 Prozent verkaufen,.

dab/dpa/Reuters



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insgesamt 97 Beiträge
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joergsi 05.08.2013
1.
Gibt es einen lustigen Film zu: The Daily Show 25 July 13 Goldman Sachs Market Manipulation & Monopoly - YouTube (http://youtu.be/4yIHkjcfWfg)
uban1 05.08.2013
2.
Gut zu hören dass die Betroffenen endlich mal der Banken-Propaganda (Derivate und sonstiges finanzgetue würden den echten Märkten nur helfen aber nie Schaden zufügen) die Maske runterreissen. Kritiker wurden bisher immer als wirschaftsfeindliche Öko's und marktferne Linke abqualifiziert, hier beschweren sich endlich mal die Subjekte der echten Wirtschaft gegen die Machenschaften der Finanz-Oligarchie.
pepe_sargnagel 05.08.2013
3.
Zitat von sysopREUTERSGoldman Sachs soll Aluminium zwischen Lagerhäusern hin- und herbefördert haben - um die Preise hochzutreiben Nun wird die Großbank gemeinsam mit der Londoner Metallbörse verklagt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/goldman-sachs-wird-wegen-dubioser-aluminium-geschaefte-verklagt-a-914767.html
Den Schweinezyklus gibts nicht nur am Arbeitsmarkt. Dieser kann erklären, weshalb es sich lohnen kann die Güter nur hin- und herzutransportieren. Es lohnt sich dann, wenn der Preis (aufgrund der aktuellen unverfügbarkeit des Stoffes stärker steigt als die verursachten Kosten des Transports Google-Ergebnis für http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/e/e9/Schweinezyklus.svg/330px-Schweinezyklus.svg.png (http://www.google.de/imgres?client=firefox-a&hs=rKa&sa=X&rls=org.mozilla:de:official&biw=1280&bih=871&tbm=isch&tbnid=gAM6eQQel8EopM:&imgrefurl=http://de.wikipedia.org/wiki/Schweinezyklus&docid=ipSn4t_4q4FYDM&imgurl=http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/e/e9/Schweinezyklus.svg/330px-Schweinezyklus.svg.png&w=330&h=200&ei=PUT_UdHYKMfxPK-egWg&zoom=1&iact=hc&vpx=4&vpy=267&dur=1478&hovh=160&hovw=264&tx=204&ty=103&page=1&tbnh=132&tbnw=218&start=0&ndsp=30&ved=1t:429,r:0,s:0,i:85)) Hier aber wird bewusst der Preis durch einen Zulieferer beeinflusst. Betriebswirtschaftlich ist das für die Bank in Ordnung - volkswirtschaftlich verursacht das einen Schaden. Aber ich denke, dass die Unternehmen auf die betriebswirtschaftlichen Zahlen schauen müssen. Nur wenn Gesetze dem entgegen stehen sollten sie von den betriebswirtschaftlichen Zielen abweichen. Aber es gibt auch einen -für Banken eher unbedeutenden- Faktor: Wenn der Konsument das Vertrauen in die Banken verliert müssten sie massenweise abwandern. Das geschieht hier aber nicht effizient: Die Marktzutrittsbarrieren sind hoch und so bleibt alles beim alten. Zur Not hilft der Staat mit "der finfnzierung notleidender Kredite" nach. Notleidende Bürger sind nicht so schlimm wie notleidende Banken.
marthaimschnee 05.08.2013
4.
Jetzt produziert das Finanzpack also auch noch vorsätzlich Mangelwirtschaft - so langsam gehen irgendwie die Argumente gegen den Sozialismus aus, oder? Ich meine, inzwischen haben wir nahezu die gesamte Bandbreite an Nachteilen realsozialistischer Systeme übernommen (Mangel, Korruption, Überwachung), aber nichts von den Vorteilen - mit Blick auf die DDR vor allem Gesundheits- und Bildungssystem bzw der gesellschaftliche Zusammenhalt. Hier sind Mächte am Werk, die aus purem Eigennutz das schlechteste aus beiden Welten kombinieren!
ChristianWild 05.08.2013
5. Goldmann
ist ein amerikanisches Unternehmen. Immer noch nicht begriffen? Sie spionieren uns nicht nur aus, sonder manipulieren uns noch über ihr Kapital. Amerikanische Ratingagenturen und Banken sagen uns was wir zu tun haben. Europa ist ein Kleinkind und glaubt an alles. Wann werden wir endlich erwachsen?
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