Insiderhandel Zwei Jahre Haft für früheren Goldman-Sachs-Manager

Es war einer der spektakulärsten Prozesse wegen Insiderhandels in den USA, nun ist der frühere Goldman-Sachs-Verwaltungsrat Rajat Gupta zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte geheime Informationen an den betrügerischen Hedgefonds-Manager Rajaratnam verraten.

Rajat Gupta (r.) mit Anwalt Gary Naftalis (l.): Zwei Jahre Haft, fünf Millionen Dollar Strafe
REUTERS

Rajat Gupta (r.) mit Anwalt Gary Naftalis (l.): Zwei Jahre Haft, fünf Millionen Dollar Strafe


New York - Die New Yorker Justiz greift im Kampf gegen Insiderhandel durch: Mit Rajat Gupta muss ein einstiger Hochkaräter der amerikanischen Unternehmenswelt für zwei Jahre ins Gefängnis. Außerdem muss das ehemalige Verwaltungsratsmitglied der US-Investmentbank Goldman Sachs fünf Millionen Dollar (3,6 Millionen Euro) zahlen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Gupta geheime Informationen an einen Hedgefonds-Manager verraten hatte.

"Rajat Gupta muss nun die schwerwiegenden Konsequenzen seines Verbrechens tragen", sagte Bundesstaatsanwalt Preet Bharara am Mittwoch in New York. Er hoffe, dass die Strafe jedem anderen eine Warnung sein werde. "Sein Gebaren hat eine über Jahre gewachsene, gute Reputation für immer beschädigt."

Bereits im Juni hatte ein Geschworenengericht Gupta für schuldig befunden, Firmengeheimnisse an den befreundeten Hedgefonds-Manager Raj Rajaratnam weitergegeben und dem Unternehmen damit geschadet zu haben. Nun wurde die Höhe der Strafe verkündet.

Gupta war von 1994 bis 2003 Chef der Unternehmensberatung McKinsey und saß in den Verwaltungsräten des Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble oder der Investmentbank Goldman Sachs. Geheimnisse aus den geschlossenen Sitzungen der Gremien gab er teils schon Minuten später an Rajaratnam weiter. Dieser nutzte die Informationen, um an der Börse zu handeln.

Richter Jed Rakoff rang in seiner Urteilsbegründung mit der Frage, warum der für seine wohltätige Arbeit bekannte Gupta sein "außergewöhnliches" und "selbstloses" Verhalten aufgab und eine Straftat verübte, von der er selbst direkt nicht profitiert habe. Niemals zuvor habe er einen Angeklagten erlebt, der sich den Bedürftigen mit einer solchen Hingabe gewidmet habe. Der 63-Jährige nahm das Urteil ohne erkennbare Regung auf. Gupta hatte die Vorwürfe stets von sich gewiesen.

Den Ermittlungen zufolge hatte der in Indien geborene Ex-Aufseher unter anderem ausgeplaudert, wie viel Geld Milliardär Warren Buffett auf dem Höhepunkt der Finanzkrise in Goldman investierte. Zudem habe Gupta die Quartalszahlen von Procter & Gamble verraten. Im Oktober vergangenen Jahres hatte sich der Wall-Street-Star dem FBI gestellt.

Rajaratnam war beim selben Jahr bereits wegen Insiderhandels verurteilt worden und sitzt eine elfjährige Haftstrafe ab.

Der Fall Rajaratnam war einer der größten Hedgefonds-Skandale an der Wall Street in den vergangenen 30 Jahren. Der Justiz gingen bereits etliche andere ehemalige Börsenhändler, hochrangige Manager und Anwälte ins Netz, die börsenrelevante Informationen austauschten. Die Beteiligten wussten immer den entscheidenden Moment früher als der restliche Markt über Quartalsberichte oder interessante Fusionspläne von Unternehmen wie IBM, Google oder Intel Bescheid. Laut Staatsanwaltschaft profitierte Rajaratnam allein mit 70 bis 75 Millionen Dollar von dem Insider-Wissen.

siu/dap/Reuters



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Seite 1
fleischwurstfachvorleger 25.10.2012
1. Wie kleinlich!
Zitat von sysopREUTERSEs war einer der spektakulärsten Prozesse wegen Insiderhandels in den USA, nun ist der frühere Goldman-Sachs-Verwaltungsrat Rajat Gupta zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte geheime Informationen an den betrügerischen Hedgefonds-Manager Rajaratnam verraten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/goldman-sachs-zwei-jahre-haft-fuer-ex-manager-gupta-a-863270.html
Landsmänner unterhalten sich gepflegt über die Familie, das Wetter und Geschäfte. - Was kann daran strafwürdig sein. Da sollte man sich mal die Absprachen in Deutschland zu den Themen: Schiene, Zement, Energie, Sprit etc ansehen. - Alles legal.
deb2011 25.10.2012
2. Verstehe ich nicht ganz
Die Länder verzichten doch nicht freiwillig auf über 200 Millionen Euro. Zudem macht mich misstrauisch, dass sich so viele Länder so schnell einig sind. Normalerweise bedeutet das, dass man mehr erwartet - und nicht verzichtet ...
sushiboi 25.10.2012
3. Peanuts
Die 5 Millionen kann doch eine Person dieses Berufsstandes aus der Portokasse zahlen. Genau wie beim befreundeten Hedgefonds-Manager Rajaratnam, dessen Geldstrafe nicht einmal 1% des ergaunerten Vermögens ausmachte. Solange die Strafen nicht mindestens verzehnfacht werden, was für Leute wie ihn immer noch locker begleichbar wäre, ohne danach gleich Sozialhilfe beantragen zu müssen, wird sich an diesem System auch nichts ändern.
frubi 25.10.2012
4.
Zitat von sysopREUTERSEs war einer der spektakulärsten Prozesse wegen Insiderhandels in den USA, nun ist der frühere Goldman-Sachs-Verwaltungsrat Rajat Gupta zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte geheime Informationen an den betrügerischen Hedgefonds-Manager Rajaratnam verraten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/goldman-sachs-zwei-jahre-haft-fuer-ex-manager-gupta-a-863270.html
Das ist doch kein richtiger Bankster. Ein richtiger Bankster betrügt, ohne das man ihm etwas nachweisen bzw. ohne das man ihn juristisch belangen kann. Naja. Wenigstens erwichst es jetzt mal einen von denen aber letztlich halte ich einen Großteil der Finanzindustrie für kriminell, auch wenn Sie es nach den geltenden Gesetzen nicht ist.
blob123y 25.10.2012
5. ich frage mich immer
Zitat von sysopREUTERSEs war einer der spektakulärsten Prozesse wegen Insiderhandels in den USA, nun ist der frühere Goldman-Sachs-Verwaltungsrat Rajat Gupta zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte geheime Informationen an den betrügerischen Hedgefonds-Manager Rajaratnam verraten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/goldman-sachs-zwei-jahre-haft-fuer-ex-manager-gupta-a-863270.html
warum bei diesen Finanzgaunereien immer unverhaelnissmaessig viele Inder dabei sind.
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