Preisanstieg des Edelmetalls Comeback des Goldes

An den Börsen geht es derzeit abwärts - für den Goldpreis dagegen aufwärts. Wie lange hält sich der Trend?

Gold im Fokus: Ist der aktuelle Preisanstieg von Dauer?
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Gold im Fokus: Ist der aktuelle Preisanstieg von Dauer?

Von manager-magazin.de-Redakteur Christoph Rottwilm


Globales Börsenrutschen, weltpolitische Krisen und dazu noch düstere Prophezeiungen von pessimistischen Ökonomen, die einen Finanzcrash vorhersehen wollen: Wen wundert's da, dass sich der Goldpreis in diesem Jahr so prächtig entwickelt?

Anfang dieser Woche sprang der Preis des Edelmetalls nochmals in die Höhe und kletterte erstmals seit Monaten über die 1200-Dollar-Marke je Unze. Um etwa 13 Prozent hat Gold damit 2016 bereits zugelegt. Inzwischen ist wieder das Niveau von Juni 2015 erreicht - seinerzeit hatte das Edelmetall diese Marke allerdings noch auf dem Weg nach unten passiert.

Ist dies also tatsächlich die Wende beim Goldpreis? Ist es der richtige Augenblick, um von riskanten Assets wie Aktien in den als sicher betrachteten Hafen zu flüchten?

Tatsächlich gehen offenbar viele Investoren von - zumindest vorläufig -weiter steigenden Preisen aus. Mehr als 2,6 Milliarden Dollar flossen dieses Jahr bereits in Indexfonds, die Gold und andere Edelmetalle abbilden, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Gleichzeitig befinden sich die Goldbestände dieser ETFs (Exchange-Traded Funds) auf dem höchsten Stand seit Juli vergangenen Jahres.

Noch besser spiegelt das Geschehen an der New Yorker Terminbörse die Erwartung der Akteure wider. Laut Bloomberg waren dort am Montag acht der zehn meistgehandelten Gold-Optionen Wetten auf steigende Preise. Die höchsten Umsätze erzielte eine Call-Option, die dem Besitzer einen Kaufpreis von 1200 Dollar je Unze im April sichert. Auf Platz zwei landete ein Call, bei dem der garantierte Kaufpreis im April sogar 1250 Dollar beträgt. Wer niedrigere Preise erwartet, wird von solchen Optionen tunlichst die Finger lassen.

Die Frage ist allerdings, wie nachhaltig der aktuelle Preisanstieg ist. Hat der Goldpreis ein Tal durchschritten und strebt nun längerfristig neuen Hochs zu? Oder wird die Aufwärtsbewegung ebenso abrupt wieder enden, wie sie begonnen hat?

Einige Analysten verweisen zwar darauf, dass die aktuelle Rallye wohl auch durch Short-Abdeckungen beschleunigt werde. Das heißt: Spekulanten haben zuvor auf fallende Preise gesetzt und müssen sich nun möglichst rasch eindecken, um ihre Positionen zu schließen. So etwas kann kurzfristig zu überschießender Nachfrage führen.

So beeinflusst der Aktienmarkt den Goldpreis

Insgesamt geben sich Fachleute jedoch vorsichtig optimistisch. Entscheidend dürfte unter anderem sein, wie sich die Lage am Aktienmarkt weiterentwickelt, sprich: wie weit es mit den Kursen dort noch abwärtsgeht. Nach einer raschen Erholung jedenfalls sieht es angesichts der Kursstürze der vergangenen Tage kaum aus.

Bemerkenswert: Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts (DAI) ist die Zahl der Aktionäre in Deutschland im vergangenen Jahr auf ein Drei-Jahres-Hoch gestiegen. Im Jahresschnitt lag die Zahl derer, die Aktien oder Anteile an Aktienfonds besaßen, bei rund 9,01 Millionen, wie das DAI mitteilte.

Im Zusammenhang mit den jüngsten Kursverlusten an der Börse passt das gut ins Bild: Einer Faustregel zufolge endet ein Aufschwung am Aktienmarkt in der Regel dann, wenn auch der letzte potenzielle Aktionär eingestiegen ist ("Milchmädchen-Hausse"). Auch das wäre also ein Zeichen dafür, dass es mit dem Bullenmarkt vorläufig vorbei ist.

US-Zinsen und weitere Einflussfaktoren

Für den Verlauf des Goldpreises ebenso entscheidend ist wohl die künftige Zinspolitik in den USA. Die im vergangenen Jahr begonnene Zinswende müsste eigentlich den Preis des Edelmetalls belasten, weil sie alternative Geldanlagen attraktiver macht. Inzwischen glaubt jedoch kaum noch jemand, dass es im laufenden Jahr - wie von der US-Notenbank Fed ursprünglich geplant - vier weitere Zinsschritte geben wird. Wenn es hochkommt, setzt die Fed ihren Leitzins bis Ende 2016 wohl nur noch einmal nach oben - ein Szenario, mit dem Gold-Fans gut leben können dürften.

Die Bank Julius Bär hat zuletzt ihre Einschätzung gegenüber dem Edelmetall geändert. Angesichts der zunehmenden Risikoaversion an den Finanzmärkten sei eine pessimistische Einstufung nicht mehr gerechtfertigt, zitiert der US-Sender CNBC aus einem Kommentar der Bank. Investoren sollten Gold als Absicherung in ihre Portfolios aufnehmen.

Auch Michael Widmer von der Bank of America Merrill Lynch erwartet laut CNBC, dass der Goldpreis bis Ende des Jahres bei 1250 Dollar je Unze notieren wird und damit immerhin noch ein Stück höher als derzeit.



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Seite 1
materialist 09.02.2016
1. Aktien ?
Die einzigen Aktien die ich habe sind die einer Goldmine.Die von Gelddauerdrucker Draghi aufgepumpte Börse muss platzen-
texas_star 09.02.2016
2. ach, jetzt kommen gleich...
die Goldjuenger wieder aus den Loechern... dabei ist Gold doch ein so tolles Investment. Goldpreis identisch mit dem Niveau von 2010... so ein schrottigen Indexfund muss man erst einmal suchen der keinerlei Dividende abwirft und nach 5 Jahren keine Steigerung hat. In der selben Zeit stief der S&P 500 trotz neueren Verlusten immerhin noch um 50%+ ....
monoman 09.02.2016
3. ...dass der Goldpreis bis Ende des Jahres bei 1250 Dollar je Unze notieren wird...
Was soll das bitteschön für eine Aussicht auf steigende Goldpreise sein, 1250$ bei Jahresende, wenn wir Anfang Februar schon bei 1200$ sind? 1250$ am Ende der Woche, wenn wir Dienstags bei 1200$ sind, das wäre vielleicht noch als aufstrebender Goldpreis zu bezeichnen, wenn es nicht ohnehin noch im Bereich der üblichen Volatitlität läge.
TS_Alien 09.02.2016
4.
Zitat von texas_stardie Goldjuenger wieder aus den Loechern... dabei ist Gold doch ein so tolles Investment. Goldpreis identisch mit dem Niveau von 2010... so ein schrottigen Indexfund muss man erst einmal suchen der keinerlei Dividende abwirft und nach 5 Jahren keine Steigerung hat. In der selben Zeit stief der S&P 500 trotz neueren Verlusten immerhin noch um 50%+ ....
Und jetzt raten Sie einmal, wer die Dividenden der Aktionäre Jahr für Jahr bezahlt? Es sind die Kunden der AGs, die überteuerte Produkte kaufen (müssen). Wieso vergleichen Sie mit 2010? Nehmen Sie ein anderes Datum und vergleichen Sie dann. Wer in Gold investiert, möchte eine gewisse Sicherheit haben. Das ist vielen die fehlende Dividende wert. Goldjünger haben noch nie komplette Wirtschaften zum Absturz gebracht. Das schaffen nur die Börsenjünger.
Mach999 09.02.2016
5.
Zitat von materialistDie einzigen Aktien die ich habe sind die einer Goldmine.Die von Gelddauerdrucker Draghi aufgepumpte Börse muss platzen-
Der Goldpreis ist auf dem Niveau von 2009, der Dax hat seither etwa 60% zugelegt, trotz des aktuell niedrigen Niveaus. Aktien haben langfristig - und nur darum geht es - etwas mit der realen Wirtschaft zu tun (auch wenn kurzfristig denkende Beobachter gerne das Gegenteil behaupten), während Gold ein reines Spekulationsobjekt ist. Gold ist einfach nur ein Rohstoff. Gold ist kurzfristig stabil, langfristig volatil. Bei Aktien ist es umgekehrt. Ich investiere nicht in langfristig hochvolatile Rohstoffe. Das ist mir zu riskant. Kurzfristig ist Gold ganz nett zum Parken von Kapital, aber für die Altersvorsorge ist das nichts.
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