Golf von Mexiko BP will Katastrophen-Ölquelle nicht aufgeben

Kaum hat BP die Ölkatastrophe im Griff, da denkt Top-Manager Suttles laut über neue Bohrungen im Golf von Mexiko nach. Ein Konzernsprecher dementierte prompt. Doch die Aussagen dürften dem Unternehmen neuen Ärger einhandeln.

BP-Manager Doug Suttles: "Hier gibt es eine Menge Öl und Gas"
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BP-Manager Doug Suttles: "Hier gibt es eine Menge Öl und Gas"


New Orleans - Doug Suttles hat seinem Unternehmen zum Abschied eine Debatte der unangenehmen Sorte eingebrockt. Der BP-Manager wird als Koordinator der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko abgelöst und kehrt auf seinen alten Posten in Houston zurück. Vorher sprach er aber noch offen darüber, dass BP auch künftig Bohrungen an der Unglücksstelle nicht ausschließen will.

"Hier gibt es eine Menge Öl und Gas", sagte Suttles am Freitag. Zu gegebener Zeit müsse man "darüber nachdenken, was wir damit machen". In dem Reservoir lagert Schätzungen zufolge noch immer Öl im Wert von mehreren Milliarden Dollar.

Für das öffentliche Bild des Ölgiganten sind die Äußerungen von Suttles ein Problem - und zwar ein großes. Denn nun sieht es so aus, dass der Konzern schon wieder an neue Tiefseebohrungen im Golf denkt, kaum dass die Katastrophe eingedämmt ist. Ein BP-Sprecher bemühte sich daher prompt, die Äußerungen zu relativieren.

"Wir sind völlig darauf konzentriert, das Versiegeln abzuschließen, wir sind auf die Auswirkungen (der Ölpest) auf die Küste konzentriert, auf die Reinigung und die wirtschaftliche Erholung", sagte Unternehmenssprecher Daren Beaudo. "Wir überlegen nicht, welche künftige Produktion aus diesem Reservoir erfolgen könnte."

Küstenwachen-Admiral Thad Allen, der als Ölpest-Sonderbeauftragter von US-Präsident Barack Obama die Fortschritte vor Ort überwacht, sagte am Freitag, er wisse nichts über zukünftige Pläne in der Region nach dem Abdichten des Lecks.

Dementi hin oder her, BP dürfte wegen Suttles Aussagen erneut massiv in die Kritik geraten. Dabei schien sich der Konzern mit dem angekündigten Wechsel an der Konzernspitze gerade erst ein wenig Luft verschafft zu haben. Der diplomatische Amerikaner Bob Dudley löst den umstrittenen Tony Hayward im Oktober an der BP-Spitze ab. Hayward war für das Unternehmen wegen seines desaströsen Krisenmanagements und ungeschickter Äußerungen nicht mehr zu halten gewesen. So versuchte er die Katastrophe herunterzuspielen: Die Menge an Öl und Chemikalien, "die wir dort hineintun, ist winzig im Vergleich zu der gesamten Wassermenge".

Erst am Donnerstag hatte BP Vollzug bei der Versiegelung des Bohrlochs mit Schlamm und Zement gemeldet. Im nächsten Schritt, dem "Bottom Kill", soll der Schacht über einen Entlastungskanal auch von unten abgedichtet werden. Möglicherweise noch am Freitag soll der Verschluss einem Belastungstest unterzogen werden, sagte Suttles am Freitag auf einer Pressekonferenz. Die bisherigen Zeichen seien "sehr ermutigend", fügte er hinzu.

Seit der Explosion der BP-Plattform "Deepwater Horizon" am 20. April waren aus dem lecken Bohrloch laut US-Behörden fast 800 Millionen Liter Rohöl ausgelaufen. Damit ist das Unglück der größte Ölunfall der Geschichte.

In einem Bericht der US-Wetter- und Ozeanbehörde NOAA hieß es, 74 Prozent der ins Meer gelangten Ölmenge seien bereits verschwunden - und der Rest werde vermutlich keine größeren Schäden anrichten. Experten bezweifeln diese Angaben jedoch. Sie betonen, dass die Langzeitfolgen der Ölpest kaum absehbar seien und sich eine Abschätzung der wahren Schäden deshalb verbiete. Der US-Umweltexperte Rick Steiner sagte, dass keineswegs drei Viertel des Öls verschwunden seien, sondern nur die Hälfte. Die Wirkung des Öls, das in mikroskopischen Teilchen weiterexistiere, sei unklar. Diesen Anteil hatte die NOAA mit 24 Prozent beziffert.

James Cowan von der Louisiana State University sagte, es bleibe offen, wie die NOAA zwischen natürlich und chemisch zersetztem Öl unterschieden habe. Außerdem sei unklar, wie sie die Rate der Ölverdunstung berechnet hätte - dies sei auf großen Meeresflächen äußerst schwierig.

cte/apn/dpa/AP

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Seite 1
merapi22 29.05.2010
1.
Zitat von sysopUS-Präsident Barack Obama geriet über die Vorgänge im Golf von Mexiko in die Kritik. Sein Krisenmanagement und sein Umgang mit BP werden kontrovers diskutiert. Aber welche Möglichkeiten hätte er? Sind die Ölkonzerne politische überhaupt noch zu kontrollieren?
Man muss die Macht der Ölkonzerne durch ein neues Gesetz beschneiden, das der mächtigsten Lobby Amerikas so richtig weh tut: Dem Verbot der Ölförderung im Meer! Obama ist ein Umweltschützer und nur seinem Gewissen und der Zukunft verpflichtet.
emigskarl 29.05.2010
2. Und Gott ist weiß und hat einen Rauschebart?
Zitat von merapi22Man muss die Macht der Ölkonzerne durch ein neues Gesetz beschneiden, das der mächtigsten Lobby Amerikas so richtig weh tut: Dem Verbot der Ölförderung im Meer! Obama ist ein Umweltschützer und nur seinem Gewissen und der Zukunft verpflichtet.
Die USA funktionieren nur durch gigantische Ressourcenvergeudung. Irgendwo muss das Zeug herkommen. Gas aus Wyoming - was dort gerade einen gigantischen Boom erzeugt, Öl aus Lousiana - was dort gerade eine Ölpest erzeugt. Schwund ist eben überall, und da braucht gar nichts politisch geregelt zu werden. Wenn jeder Einzelne weniger Benzin verbraucht, ist das in den Gewinnen der Konzerne zu spüren - nicht aber durch Lobbyarbeit verwässerte Umweltgesetze, die nur scheinbar eine zahnlose EPA stärken sollen.
pulegon 29.05.2010
3. Milchmädchenrechnung
Zitat von merapi22Man muss die Macht der Ölkonzerne durch ein neues Gesetz beschneiden, das der mächtigsten Lobby Amerikas so richtig weh tut: Dem Verbot der Ölförderung im Meer! Obama ist ein Umweltschützer und nur seinem Gewissen und der Zukunft verpflichtet.
Dann warte ich mal, wer zuerst Schreit... die Ölkonzerne oder der Verbraucher. Konstante Nachfrage bei verknappten Angebot ist das perfekte Argument für Preissteigerungen. Wenn man versucht multinational agierende Konzerne mit nationalen Gesetzen zu kontrollieren, dann brauch man sich nicht wundern, das dass nicht funktioniert... Kleiner Tipp offshore (http://dict.leo.org/?lp=ende&from=fx3&search=offshore) außerhalb der Küstengewässer liegend vllt. einfach mal internationale Gesetze und Vereinbarungen schaffen?
merapi22 29.05.2010
4.
Zitat von pulegonDann warte ich mal, wer zuerst Schreit... die Ölkonzerne oder der Verbraucher. Konstante Nachfrage bei verknappten Angebot ist das perfekte Argument für Preissteigerungen. Wenn man versucht multinational agierende Konzerne mit nationalen Gesetzen zu kontrollieren, dann brauch man sich nicht wundern, das dass nicht funktioniert... Kleiner Tipp offshore (http://dict.leo.org/?lp=ende&from=fx3&search=offshore) außerhalb der Küstengewässer liegend vllt. einfach mal internationale Gesetze und Vereinbarungen schaffen?
Da haben Sie Recht, nur ein Verbot reicht nicht, man muss Alternativen schaffen, etwa Neue Kraftstoffe E85, Wasserstoff usw., aber die Konzerne kann man auch an die Leine legen. Wie die Kuba - Blockade zeigt sogar erfolgreich. Ja, außerhalb der Küstengewässer - offshore, macht ja auch Norwegen, kann man nur ueber die UNO in den Griff bekommen. Was man nicht versteht, wir leben auf einer Feuerkugel und haben ein Energieproblem: „99 Prozent unseres Planeten sind heißer als 1000*°C; ca. 90*Prozent des Rests sind immer noch heißer als 100*°C. Fast überall hat das Erdreich in 1*Kilometer Tiefe eine Temperatur von 35*°C bis 40*°C.“ http://de.wikipedia.org/wiki/Geothermie Sind da die Öl – und andere Lobbyisten schuld, das man das naheliegende vergisst, das Feuer unter unseren Füßen?
Rainer Helmbrecht 29.05.2010
5.
Zitat von sysopUS-Präsident Barack Obama geriet über die Vorgänge im Golf von Mexiko in die Kritik. Sein Krisenmanagement und sein Umgang mit BP werden kontrovers diskutiert. Aber welche Möglichkeiten hätte er? Sind die Ölkonzerne politische überhaupt noch zu kontrollieren?
Die Frage ist doch verengt auf Öl gestellt, sie müsste lauten, wie viele Konzerne, sind Staaten ebenbürtig, oder sogar durch Lobbyismus und Bestechung so einflussreich, dass man von Überlegenheit sprechen kann. Meiner Meinung nach, ein bereits jetzt nicht mehr umkehrbarer Prozess. MfG. Rainer
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