Golf von Mexiko: BP will wieder nach Öl bohren

Neustart nach der schwarzen Pest: Der Energieriese BP will laut Zeitungsberichten ab Juli wieder Öl im Golf von Mexiko fördern - die US-Regierung habe dies genehmigt. Vor knapp einem Jahr hatte der Konzern dort eine der größten Umweltkatastrophen der US-Geschichte verursacht.

BP-Chef Dudley: Neue Bohrungen geplant? Zur Großansicht
REUTERS

BP-Chef Dudley: Neue Bohrungen geplant?

London - Vor knapp einem Jahr verursachte eine BP-Bohrinsel im Golf von Mexiko eine verheerende Ölpest - jetzt dürfte der Konzern dort bald wieder Öl fördern. Das Unternehmen habe von den amerikanischen Behörden die Erlaubnis erhalten, seine existierenden Plattformen ab Juli wieder in Betrieb zu nehmen, berichteten "Financial Times" und "Sunday Times" übereinstimmend.

Im Gegenzug habe sich BP verpflichtet, den Behörden jederzeit Zugang zu den Bohrinseln zu gewähren. Außerdem habe das Unternehmen in einer Vereinbarung zugesichert, seine Notfallpläne nach der Katastrophe verbessert zu haben, bei der 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer strömten.

Ein Sprecher von BP wollte die Meldungen nicht kommentieren. Auch von den amerikanischen Behörden gab es keine Bestätigung. Allerdings hatte US-Präsident Barack Obama in der Vergangenheit mehrfach klar gemacht, dass es wieder Genehmigungen für Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko geben werde. Die Auflagen seien aber wesentlich strenger als früher. Die heimische Ölförderung ist für den Präsidenten auch nach der Ölpest eine wichtige Säule der Energiesicherheit in den USA.

BP ist den Berichten zufolge mit 20 Ölfeldern der größte Lizenznehmer für Tiefseeölfelder im Golf von Mexiko. Bisher gilt die Vereinbarung laut "Financial Times" für die zehn bestehenden Bohrinseln. Die "Sunday Times" schrieb, dass BP später im Jahr versuchen könnte, auch Genehmigungen für neue Bohrlöcher zu bekommen.

Transocean-Manager bekommen satte Boni

Die Katastrophe im Golf von Mexiko hatte BP in eine schwere Krise gestürzt. Die Kosten für das Öl-Desaster im Golf von Mexiko bezifferten die Briten insgesamt auf knapp 41 Milliarden Dollar. Das Geschäftsjahr 2010 endete für das Unternehmen unterm Strich mit einem Minus von 4,9 Milliarden Dollar.

Die Ölpest hatte für die Umwelt verheerende Folgen. Es dauerte rund vier Monate, bis die defekte Quelle in 1500 Metern Tiefe geschlossen werden konnte. Eine US-Regierungskommission warf den beteiligten Unternehmen "massive Managementfehler" vor.

Eine dieser Firmen, das Schweizer Ölbohrunternehmen Transocean, rühmte sich dennoch am Wochenende für seine Sicherheit. Man habe beim Sicherheitsniveau das beste Jahr der Firmengeschichte verzeichnet, heißt es im Geschäftsbericht 2010. "Dies ist ein Ergebnis unserer Bemühungen, überall und jederzeit Zwischenfälle zu vermeiden." Die Zahl der tatsächlichen und möglichen Zwischenfälle auf den Ölplattformen des Unternehmens sei trotz der Katastrophe so niedrig gewesen wie noch nie.

Von der geringen Zahl der Unfälle bei Transocean profitieren laut Geschäftsbericht vor allem die Manager. Die Höhe ihrer Bonuszahlungen bemisst sich unter anderem nach den Sicherheitskennzahlen.

Transocean ist der größte Hochsee-Ölbohrkonzern weltweit. Das auf tiefe Bohrungen spezialisierte Unternehmen hat mehr als 18.000 Mitarbeiter und besitzt rund 140 Bohranlagen. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen 9,6 Milliarden Dollar um, der Konzerngewinn betrug 961 Millionen Dollar.

ssu/dpa-AFX

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Wiederholungstäter
dr.épernay-boiler 03.04.2011
Wie Fleischhauer hier im spiegel-online kann auch BP im Golf von Mexiko nicht anders - Schmutzfinken aus Berufung, Passion und Zwang.
2. .
propagandhi 03.04.2011
Zitat von sysopNeustart nach der schwarzen Pest: Der Energieriese BP will laut Zeitungsberichten ab Juli wieder Öl im Golf von Mexiko fördern*- die US-Regierung habe dies genehmigt. Vor knapp einem Jahr hatte der Konzern dort eine der größten Umweltkatastrophen*der US-Geschichte verursacht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,754778,00.html
Das ist wohl, was man unter einer 'angemessenen Karenzzeit' versteht, bevor sich die Sau wieder unkontrolliert auf die Trüffel stürzen darf. Nachdem das Thema nun ein paar Wochen aus den Medien ist, und mit ein bisschen Propaganda und Desinformation die blöde, indoktrinierte Masse dann auch tatsächlich die Märchen von den lieben Bakterien glaubt, die die Millionen Tonnen hochgiftigen Rohöls einfach mal so im Rekordtempo wegfuttern, ist die Zeit anscheinend reif für neue Abenteuer. Mal schauen, wie lange es diesmal gutgeht. Oder ob die Kollateralschäden diesmal nicht einfach besser vertuscht werden.
3. Sehr erfreulich....
Suzi666 04.04.2011
daß die US Regierung diese vernünftige Entscheidung getroffen hat, zumal gerade bei BP sehr sicher ist, daß ein vergleichbarer Fehler nicht mehr vorkommen wird. In Deutschland hätte man natürlich unverzüglich und mit breiten gesellschaftlichen und politischen Konsens einen Ölbohrstopp ausgerufen und die Behauptung aufgestellt, daß Ölbohrungen vom Menschen einfach nicht zu beherrschen sind. Deutschland ist nicht überall, zum Glück.
4. Aber das ist doch alles nicht schlimm
marvinw 04.04.2011
Wären es Russen gewessen die den halben Ozean mit Öl versaut hätten, dann wäre es ganz schlimm. Pfui, Russen dürfen es nicht. Aber die Amerikaner schon. Das geht schon: alles kein Problem.
5. Ohne Titel ist man freier.
Rainer Helmbrecht 04.04.2011
Zitat von marvinwWären es Russen gewessen die den halben Ozean mit Öl versaut hätten, dann wäre es ganz schlimm. Pfui, Russen dürfen es nicht. Aber die Amerikaner schon. Das geht schon: alles kein Problem.
Nachdem Obama schon den Friedensnobelpreis hat, will er jetzt auch noch den Umweltengel haben, das muss doch jeder verstehen. MfG. Rainer
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