Golf von Mexiko: BP wirft Halliburton Vernichtung von Ölpest-Beweisen vor

Schwere Vorwürfe im Prozess um den Untergang der "Deepwater Horizon": Der Ölkonzern BP behauptet, Geschäftspartner Halliburton habe für das Bohrloch minderwertigen Zement geliefert. Entsprechende Beweise soll das Unternehmen absichtlich vernichtet haben.

Brand auf der "Deepwater Horizon": 780 Millionen Liter Öl ausgelaufen Zur Großansicht
REUTERS/ U.S. Coast Guard

Brand auf der "Deepwater Horizon": 780 Millionen Liter Öl ausgelaufen

New Orleans - Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko liegt mehr als anderthalb Jahre zurück, doch vor Gericht ist ihre Aufarbeitung in vollem Gange. Der Erdölkonzern BP streitet sich mit früheren Geschäftspartnern darüber, wer die Kosten der Katastrophe übernehmen muss. Nun hat BP dem Dienstleistungsunternehmen Halliburton vorgeworfen, es habe Beweismaterial zu den Ursachen des Unglücks bewusst vernichtet.

Die Vorwürfe beziehen sich auf den Zement, mit dem das Bohrloch aufgefüllt worden war. Laut BP verwendete Halliburton minderwertigen Zementschlamm und vernichtete später Hinweise auf dessen geringe Qualität. Das Unternehmen habe negative Testergebnisse "absichtlich" zerstört - unter anderem, um "jedes Risiko zu vermeiden, dass die Beweise in diesem Verfahren gegen es verwendet werden". Zudem habe Halliburton offenbar Computerdaten zur Qualität des Zements verloren.

Nach der Explosion der von BP betriebenen Förderplattform "Deepwater Horizon" im April 2010 waren vor der US-Küste rund 780 Millionen Liter Erdöl ins Meer ausgelaufen. Bei dem Unglück kamen elf Menschen ums Leben. BP hatte wegen der Katastrophe mehrere Geschäftspartner auf Schadensersatz verklagt. Allein vom Betreiber der Ölbohrplattform Transocean verlangt das Unternehmen 40 Milliarden Dollar.

dab/dapd/Reuters

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1. Unterschiedliche Handhabung
prophet46 06.12.2011
Zitat von sysopSchwere Vorwürfe im Prozess um den Untergang der "Deepwater Horizon": Der Ölkonzern BP behauptet, Geschäftspartner Halliburton habe für das Bohrloch minderwertigen Zement geliefert. Entsprechende Beweise soll das Unternehmen absichtlich vernichtet haben. Golf von Mexiko: BP wirft Halliburton Vernichtung von Ölpest-Beweisen vor - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,801925,00.html)
Halliburton wird alles versuchen, ihren Anteil an der Katastrophe zu verschleiern und die gesamte Schuld auf BP abzuwälzen. So aggieren auch die amerikanischen Gerichte, die BP die Hauptschuld zuweisen. Es ist bemerkenswert, wie unterschiedlich Industrieunfälle von der amerikanischen Justiz behandelt werden. Beim Deepwater Horizon-Unfall gab es 11 Tote, sicher beklagenswert, und ein verschmutztes Meer, dass sich inzwischen jedoch wieder zunehmend regeniert. BP hat bisher um die 30 Milliarden $ an Schadensersatz für Aufräumarbeiten und Ausgleichszahlungen an die Geschäftswelt aufwendet, Weitere Milliardenstrafen der Regierung stehen noch im Raum. Zur Erinnerung ein anderer Unfall, der Chemieunfall 1984 in Bhopal, Indien, verursacht durch den US-Chemie-Konzern Union Carbide Corporation. Katastrophe von Bhopal (http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Bhopal) Dadurch kamen bis zu 25.000 Menschen ums Leben, zusätzlich gab es über 500.000 Verletzte, die z.T. noch heute an den Folgen des Unfalls leiden. Die Amerikaner haben nach langer Gerichtsstreitereien 470 Mio. $ Schadenseresatz gezahlt, weitere 250 Mio. $ kamen von Versicherungen. Hier sieht man aufs eindringlichste, wie die Amerikaner die Dinge handhaben, wenn sie Kläger oder Beklagte sind.
2. so einfach ist das nicht,
viceman 06.12.2011
vor kurzem kam im radio (b5 aktuell oder so ) ein bericht, daß nach wie vor öl and der unglückstelle austritt.jede nacht fliegen flugzeuge und versprühe chemie. der zugang, die fahrt hin zu der austrittsstelle ist nichtn möglich, die ganze gegend ist noch abgesperrt. und nach wie vor werden ölklumpen angespült. im übrigen scheint diesae "halliburton-truppe" ein echt auf schnellen profit getrimmter sch...-laden zu sein, deren fehler und unsäglichen einsparungen ermöglichten erst den unfall!
3. System-Fehler
carahyba 06.12.2011
Zitat von sysopSchwere Vorwürfe im Prozess um den Untergang der "Deepwater Horizon": Der Ölkonzern BP behauptet, Geschäftspartner Halliburton habe für das Bohrloch minderwertigen Zement geliefert. Entsprechende Beweise soll das Unternehmen absichtlich vernichtet haben. Golf von Mexiko: BP wirft Halliburton Vernichtung von Ölpest-Beweisen vor - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,801925,00.html)
Es scheint bewiesen, dass ein wichtiges Log nicht gefahren wurde. Scheinen beträchtliche Kavitäten während des Bohrens und danach entstanden zu sein, die bei der einzubringenden Menge des Zements wohl nicht berücksichtigt wurden. Die Lagerstätte stand unter grösserem Druck als vorhergesehen. Vermutet wird, dass nicht nur ungeeigneter Zement sondern auch zu wenig eingebracht wurde. Der zuständige Manager von BP hatte sein Budget weit überzogen und wollte das Loch um jeden Preis abschliessen, war schon vom BP-Vorstand sanktioniert worden. Vermutet wird, dass die Preventeranlage am Meeresboden und die Gasdetektoren am Spülungsrücklauf manipuliert waren. In den Fällen wenn eine Lagerstätte mit hohem Gasdruck angebohrt wird, ist die zurücklaufende Spülung immer mit mehr oder weniger Gas versetzt. Die Detektoren lösen eine Sicherheitsprozedur aus, die viel Zeit in Anspruch nimmt, weil die Arbeitsvorgänge unterbrochen werden müssen und bei bestimmten Gefahrensituationen die Preventer automatisch aktiviert werden. Dies kostet Geld und Zeit. Also fährt man hohes Risiko, nein höchstes Risiko, wahrscheinlich ist man sogar Selbstmord-Risiko gefahren. Folge: 11 Tote und Milliarden Dollar Schäden und das Loch sabbert immer noch. Das dahinter steckende Profit-System birgt für solche Hoch-Risiko-Veranstaltungen erhebliche "moral hazards".
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