Chef des Roboterwagen-Projekts Google holt erfahrenen Automanager

Google macht wenige Tage vor der Automesse IAA ernst: Der Internetkonzern macht John Krafcik zum Chef der Entwicklung selbstfahrender Autos. Der Ingenieur war lange Manager bei Ford und US-Chef von Hyundai.

Selbstfahrendes Google-Auto (2014 in Kalifornien): Kandidat für Eigenständigkeit
REUTERS

Selbstfahrendes Google-Auto (2014 in Kalifornien): Kandidat für Eigenständigkeit


Die Platzhirsche der Branche werden es aufmerksam registrieren: Google kommt zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA), was bei den traditionellen Herstellern durchaus als Kampfansage um das Geschäft mit dem Auto der Zukunft gewertet wird. Nun unterstreicht der Internetkonzern seine Ambitionen: Google holt mit John Krafcik einen erfahrenen Automanager an die Spitze seines Projekts zur Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge, wie eine Sprecherin des Konzerns dem "Wall Street Journal" bestätigte.

Krafcik war von 1990 bis 2004 als Ingenieur in mehreren Führungspositionen bei Ford, später führte er jahrelang das US-Geschäft des südkoreanischen Herstellers Hyundai. Nun soll der 53-Jährige bei Google als CEO des Selbstfahr-Autoprojekts fungieren. Der bisherige Projektchef Chris Urmson soll weiter für die technische Entwicklung zuständig sein.

Zwar teilte Google Chart zeigen laut Bericht erneut mit, nicht selbst Autos produzieren, sondern gemeinsam mit Partnern an der Technologie arbeiten zu wollen. Dass Krafcik jedoch den Rang eines CEO einnehmen soll, ist ein Hinweis, dass Google das Autogeschäft mit der Zeit durchaus in eine eigenständige Firma auskoppeln könnte.

Vor wenigen Wochen hatte der Internetkonzern einen grundlegenden Umbau angekündigt, bei dem diverse eigenständige Geschäftsbereiche unter dem Dach einer neuen Holding mit dem Namen Alphabet agieren sollen. Bislang ist die Entwicklung selbstfahrender Autos beim Forschungslabor Google X angesiedelt. Eine Google-Sprecherin sagte allerdings dem Fachblatt "Automotive News", das Projekt sei "ein guter Kandidat, um irgendwann in der Zukunft eine Alphabet-Firma zu werden - aber noch nicht jetzt".

Seit mehr als sechs Jahren arbeitet Google an selbstfahrenden Autos. Zunächst baute der Konzern die Technik in Fahrzeuge anderer Hersteller ein, inzwischen testet Google einen Zweisitzer aus eigener Entwicklung auf den Straßen. Das kleine Fahrzeug soll künftig komplett vom Computer gesteuert werden und ganz ohne Lenkrad und Pedale auskommen.

Auf der IAA veranstaltet Google am Dienstag und Mittwoch zwei Vorträge im Ausstellungsbereich "New Mobility World", wie ein Sprecher des Konzerns SPIEGEL ONLINE bestätigte - einen eigenen Stand habe Google auf der IAA nicht. Zudem präsentieren einige Autohersteller nach Angaben des Sprechers auf ihren Ständen das System Android Auto, darunter Audi, Skoda, Opel und Seat.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Google werde an diesem Donnerstag seine Premiere auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) feiern. Das ist nicht richtig. Google ist aber im Rahmen der beiden genannten Vorträge im Ausstellungsbereich "New Mobility World" auf der IAA vertreten.

fdi/dpa



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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
neurobi 14.09.2015
1.
Gute Autos werden vom Ingenieuren gebaut, nicht von Managern. Google, Apple und Co. sollten sich nach Partnern umsehen, die Autos bauen können, sonst wird das nichts.
dani216 14.09.2015
2. Also wenn ich nicht selbst fahren möchte,
kann ich das schon heute. Dann steige ich in den Bus, die Bahn oder rufe mir ein Taxi. Aber warum ich mir ein solches kaufen sollte, erschließt sich mir nicht. Ach so, das kann man ja gar nicht kaufen und dann besitzen, sondern nur bezahlen und damit die Lizenz erwerben, mitgenommen zu werden.
SteveG 14.09.2015
3. Lesen hilft immer!
@neurobi: Sie hätten den Artikel vielleicht besser lesen sollen, dann wäre Ihnen auch nicht entgangen, dass dieser CEO von Hause aus Ingenieur IST. Somit haben Sie sich leider selbst bloßgestellt, tut mir leid.
Sixpack, Joe 14.09.2015
4. Ich kann nicht warten!
In einem selbstfahrenden Google/Apple/Tesla Auto von München zum Flughafen. Ohne Taxi(fahrer)!!!. Wie herrlich!
neurobi 14.09.2015
5.
Zitat von SteveG@neurobi: Sie hätten den Artikel vielleicht besser lesen sollen, dann wäre Ihnen auch nicht entgangen, dass dieser CEO von Hause aus Ingenieur IST. Somit haben Sie sich leider selbst bloßgestellt, tut mir leid.
Ich schrieb von der Mehrzahl, nicht von einem. Vielleicht sollten sie genauer lesen. Es ist ganz egal was er mal gelernt hat, Autos werden heute nicht von einem Einzelnen entwickelt, sondern von einem Team. Und solche Teams finden sie bei Automobilunternehmen. Das meinte ich.
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