Kartellverfahren gegen Android Google droht Rekordstrafe

Die EU will die Marktmacht von Googles Betriebssystem Android brechen. Laut "Financial Times" könnte ein entsprechendes Kartellverfahren mit einer Rekordstrafe in Milliardenhöhe enden.

Android-Maskottchen vor der Google-Zentrale (Archiv)
DPA

Android-Maskottchen vor der Google-Zentrale (Archiv)


Ein EU-Kartellverfahren gegen das Google-Betriebssystem Android steht angeblich kurz vor dem Abschluss. Das berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf Insider. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager werde das Ergebnis der Ermittlungen wegen des vermeintlichen Missbrauchs von Marktmacht in den kommenden Wochen bekanntgeben.

Das Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt mit einem Anteil von mehr als 80 Prozent - und nutzt nach Ansicht der EU-Kommissarin seine Marktmacht aus, um eigenen Diensten einen Vorteil zu verschaffen.

Der US-Internetkonzern Google entwickelt das System und stellt es anderen Smartphone-Herstellern kostenlos zur Verfügung. Allerdings müssen diese im Gegenzug verschiedene Dienste vorinstallieren, etwa die Google-Suche und Googles Web-Browser Chrome. Das kritisiert die EU-Kommission in ihrem Kartellverfahren.

Die EU-Kartellwächter und Google streiten bereits seit Jahren darüber, ob Google durch sein Vorgehen Marktmacht ausnutzt und so letzlich Verbraucher schädigt. Google hatte die Vorwürfe der EU-Kommission bezüglich Android immer wieder zurückgewiesen. Der Internetkonzern verwies zudem auf seinen Wettbewerb um Marktanteile mit Apples iPhone-System iOS.

Mögliche Milliardenstrafe

Wie hoch eine Strafe ausfallen wird, ist noch offen. Theoretisch sind bis zu elf Milliarden Dollar möglich - also zehn Prozent des Jahresumsatzes der Google-Mutter Alphabet.

Die EU-Kommission und Google wollten den Bericht der "Financial Times" nicht kommentieren.

Im vergangenen Jahr musste der US-Konzern mit 2,4 Milliarden Euro bereits die bisher höchste Strafe in einem EU-Wettbewerbsverfahren zahlen. Damals ging es um den Missbrauch der Marktmacht bei Suchmaschinen und der Weiterleitung zu Online-Shops. Die Ermittlungen hatten insgesamt sieben Jahre in Anspruch genommen.

Neben den laufenden Ermittlungen gegen Android ermittelt die EU-Kommission seit knapp zwei Jahren auch gegen Googles vermeintlichen Machtmissbrauch bei Werbeanzeigen.

ire/dpa-AFX

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insgesamt 12 Beiträge
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oliver_reiche 07.06.2018
1. Android ist Open Source
Jeder kann es ohne Bedingungen on Google kostenlos einsetzen, siehe Amazon Fire Produkte. Nur wer den Google Play Store vorinstallieren will muss bestimmte Bedingungen erfuellen, was auch völlig ok ist um ein bestimmtes "Produkterlebnis" zu gewaehrleisten. Wenn man deswegen Google ein Kartellverfahren anhaengen will muss man das auch mit Apple tun weil man ein iPhone kaufen muss um Zugriff auf den App Store zu bekommen...
gersois 07.06.2018
2. At&t
Es gab einmal Zeiten, da wurden Unternehmen mit Monopol-Stellung zerschlagen und in selbständige Firmen aufgeteilt. Ein klassischer Fall war AT&T in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Heute wagt sich kaum noch eine Regierung daran, ein mächtiges Unternehmen zu kontrollieren oder gar auseinander zu nehmen, im Gegenteil, man erlaubt weitere Aufkäufe und Fusionen. Die Geldstrafen sind für die Monopolisten verschmerzbar.
Freier.Buerger 07.06.2018
3. Strafen können nicht hoch genug sein
bei der derzeitigen Machtkonzentration bei Internet- aber auch anderen Unternehmen brauchen wir ein stärkeres Kartellrecht. Google, Amazon, Facebook, Twitter... ja Große werden für große Projekte gebraucht. Trotzdem Monopole führen zu Abhängigkeiten, Monopole sind Gift für freiheitliche Gesellschaften und Demokratien. Wenn Monopole effektiv begrenzt und damit Mittelstand und Gründertum Chancen eröffnet werden, ist das der beste Weg gegen Populismus und für soziale Gerechtigkeit.
werlesenkann 07.06.2018
4. Warum fragen die EU-Kommissare nicht erstmal die Benutzer...
...ob die sich von Google gegängelt fühlen. Niemand wird gezwungen, Android zu benutzen. Mit IOS steht eine gleichwertige Alternative zur Verfügung. Wenn ich mir ansehe, wie viele mit Top-Android-SmartPhones rumlaufen, sollten die Apple-Preise ja kein Problem sein. Offensichtlich sucht die EU-Kommission nach zusätzlichen Einnahmequellen, da ja bald die Beiträge von Großbritannien weg fallen.
Nelkenghetto 07.06.2018
5. meine Güte
selbst wenn etwas vorinstalliert ist kann man es entweder deaktivieren oder ganz einfach löschen und danach das Handy einrichten wie man will. Ausserdem: Apple gängelt seine User auch gerne. Wer weiss noch das whatsapp damals fürs iphone garnicht verfügbar war? Jeder heutzutage neu verkaufte Rechner ist vorinstalliert mit diversen Programmen. Vllt sollte man Microsoft auch verklagen
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