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Vorwurf des Machtmissbrauchs: Kartellwächter nehmen Google in die Mangel

Die EU-Kommission erhöht den Druck auf Google: Binnen Wochen muss der Suchmaschinenkonzern Vorschläge machen, wie er einen Missbrauch seiner führenden Marktposition vermeidet. Sonst drohen Geldstrafen in Milliardenhöhe.

Googles Europazentrale: Ärger mit dem Kartellamt Zur Großansicht
AFP

Googles Europazentrale: Ärger mit dem Kartellamt

Brüssel - Die EU-Kommission verlangt von Google im Verfahren um den Missbrauch seiner führenden Marktposition Zugeständnisse. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia sagte am Montag in Brüssel, er habe ein entsprechendes Schreiben mit dieser Aufforderung an den Suchmaschinen-Giganten geschickt.

Google müsse binnen Wochen Vorschläge machen und mögliche wettbewerbswidrige Praktiken ändern. "Ich hoffe, Google wird diese Gelegenheit ergreifen, um unsere Bedenken auszuräumen", sagte Almunia.

Falls nicht, drohen hohe Geldstrafen von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes. Einst hatte Microsoft eine Strafe in Höhe von 1,7 Milliarden Euro nach Brüssel überweisen müssen, weil es der Kommission zufolge seine Marktmacht im Browserkrieg ausgenutzt hatte.

Der US-Konzern wies die Kritik aus Brüssel in einer ersten Reaktion zurück. "Die Schlussfolgerungen teilen wir nicht, sind aber gerne bereit, über mögliche Bedenken zu sprechen", sagte ein Sprecher.

Die EU-Kommission hatte im November 2010 das Verfahren gegen Google eröffnet. Die EU-Wettbewerbshüter gehen Hinweisen nach, denenzufolge der Konzern bei Produktanfragen die Angebote anderer Suchdienste bei den Ergebnissen vorsätzlich zu weit hinten angezeigt haben soll.

Stattdessen habe Google eigene Dienste an prominenter Stelle unter den Suchergebnissen platziert. Der IT-Riese habe zudem möglicherweise die Preise für Online-Werbung hochgetrieben. Feste Fristen in dem Verfahren gibt es nicht.

"Ökonomisch getötet"

Beschwert hatten sich unter anderem das französische Unternehmen 1plusV, das dem Suchmaschinenkonzern vorwirft, einige seiner Angebote "ökonomisch getötet" zu haben. 1plusV entwickelt spezielle Suchmaschinen, darunter Ejustice.fr und Eguides.fr. Das Unternehmen wird von einem früheren Cheflobbyisten des Google-Konkurrenten Microsoft unterstützt.

1plusV wirft Google vor, die Entwicklung von Suchmaschinen, die sich auf bestimmte Themengebiete konzentrieren, zu blockieren. Wenn Konkurrenten das Google-Werbesystem nutzen wollten, würden sie gezwungen, ausschließlich dessen Software zu verwenden, erläuterte 1plusV. Zudem wende Google weitere unlautere Praktiken an. Beispielsweise durchsuche der Algorithmus auch solche Seiten, die eigentlich Suchmaschinen offiziell aussperrten. Web-Seiten würden zudem ohne plausible Begründung aus dem Suchindex entfernt und zuweilen Monate später wieder aufgenommen, obwohl sich an den Seiten noch an Googles Richtlinien in der Zwischenzeit etwas geändert habe.

Neben Ejustice.fr haben schon vor einiger Zeit auch die Preisvergleichsportale Foundem und Ciao (Microsoft) - Beschwerde bei der EU-Kommission gegen die Geschäftspraktiken des Suchmaschinen-Riesen eingereicht.

Als Beleg für die angebliche Manipulation von Suchergebnissen schickte das britische Unternehmen Foundem umfangreiches Datenmaterial an die EU-Kommission (siehe Fotostrecke). Aus diesem gehe unter anderem hervor, dass der Konzern bei Produktanfragen die eigenen Services an prominenter Stelle unter die Suchergebnisse mische und damit Konkurrenten den Platz raube, sagte Foundem seinerzeit SPIEGEL ONLINE.

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11  Bilder
Foundem-Vorwürfe: Manipuliert Google seine Suchmaschine?
Ein anderer Wettbewerber, der Online-Kartendienst MapQuest, musste den Vorwürfen zufolge Einbußen bei Seitenaufrufen hinnehmen, nachdem er in den Suchergebnissen plötzlich hinter Googles eigenem Kartendienst Google Maps auftauchte - selbst dann, wenn Nutzer nach Begriffen wie "mapquest driving directions" gesucht hätten.

Google beherrscht den Suchmaschinenmarkt weltweit, der Konzern hat rund 85 Prozent Marktanteil bei Suchanfragen, in Deutschland und Europa sogar mehr als 90 Prozent.

Google darf Motorola schlucken

Während die EU-Kommission die Daumenschrauben anzieht, feiert Google an anderer Stelle einen Erfolg. Die Suchmaschine darf Motorola übernehmen. Als letzte Instanz haben Chinas Wettbewerbshüter den Weg für den 12,5 Milliarden Dollar schweren Zukauf frei gemacht. Kartellwächter in den USA und Europa hatten bereits vorher zugestimmt.

China machte am Montag den Weg für die Übernahme frei. Google und Motorola wollen die Übernahme nun binnen zwei Werktagen abschließen, erklärte Motorola in einer Börsenmitteilung. Google will mit dem Zukauf sein Smartphone- und Tablet-Betriebssystem Android absichern. Motorola besitzt als einer der Vorreiter im Handy-Markt eine Vielzahl an grundlegenden Patenten. Die kann Google gut gebrauchen, um Angriffe von Apple oder Microsoft auf seine Software abzuwehren.

Das chinesische Handelsministerium stellte Bedingungen für die Zulassung de Motorola-Übernahme. So müsse Android ein freies und offenes Betriebssystem bleiben. Ähnliche Forderungen hatten bereits die amerikanischen und europäischen Wettbewerbshüter gestellt und Google vor einem Missbrauch wichtiger Motorola-Patente gewarnt, ohne die man heute kein Smartphone oder Tablet bauen kann.

ssu/dpa/dapd

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1. Die Lösung ist ganz einfach
MrStoneStupid 21.05.2012
Die EU gründet eine eigene gute staatliche Suchmaschine als Konkurrenz zu Google, wobei die EU-Suchmaschine als Staatsdienst frei von kommerzieller Werbung sein muss. So nützt das allen: Google kriegt keinen Konkurrenten in Sachen Werbung, der EU sollte eine eigene Suchmaschine als Zukunftstechnik und wichtiges Element der IT-Infrastruktur einiges Geld wert sein und der Anwender freut sich ebenfalls. Gleiches in Sachen Facebook und Twitter. So gibt es eine echte Alternative für den Anwender aber die US-Dienste haben noch eine Chance und können in Zukunft vom US-Staat gefördert werden. Kapitalismus war gestern - die Zukunft ist ein idealer Sozialismus (mit starkem Staat und Privatbesitz). (alles imho)
2. Bitte, bitte keine Patente missbrauchen?
hauptsache_dagegen 21.05.2012
Google zu sagen "ja du darfst, aber stell bitte keinen Unsinn damit an" ist ja eine ganz tolle Idee... Das ist, wie wenn man Zellenschlüssel an die Sträflinge verteilt - keiner kann denen nachher auch nur einen Vorwurf machen^^
3.
yves1981 21.05.2012
Was kann Google dafür, wenn andere Ihr Geschäftsmodell auf der Google Suche aufbauen? Die Webseite gehört Google und Sie können damit machen was Sie wollen. Schon eine Frechheit einem Webseitenbetreiber vorzuschreiben, welche Funktionen er wo wie einzubauen hat...
4. Als nächstes muss der Verkäufer auf die Produkte der Konkurrenz hinweisen
spon-facebook-10000017261 21.05.2012
Das ist ja geil, da meckern die, dass ein Betreiber seine Waren vor den Waren der Konkurrenz zeigt, ab sofort wird auch ein Verfahren gegen Kaufhäuser eingeleitet, die nicht auf eventuell bessere Ware der Konkurrenz hinweisen. Wo sind wir denn? Das ist das alltäglichste der Welt! Der Bratwurstverkäufer weißt auch nicht auf die Dönerbude hin!
5. Es ist keine Frechheit ....
MKasp 21.05.2012
Es ist keine Frechheit .... defacto-Monopolisten Vorschriften zu machen. Sie (zer-)stören den Kapitalismus, somit ihre eigene Existenzgrundlage. Google benimmt sich in Sachen Datenschutz wie ein Elefant im Porzellanladen und längst zuviel Macht. Die Politiker trauen sich schon nicht mehr, Google oder facebook an die europäischen Datenschutzgesetze zu erinnern. Ach, "erinnern" schon, so wie BIM Friedrich (ein Guttenberg-Verteidiger wider besseres Wissenkönnen), der an Stelle von Gesetzesgehorsam, die Umarmung der Datenkraken genoss und zur "Selbstkontrolle" aufrief und damit engagierte, staatliche Datenschutzaufsichtsbehörden düpierte, um den Glanz der milliardenschweren Konzerne zu genießen. Sie werde es ihm sicher auch danken.
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Fotostrecke
Web-Konzern: Alles, was Sie über Google wissen müssen

Googles Geschichte
1995 - When Larry met Sergey
Angeblich konnten Larry Page und Sergey Brin einander erst einmal nicht besonders gut leiden, als sie sich im Jahr 1995 zum ersten Mal trafen. Der 24-jährige Brin war übers Wochenende in Stanford zu Besuch, der 23-jährige Page gehörte angeblich zu einer Gruppe von Studenten, die Besucher herumführen mussten. Der Legende nach stritten Brin und Page ununterbrochen miteinander.
1996 - Es begann mit einer Rückenmassage
Die erste Suchmaschine, die Page und Brin gemeinsam entwickelten, hatte den Arbeitstitel "BackRub" (Rückenmassage), weil sie im Gegensatz zu anderen zu dieser Zeit eingesetzten Suchtechniken auch "Backlinks" berücksichtigte, also Links, die auf die entsprechende Web-Seite verwiesen.
1998 - Finanzierung
Nachdem die Versuche gescheitert waren, die eigene Entwicklung an ein Unternehmen wie Yahoo zu verkaufen, entschlossen sich Brin und Page entgegen ihren ursprünglichen Plänen, selbst ein Unternehmen zu gründen. Der Legende nach bekamen sie von Andy Bechtolsheim, einem der Gründer von Sun Microsystems, einen Scheck über 100.000 Dollar - ausgestellt auf Google Inc., obwohl ein Unternehmen dieses Namens zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht existierte. Insgesamt brachten die beiden eine Anfangsfinanzierung von knapp einer Million Dollar zusammen - was reichte, um in der Garage eines Freundes in Menlo Park, Kalifornien, ein Büro einzurichten und einen Angestellten zu engagieren. Im September wurde das mit einer Waschmaschine und einem Trockner ausgestattete Büro eröffnet - was heute als offizielle Geburtsstunde von Google betrachtet wird.
1999 - Mehr Geld und ein neues Heim
Schon im Februar 1999 zog das rasant wachsende Unternehmen in ein richtiges Bürogebäude um. Inzwischen hatte es acht Mitarbeiter. Erste Firmenkunden bezahlten Geld für Googles Dienste. Am 7. Juni wurde eine zweite Finanzierungsrunde verkündet: Die Wagniskapitalgeber Sequoia Capital und Kleiner Perkins Caufield & Byers schossen insgesamt 25 Millionen Dollar zu. Noch im gleichen Jahr bezog das Unternehmen den "Googleplex", den Kern des heutigen Hauptquartiers in Mountain View, Kalifornien.
2000 - AdWords
Das Jahr 2000 muss als jenes gelten, in dem Google tatsächlich zu dem gemacht wurde, was es heute ist: dem mächtigsten Werbe-Vermarkter im Internet. Der Start eines "Schlüsselwort-gesteuerten Werbe-Programms" schuf die Basis für den gewaltigen kommerziellen Erfolg von Google. Man benutze "ein proprietäres Anzeigen-Verteilungssystem, um eine der Suchanfrage eines Nutzers sorgfältig angepasste Werbeanzeige beizugeben", erklärt die Pressemitteilung von damals das Prinzip. Die Anzeigen konnten online auf sehr einfache Weise eingekauft werden - AdWords war geboren und brachte sofort Geld ein. Noch heute ist die Vermarktung der Textanzeigen auf der Suchseite die zentrale Säule des Google-Imperiums, die den Löwenanteil aller Umsätze ausmacht. Parallel wurden im Jahr 2000 neue Kunden gewonnen, die Google-Suche in ihre Angebote integrierten, darunter Web-Seiten aus China und Japan. Im gleichen Jahr wurde auch die Google Toolbar veröffentlicht, die es erlaubte, mit Google das Netz zu durchsuchen, ohne auf die Google-Web-Seite zu gehen.
2001 - Profit und ein neuer Eric Schmidt
Schon im Jahr 2001 machte Google Profit - was man von den meisten anderen Start-ups, die zu dieser Zeit noch die Phantasien der Börsenmakler beflügelten, nicht behaupten konnte. Um den Anforderungen eines rasant wachsenden Unternehmens gerecht zu werden, wurde Eric Schmidt, der zuvor schon führende Positionen in Firmen wie Novell und Sun Microsystems innegehabt hatte, im August 2001 zum Chief Executive Officer Googles ernannt.
2002 - Corporate Search, Google News, Froogle
Seit 2002 verkauft Google auch Hardware - Such-Lösungen für die Intranets von Unternehmen. Im September des Jahres wurde die Beta-Version von Google News livegeschaltet, dem Nachrichten-Aggregator, der bis heute für zuweilen böses Blut zwischen Zeitungen, Nachrichtenagenturen und den Suchmaschinisten sorgt. Ein Algorithmus sammelt Schlagzeilen und Bilder und komponiert daraus nach bestimmten Kriterien eine Übersichtsseite. Im Dezember startete zudem Froogle, eine mäßig erfolgreiche Produkt-Suchmaschine. Heute heißt Froogle schlicht Google Product Search.
2003 - AdSense und Blogger
AdSense ist die zweite wichtige Säule im Google-Anzeigenimperium. Im Jahr 2003 wurde der Dienst vorgestellt, der den Text auf Web-Seiten analysiert und daneben passende Werbeanzeigen platzieren soll. Das System bietet auch Betreibern kleiner Web-Seiten die Möglichkeit, ihre Angebote zu monetarisieren - die Einkünfte werden zwischen Seiteninhaber und Google aufgeteilt. Im gleichen Jahr kaufte Google Blogger, einen großen Blog-Hoster.
2004 - Picasa, Googlemail, Bücher und ein Börsengang
Der Start des E-Mail-Dienstes Googlemail (in den USA Gmail) wurde am 1. April verkündet, mitsamt der Nachricht, dass die Nutzer ein Gigabyte Speicherplatz zur Verfügung haben würden. Es wurde schnell klar, dass es sich nicht um einen Scherz handelte - und dass Google daran selbstverständlich verdienen will. AdSense wurde von Anfang an eingesetzt, um E-Mails nach Schlüsselwörtern zu durchsuchen und mehr oder minder passende Reklame daneben einzublenden. Im Juli kaufte Google Picasa, ein Unternehmen, das sich auf die digitale Fotoverwaltung spezialisiert hatte. Heute ist Picasa ein On- und Offline-Angebot - Googles Antwort auf Flickr.

Am 19. April konnte man Google-Aktien an der Technologiebörse Nasdaq erstmals kaufen. Eine Aktie kostete 85 Dollar. Heute ist sie knapp fünfmal so viel wert. Mit dem vielen neuen Geld stieß Google noch im gleichen Jahr verschiedene Projekte an - unter anderem Google Print: Mit den Universitäten Harvard, Stanford, University of Michigan, University of Oxford und der New York Public Library kam man überein, Bücher zu scannen, zu digitalisieren und online durchsuchbar zu machen. Im darauffolgenden Jahr wurde Google Print in "Book Search" umbenannt. Inzwischen sind zahlreiche andere Bibliotheken mit im Boot - auch deutsche.
2005 - Google Maps und Google Earth
Im Jahr 2005 kam die Google-Maschinerie richtig in Schwung. In rasantem Tempo veröffentlichte das Unternehmen, das bis zum dritten Quartal auf fast 5000 Mitarbeiter angewachsen war, eine Anwendung nach der anderen. Die im Rückblick wohl wichtigste: Google Maps, der Kartendienst, der die Welt geografisch durchsuchbar machen sollte, und sogleich mit der bis dahin nur mäßig erfolgreichen lokalen Suche Google Local verschmolz. Die im Jahr zuvor angekaufte Satellitenkapazität kam nun zum Einsatz: Sie bot die heute beinahe selbstverständliche Möglichkeit, Satellitenfotos statt abstrakter Karten anzusehen. Später im Jahr kam auch noch die Desktop-Software Google Earth, Googles Digitalglobus. Außerdem starteten: die "personalisierte Homepage", die heute iGoogle heißt, Googles Video- und Fotosuche, die Voice-over-IP und Instant-Messaging-Lösung Google Talk, der bis heute ziemlich glücklose Kleinanzeigendienst Google Base, ein eigener RSS-Reader. Und: Google kaufte das Unternehem Urchin und verwandelte dessen Webtraffic-Analysemethoden in sein Angebot Google Analytics. Damit bot das Unternehmen nun erstmals die vollständige Dienst-Palette einer Netz-Mediaagentur, eines Online-Werbevermarkters.

Die Geschäfte liefen auch 2005 hervorragend für Google - so gut, dass man eine Partnerschaft mit dem strauchelnden Online-Dinosaurier AOL verkünden und eine Millarde Dollar in das Unternehmen investieren konnte.
2006 - Google Video, Web-Applikationen , YouTube - und Kritik
Anfang des Jahres stellte Larry Page bei einem Vortrag bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas Google Video vor - und Google Pack, einen ersten, offenkundigen Angriff auf Microsoft, denn das Software-Paket enthielt diverse Anwendungen, die als Konkurrenzprodukte zu Microsofts Angebot gelten können. Gegründet wurde die Wohltätigkeitsorganisation Google.org, an den Start gingen außerdem der Finanzinformationsdienst Google Finance und die Paypal-Konkurrenz Google Checkout. Vor allem aber ist 2006 das Jahr, in dem man bei Google ernsthaft damit begann, Office-Anwendungen ins Web zu verlegen. Neben dem Google-Kalender wurde am Jahresende auch Google Docs & Spreadsheets livegeschaltet. Zuvor hatte Google Upstartle gekauft, ein Unternehmen, das bis dahin das Online-Textverarbeitungsprogramm Writely hergestellt hatte - nur eine von mehreren Akquisitionen. Auch SketchUp (3-D-Gebilde für Google Earth) und die Wiki-Plattform JotSpot wurden 2006 ins Google-Reich integriert.

Der prominenteste Ankauf des Jahres war jedoch YouTube: Google zahlte 1,65 Milliarden Dollar für die Videoplattform und holte sich so Konkurrenz zum eigenen, eben erst gestarteten Videoangebot ins Haus. Zudem wurde eine Werbe- und Suchpartnerschaft mit dem eben von Rupert Murdoch aufgekauften MySpace verkündet: Google stieg endlich ernsthaft ins Geschäft mit dem Web 2.0 ein.

Parallel verlor Google in den Augen vieler Nutzer seine Unschuld: mit dem Start einer eigenen Suchmaschine für China, die sich den Zensurwünschen der dortigen Regierung beugt. Eine Tibet-Unterstützergruppe rief eine Initiative namens "No love 4 Google" ins Leben - und fasste damit einen globalen Meinungsumschwung zusammen. Der Engelsglanz des vermeintlich anderen, besseren Unternehmens, den Google lange hatte aufrechterhalten können, schwand nach und nach.

Ende 2006 hat Google mehr als 10.600 Angestellte.
2007 - Googlemail für alle, DoubleClick, Streetview und Android
Im Februar wird Googles E-Mail-Dienst für alle geöffnet - bis dahin brauchte man eine Einladung, um seine E-Mails von AdSense nach Schlüsselwörtern durchsuchen zu lassen.

Vor allem aber ging Google 2007 auf Einkaufstour - in seinem Kerngeschäftsbereich, der Online-Werbung. Zunächst wurde Adscape, ein Spezialist für Werbung in Computerspielen, aufgekauft, dann DoubleClick. Über drei Milliarden Dollar ließ man sich den Online-Anzeigenvermarkter kosten - und eine Menge Ärger. Erst im März 2008 segnete die EU-Kommission den Kauf ab. Datenschützer sehen Google seit der DoubleClick-Akquisition noch kritischer, denn das Unternehmen ist nicht zuletzt darauf spezialisiert, möglichst gründlich Nutzerdaten zu sammeln, um personalisierte Werbung servieren zu können.

Außerdem schickte Google 2007 seine Foto-Autos los: Für die Maps-Erweiterung Streetview fuhren die Kamera-Mobile zunächst durch US-Großstädte - im Jahr 2008 sind sie auch in Deutschland unterwegs.

Außerdem beginnt Google verstärkt, Fühler in Richtung der alten Medienwelt auszustrecken - es gibt Testläufe für Werbevermarktung im Radio, in Print-Publikationen und im traditionellen Fernsehen.

Schon seit Jahren hatte Google verschiedene seiner Dienste in speziellen Handy-kompatiblen Versionen angeboten - Ende 2007 kam dann der ganz große Schritt in die mobile Welt: Das Handy-Betriebssystem Android wurde angekündigt, ein Open-Source-Projekt in Zusammenarbeit mit vielen Telekommunikationsanbietern und Handy-Herstellern.

Ein weiteres Open-Source-Projekt soll Google den Zugriff auf das Vermarktungspotential der Social Networks erleichtern: Die Plattform OpenSocial soll Netzwerkapplikationen transportabel machen, so dass sie bei MySpace genauso laufen können wie bei Xing. Die meisten der großen Communitys sind OpenSocial beigetreten - bis auf Facebook.
2008 - Knol, Chrome und kein Ende
Im laut offizieller Zeitrechnung zehnten Jahr seiner Existenz lässt die Suchmaschine im Tempo nicht nach. 2008 wurden eine kollaborative Wissensplattform (Knol), eine 3-D-Chatanwendung (Lively), Straßenansichten für noch mehr Großstädte - und ein eigener Google-Browser gestartet.

Gleichzeitig wächst die Kritik am Suchmaschinengiganten. Die immer neuen Projekte scheinen vielen Nutzern und Datenschützern inzwischen Ausdruck eines gewaltigen Datenhungers - sowohl auf persönliche Informationen über die Nutzer als auch auf nahezu jede beliebige Art von Information, die dem gewaltigen Weltarchiv Google einverleibt werden könnte. Der Google Leitspruch "Don't be evil" hat für manche inzwischen einen hohlen Klang, und die Missionserklärung, man wolle "alle Information der Welt organisieren", klingt zuweilen eher wie eine Drohung.


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