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Google-Führungsteam: Trio mit zwei Haken

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Bei Google bricht eine neue Ära an: Mitgründer Larry Page wird Chef, sein Partner Sergey Brin oberster Innovator, Ex-Boss Eric Schmidt konzentriert sich auf Business- und Lobbyaktivitäten. Das Triumvirat soll die beiden drängendsten Probleme des Internet-Giganten lösen.

Page, Brin, Schmidt: Googles Triumvirat Fotos
REUTERS

Hamburg - Die Ankündigung hatte etwas Befremdliches. "Tägliche Überwachung durch einen Erwachsenen nicht mehr nötig", schrieb Eric Schmidt auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Er klang wie ein stolzer Vater, der verkündet, dass sein Sohn das Abitur geschafft hat, und der seinen Sprössling nun in die große weite Welt entlässt, ihm aber verspricht, ihn auf Nachfrage mit väterlichen Ratschlägen zu unterstützen.

Doch es handelt sich bei der Nachricht nicht um den Glückwunsch-Tweet für irgendeinen Highschool-Absolventen - sondern um eine Personalie, die weltweit für Aufregung sorgt: um den Wachwechsel an der Google-Spitze. Am 4. April, nach ziemlich genau zehn Jahren, gibt Eric Schmidt den Chefposten an Larry Page zurück. Beim weltgrößten Suchmaschinenkonzern bricht eine neue Ära an.

Page war schon einmal Chef, von 1998 bis 2001. Verglichen mit jetzt war Google seinerzeit noch eine ziemliche Klitsche, die sich allerdings so rasant entwickelte, dass sie dem damals 28-jährigen Page und seinem Partner, dem damals 27-jährigen Sergey Brin, bald über den Kopf wuchs. Also holten sich die beiden Ur-Googles einen erfahrenen Manager dazu, Eric Schmidt, und eine beispiellose Erfolgsstory begann. Schmidt wurde zum Gesicht des professionalisierten Google, es war die Zeit des Aktienbooms. Des Umsatzwachstums. Der Monopolisierung des Suchmaschinenmarkts.

Jetzt aber scheint die Zeit des Google-Höhenflugs zu Ende. Der Konzern hat vor allem zwei Probleme, die er rasch lösen muss:

  • Die Suchalgorithmen des Konzerns sind zwar immer noch ein äußerst lukratives Geschäft, allein im Schlussquartal 2010 verdiente Google unter dem Strich 2,5 Milliarden Dollar. Doch das Internet wird immer stärker von Diensten geprägt, bei denen Menschen mit Menschen kommunizieren, wie bei Facebook, Twitter oder Foursquare. Google hat diesen Firmen bislang nichts entgegenzusetzen. Eigene soziale Dienste wie Google Wave scheiterten spektakulär, und auch bei wichtigen Zukäufen ging der Konzern zuletzt leer aus. Unlängst schlug der Schnäppchenjägerdienst Groupon, eines der derzeit heiß gehandelten Start-ups, eine Übernahmeofferte Googles aus - obwohl der Suchmaschinenriese bis zu sechs Milliarden Dollar geboten haben soll. Neue Standbeine konnte sich der Konzern so nicht aufbauen - sein Geld verdient er noch immer fast vollständig mit Online-Werbung.
  • Auch personell hat Google zu kämpfen. Wie oft das Unternehmen im Kampf um Talente den Kürzeren zog, zeigt ein Blick in das Karriereportal LinkedIn, in dem viele Nutzer ihre Lebensläufe hinterlegen. 2543 Menschen geben dort Facebook als aktuellen Arbeitgeber an. 428 davon erklären, zuvor für Google gearbeitet zu haben, nur die wenigsten sind jetzt, da sie bei Facebook sind, auch weiter für Google tätig. Gourmet-Essen und Volleyballfelder und all die anderen Vorzüge, die ein Google-Mitarbeiter genießt, reichen jungen, aufstrebenden IT-Talenten offenbar nicht mehr, unkt das Technologie-Nachrichtenportal Cnet News.

    Dieser Brain Drain umfasst nicht mehr nur Programmierer und andere einfache Angestellte, sondern auch einige Top-Talente. So kehrte Lars Rasmussen, der Entwickler von Google Maps, dem Konzern den Rücken, nachdem Google sein geflopptes Social-Media-Projekt Google Wave beerdigte. Googles frühere Top-Managerin Sheryl Sandberg ist heute leitende Geschäftsführerin bei Facebook. Auch den Internet-Pionier und heutigen Twitter-Chef Evan Williams konnte Google nicht halten - siehe Fotostrecke:

Fotostrecke

4  Bilder
Brain Drain: Diese Internet-Stars hat Google verloren
Manche im Silicon Valley werten den Talentschwund schon als Zeichen von Googles Niedergang. Tatsächlich erlitt der Internetpionier Yahoo in der Phase seines Verfalls genau dasselbe Schicksal. Schließlich dankte sein langjähringer Unternehmenschef Jerry Yang ab. Der Mechanismus sei der gleiche wie bei Yahoo, schrieb Danny Sullivan, Chef des Branchendienstes Search Engine Land und weltweit einer der engsten Google-Beobachter, Ende Oktober. Die Chancen, bei Google zum Multimillionär zu werden, seien stark gesunken, das Unternehmen werde immer bürokratischer und könne die Ambitionen von Internet-Stars wie Sheryl Sandberg nicht mehr schnell genug erfüllen.

Ob Google tatsächlich schon zu unsexy für frische Talente geworden ist, lässt Sullivan indes offen: Gute Firmen schafften es, in der Phase ihres Erwachsenwerdens neue Talente an sich zu binden, die besser zu den neuen Anforderungen passen. Auf jeden Fall aber sei der Talentschwund auffällig - und besorgniserregend.

To-Do-Liste für den neuen Google-Chef

Mit dem Wechsel an der Spitze will Google nun auf die neuen Herausforderungen reagieren. "An sich war der Wechsel überfällig", schreibt Sullivan. Das Unternehmen und das gesamte Internet hätten sich in den vergangenen zehn Jahren komplett gewandelt - Googles Führungsspitze aber sei stets dieselbe geblieben. "Jetzt wird Schmidt entmachtet", urteilt Michael Arrington, Chef des gemeinhin gut informierten IT-Blogs TechCrunch. Offenbar sei das Unternehmen nicht so vorangekommen, wie von den Gründern gewünscht.

Unklar ist, wie lange im Voraus der Wechsel geplant war. Schon im Sommer 2010 gab es Gerüchte, Schmidt sei amtsmüde. Am Donnerstag dagegen, nach Bekanntgabe von Googles neuesten Quartalszahlen, sagte Schmidt, er habe sich in den Weihnachtsferien mit Page und Brin zusammengesetzt, um gemeinsam zu überlegen, wie man die Firma am besten voranbringen könne. Wie das Unternehmen nun bekanntgab, teilt sich das Google-Triumvirat seine Aufgaben künftig wie folgt auf:

  • Page kümmert sich um das Tagesgeschäft, fällt alle strategischen Entscheidungen und repräsentiert den Konzern nach außen. Den Posten des Chef-Produktentwicklers behält er.
  • Brin kümmert sich um ausgewählte neue Projekte. Er wird zu einer Art Chef-Innovator.
  • Schmidt konzentriert sich auf Geschäftspartner, Übernahmen und Lobbyaktivitäten.

Mit dieser Aufstellung wollen sie eine Reihe wichtiger Aufgaben angehen. Unter anderem müssen sie:

  • Googles Image verbessern,
  • die Social-Media-Strategie und andere Innovationen vorantreiben,
  • Verhandlungen über Film- und Videorechte zum Abschluss bringen, um Dienste wie YouTube attraktiver zu machen,
  • Kartellwächter und Regierungen beschwichtigen, die dem Konzern immer stärker auf die Pelle rücken.

Für all diese Aufgaben scheint die neue Führungsstruktur auf den ersten Blick gut geeignet zu sein:

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1. Zwei hacken Trio
MaxGrabowski 21.01.2011
Na ick hoffe Lila & Konsorten (http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,737171,00.html) jeben een bisken Know-How rüber und machen et public, wie jeder Nutzer gegenchecken kann, welche Daten Google.com, goolgeapis.com, recaptcha.com, doubleclick.com etc. neben Android-Diensten sammeln. Nen Datenbrief nur für Google nur eben bottom-up und nicht von olle Schmidt & Co authorisiert. Dit gleiche mal och für dit Fressenbuch! Reverse Engineering rulez! Vor allem inne Zukunft!
2. Irrsinn
CHANGE-WECHSEL 21.01.2011
Zitat von sysopBei Google bricht eine neue Ära an:*Mitgründer Larry Page wird Chef, sein Partner*Sergey Brin*oberster Innovator, Ex-Boss Eric Schmidt*konzentriert sich auf*Business- und Lobbyaktivitäten. Das Triumvirat soll die beiden entscheidenden Probleme des Internet-Giganten lösen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,740835,00.html
Wenn man die viele Artikel der Journalisten über Google liest könnte man der Annahme sein, dass es sich bei Google um eine Gottheit handelt. Hier wird mit einer Ehrfurcht geschrieben, wie seinerseits über Microsoft. Doch war Windows nicht das bessere Betriebssystem, sondern es wurde nur besser und radikaler vermarktet. Genauso ist es mit Google. Google ist nicht die bessere Suchmaschine, sondern sie wurde nur besser und radikaler vermarktet. Google wird so radikal vermarktet, dass die Journalisten sogar die Lobeshymnen übernehmen ohne jeglichen Anflug von Kritik. Das ist keine Berichterstattung, das ist Werbung.
3. grotesk
durchfluss 21.01.2011
google und facebook zu vergleichen ist etwas merkwürdig. Die einen haben quasi das monopol auf jeden suchvorgang und werden von jüngeren internetbenutzern sogar schon für das internet selbst gehalten während die anderen eine plattform für gelangweilte selbstdarsteller sind die schon morgen ganz woanders gruscheln oder whatever - und es wird dann immer noch keine alternative zu google geben die genauso effektiv und schnell gute suchergebnisse liefert (siehe das bing fiasko - und die hatten wenigstens geld im rücken)
4. Da waren sie wieder, meine drei Probleme...
roterschwadron 21.01.2011
Zitat von sysopBei Google bricht eine neue Ära an:*Mitgründer Larry Page wird Chef, sein Partner*Sergey Brin*oberster Innovator, Ex-Boss Eric Schmidt*konzentriert sich auf*Business- und Lobbyaktivitäten. Das Triumvirat soll die beiden entscheidenden Probleme des Internet-Giganten lösen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,740835,00.html
Von hier aus mal meine Gratulation an Google und seine Hintermänner. Hätte ich vor 15 Jahren geahnt, wieviel Geld man damit verdienen kann, die Mülltonnen dieser Welt mehrmals am Tag zu durchsuchen und dabei die Häuser von allen Seiten zu fotographieren, wäre ich jetzt vielleicht auch für Business- und Lobbyaktivitäten zuständig und würde mein tägliches Geschäft im Internet verbreiten...
5. Google ist total ueberbewertet
Albedo4k8, 21.01.2011
Selbst in seinem Kerngeschaeft. Benutze google schon seit 2 Jahren nicht mehr und habe den Umstieg kein einziges mal bereuht. Zumal Google auf zuviele Baustellen gleichzeitig baut und sich damit auch zuviele Feinde und Gegner aufeinmal auflaedt.
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Google
Der Konzern
Google wurde 1998 von den Studenten Sergey Brin und Larry Page gegründet und ging ein Jahr später online. 2010 machte die Firma mit ihren rund 20.000 Angestellten einen Umsatz von mehr als 29 Milliarden Dollar. Unterm Strich blieben davon 8,5 Milliarden Dollar als Gewinn übrig. Die dominierende Stellung im Markt für Online-Werbung sorgt für ein attraktives Geschäftsmodell, birgt aber auch die Gefahr der extremen Abhängigkeit von nur einer Ertragsquelle. Immerhin 96 Prozent der Einnahmen erzielte Google im vergangenen Jahr mit Werbung.
Die Geschäftsfelder
Google hat im Laufe der Jahre zahlreiche Unternehmen übernommen - so etwa 2006 die Videoplattform YouTube und 2007 den Online-Vermarkter Doubleclick. Gleichzeitig hat die Firma ihre Geschäftstätigkeit auch selbst ausgebaut, zum Beispiel mit dem Dienst Google Street View oder dem E-Mail-Anbieter Google Mail.

Googles Geschichte
1995 - When Larry met Sergey
Angeblich konnten Larry Page und Sergey Brin einander erst einmal nicht besonders gut leiden, als sie sich im Jahr 1995 zum ersten Mal trafen. Der 24-jährige Brin war übers Wochenende in Stanford zu Besuch, der 23-jährige Page gehörte angeblich zu einer Gruppe von Studenten, die Besucher herumführen mussten. Der Legende nach stritten Brin und Page ununterbrochen miteinander.
1996 - Es begann mit einer Rückenmassage
Die erste Suchmaschine, die Page und Brin gemeinsam entwickelten, hatte den Arbeitstitel "BackRub" (Rückenmassage), weil sie im Gegensatz zu anderen zu dieser Zeit eingesetzten Suchtechniken auch "Backlinks" berücksichtigte, also Links, die auf die entsprechende Web-Seite verwiesen.
1998 - Finanzierung
Nachdem die Versuche gescheitert waren, die eigene Entwicklung an ein Unternehmen wie Yahoo zu verkaufen, entschlossen sich Brin und Page entgegen ihren ursprünglichen Plänen, selbst ein Unternehmen zu gründen. Der Legende nach bekamen sie von Andy Bechtolsheim, einem der Gründer von Sun Microsystems, einen Scheck über 100.000 Dollar - ausgestellt auf Google Inc., obwohl ein Unternehmen dieses Namens zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht existierte. Insgesamt brachten die beiden eine Anfangsfinanzierung von knapp einer Million Dollar zusammen - was reichte, um in der Garage eines Freundes in Menlo Park, Kalifornien, ein Büro einzurichten und einen Angestellten zu engagieren. Im September wurde das mit einer Waschmaschine und einem Trockner ausgestattete Büro eröffnet - was heute als offizielle Geburtsstunde von Google betrachtet wird.
1999 - Mehr Geld und ein neues Heim
Schon im Februar 1999 zog das rasant wachsende Unternehmen in ein richtiges Bürogebäude um. Inzwischen hatte es acht Mitarbeiter. Erste Firmenkunden bezahlten Geld für Googles Dienste. Am 7. Juni wurde eine zweite Finanzierungsrunde verkündet: Die Wagniskapitalgeber Sequoia Capital und Kleiner Perkins Caufield & Byers schossen insgesamt 25 Millionen Dollar zu. Noch im gleichen Jahr bezog das Unternehmen den "Googleplex", den Kern des heutigen Hauptquartiers in Mountain View, Kalifornien.
2000 - AdWords
Das Jahr 2000 muss als jenes gelten, in dem Google tatsächlich zu dem gemacht wurde, was es heute ist: dem mächtigsten Werbe-Vermarkter im Internet. Der Start eines "Schlüsselwort-gesteuerten Werbe-Programms" schuf die Basis für den gewaltigen kommerziellen Erfolg von Google. Man benutze "ein proprietäres Anzeigen-Verteilungssystem, um eine der Suchanfrage eines Nutzers sorgfältig angepasste Werbeanzeige beizugeben", erklärt die Pressemitteilung von damals das Prinzip. Die Anzeigen konnten online auf sehr einfache Weise eingekauft werden - AdWords war geboren und brachte sofort Geld ein. Noch heute ist die Vermarktung der Textanzeigen auf der Suchseite die zentrale Säule des Google-Imperiums, die den Löwenanteil aller Umsätze ausmacht. Parallel wurden im Jahr 2000 neue Kunden gewonnen, die Google-Suche in ihre Angebote integrierten, darunter Web-Seiten aus China und Japan. Im gleichen Jahr wurde auch die Google Toolbar veröffentlicht, die es erlaubte, mit Google das Netz zu durchsuchen, ohne auf die Google-Web-Seite zu gehen.
2001 - Profit und ein neuer Eric Schmidt
Schon im Jahr 2001 machte Google Profit - was man von den meisten anderen Start-ups, die zu dieser Zeit noch die Phantasien der Börsenmakler beflügelten, nicht behaupten konnte. Um den Anforderungen eines rasant wachsenden Unternehmens gerecht zu werden, wurde Eric Schmidt, der zuvor schon führende Positionen in Firmen wie Novell und Sun Microsystems innegehabt hatte, im August 2001 zum Chief Executive Officer Googles ernannt.
2002 - Corporate Search, Google News, Froogle
Seit 2002 verkauft Google auch Hardware - Such-Lösungen für die Intranets von Unternehmen. Im September des Jahres wurde die Beta-Version von Google News livegeschaltet, dem Nachrichten-Aggregator, der bis heute für zuweilen böses Blut zwischen Zeitungen, Nachrichtenagenturen und den Suchmaschinisten sorgt. Ein Algorithmus sammelt Schlagzeilen und Bilder und komponiert daraus nach bestimmten Kriterien eine Übersichtsseite. Im Dezember startete zudem Froogle, eine mäßig erfolgreiche Produkt-Suchmaschine. Heute heißt Froogle schlicht Google Product Search.
2003 - AdSense und Blogger
AdSense ist die zweite wichtige Säule im Google-Anzeigenimperium. Im Jahr 2003 wurde der Dienst vorgestellt, der den Text auf Web-Seiten analysiert und daneben passende Werbeanzeigen platzieren soll. Das System bietet auch Betreibern kleiner Web-Seiten die Möglichkeit, ihre Angebote zu monetarisieren - die Einkünfte werden zwischen Seiteninhaber und Google aufgeteilt. Im gleichen Jahr kaufte Google Blogger, einen großen Blog-Hoster.
2004 - Picasa, Googlemail, Bücher und ein Börsengang
Der Start des E-Mail-Dienstes Googlemail (in den USA Gmail) wurde am 1. April verkündet, mitsamt der Nachricht, dass die Nutzer ein Gigabyte Speicherplatz zur Verfügung haben würden. Es wurde schnell klar, dass es sich nicht um einen Scherz handelte - und dass Google daran selbstverständlich verdienen will. AdSense wurde von Anfang an eingesetzt, um E-Mails nach Schlüsselwörtern zu durchsuchen und mehr oder minder passende Reklame daneben einzublenden. Im Juli kaufte Google Picasa, ein Unternehmen, das sich auf die digitale Fotoverwaltung spezialisiert hatte. Heute ist Picasa ein On- und Offline-Angebot - Googles Antwort auf Flickr.

Am 19. April konnte man Google-Aktien an der Technologiebörse Nasdaq erstmals kaufen. Eine Aktie kostete 85 Dollar. Heute ist sie knapp fünfmal so viel wert. Mit dem vielen neuen Geld stieß Google noch im gleichen Jahr verschiedene Projekte an - unter anderem Google Print: Mit den Universitäten Harvard, Stanford, University of Michigan, University of Oxford und der New York Public Library kam man überein, Bücher zu scannen, zu digitalisieren und online durchsuchbar zu machen. Im darauffolgenden Jahr wurde Google Print in "Book Search" umbenannt. Inzwischen sind zahlreiche andere Bibliotheken mit im Boot - auch deutsche.
2005 - Google Maps und Google Earth
Im Jahr 2005 kam die Google-Maschinerie richtig in Schwung. In rasantem Tempo veröffentlichte das Unternehmen, das bis zum dritten Quartal auf fast 5000 Mitarbeiter angewachsen war, eine Anwendung nach der anderen. Die im Rückblick wohl wichtigste: Google Maps, der Kartendienst, der die Welt geografisch durchsuchbar machen sollte, und sogleich mit der bis dahin nur mäßig erfolgreichen lokalen Suche Google Local verschmolz. Die im Jahr zuvor angekaufte Satellitenkapazität kam nun zum Einsatz: Sie bot die heute beinahe selbstverständliche Möglichkeit, Satellitenfotos statt abstrakter Karten anzusehen. Später im Jahr kam auch noch die Desktop-Software Google Earth, Googles Digitalglobus. Außerdem starteten: die "personalisierte Homepage", die heute iGoogle heißt, Googles Video- und Fotosuche, die Voice-over-IP und Instant-Messaging-Lösung Google Talk, der bis heute ziemlich glücklose Kleinanzeigendienst Google Base, ein eigener RSS-Reader. Und: Google kaufte das Unternehem Urchin und verwandelte dessen Webtraffic-Analysemethoden in sein Angebot Google Analytics. Damit bot das Unternehmen nun erstmals die vollständige Dienst-Palette einer Netz-Mediaagentur, eines Online-Werbevermarkters.

Die Geschäfte liefen auch 2005 hervorragend für Google - so gut, dass man eine Partnerschaft mit dem strauchelnden Online-Dinosaurier AOL verkünden und eine Millarde Dollar in das Unternehmen investieren konnte.
2006 - Google Video, Web-Applikationen , YouTube - und Kritik
Anfang des Jahres stellte Larry Page bei einem Vortrag bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas Google Video vor - und Google Pack, einen ersten, offenkundigen Angriff auf Microsoft, denn das Software-Paket enthielt diverse Anwendungen, die als Konkurrenzprodukte zu Microsofts Angebot gelten können. Gegründet wurde die Wohltätigkeitsorganisation Google.org, an den Start gingen außerdem der Finanzinformationsdienst Google Finance und die Paypal-Konkurrenz Google Checkout. Vor allem aber ist 2006 das Jahr, in dem man bei Google ernsthaft damit begann, Office-Anwendungen ins Web zu verlegen. Neben dem Google-Kalender wurde am Jahresende auch Google Docs & Spreadsheets livegeschaltet. Zuvor hatte Google Upstartle gekauft, ein Unternehmen, das bis dahin das Online-Textverarbeitungsprogramm Writely hergestellt hatte - nur eine von mehreren Akquisitionen. Auch SketchUp (3-D-Gebilde für Google Earth) und die Wiki-Plattform JotSpot wurden 2006 ins Google-Reich integriert.

Der prominenteste Ankauf des Jahres war jedoch YouTube: Google zahlte 1,65 Milliarden Dollar für die Videoplattform und holte sich so Konkurrenz zum eigenen, eben erst gestarteten Videoangebot ins Haus. Zudem wurde eine Werbe- und Suchpartnerschaft mit dem eben von Rupert Murdoch aufgekauften MySpace verkündet: Google stieg endlich ernsthaft ins Geschäft mit dem Web 2.0 ein.

Parallel verlor Google in den Augen vieler Nutzer seine Unschuld: mit dem Start einer eigenen Suchmaschine für China, die sich den Zensurwünschen der dortigen Regierung beugt. Eine Tibet-Unterstützergruppe rief eine Initiative namens "No love 4 Google" ins Leben - und fasste damit einen globalen Meinungsumschwung zusammen. Der Engelsglanz des vermeintlich anderen, besseren Unternehmens, den Google lange hatte aufrechterhalten können, schwand nach und nach.

Ende 2006 hat Google mehr als 10.600 Angestellte.
2007 - Googlemail für alle, DoubleClick, Streetview und Android
Im Februar wird Googles E-Mail-Dienst für alle geöffnet - bis dahin brauchte man eine Einladung, um seine E-Mails von AdSense nach Schlüsselwörtern durchsuchen zu lassen.

Vor allem aber ging Google 2007 auf Einkaufstour - in seinem Kerngeschäftsbereich, der Online-Werbung. Zunächst wurde Adscape, ein Spezialist für Werbung in Computerspielen, aufgekauft, dann DoubleClick. Über drei Milliarden Dollar ließ man sich den Online-Anzeigenvermarkter kosten - und eine Menge Ärger. Erst im März 2008 segnete die EU-Kommission den Kauf ab. Datenschützer sehen Google seit der DoubleClick-Akquisition noch kritischer, denn das Unternehmen ist nicht zuletzt darauf spezialisiert, möglichst gründlich Nutzerdaten zu sammeln, um personalisierte Werbung servieren zu können.

Außerdem schickte Google 2007 seine Foto-Autos los: Für die Maps-Erweiterung Streetview fuhren die Kamera-Mobile zunächst durch US-Großstädte - im Jahr 2008 sind sie auch in Deutschland unterwegs.

Außerdem beginnt Google verstärkt, Fühler in Richtung der alten Medienwelt auszustrecken - es gibt Testläufe für Werbevermarktung im Radio, in Print-Publikationen und im traditionellen Fernsehen.

Schon seit Jahren hatte Google verschiedene seiner Dienste in speziellen Handy-kompatiblen Versionen angeboten - Ende 2007 kam dann der ganz große Schritt in die mobile Welt: Das Handy-Betriebssystem Android wurde angekündigt, ein Open-Source-Projekt in Zusammenarbeit mit vielen Telekommunikationsanbietern und Handy-Herstellern.

Ein weiteres Open-Source-Projekt soll Google den Zugriff auf das Vermarktungspotential der Social Networks erleichtern: Die Plattform OpenSocial soll Netzwerkapplikationen transportabel machen, so dass sie bei MySpace genauso laufen können wie bei Xing. Die meisten der großen Communitys sind OpenSocial beigetreten - bis auf Facebook.
2008 - Knol, Chrome und kein Ende
Im laut offizieller Zeitrechnung zehnten Jahr seiner Existenz lässt die Suchmaschine im Tempo nicht nach. 2008 wurden eine kollaborative Wissensplattform (Knol), eine 3-D-Chatanwendung (Lively), Straßenansichten für noch mehr Großstädte - und ein eigener Google-Browser gestartet.

Gleichzeitig wächst die Kritik am Suchmaschinengiganten. Die immer neuen Projekte scheinen vielen Nutzern und Datenschützern inzwischen Ausdruck eines gewaltigen Datenhungers - sowohl auf persönliche Informationen über die Nutzer als auch auf nahezu jede beliebige Art von Information, die dem gewaltigen Weltarchiv Google einverleibt werden könnte. Der Google Leitspruch "Don't be evil" hat für manche inzwischen einen hohlen Klang, und die Missionserklärung, man wolle "alle Information der Welt organisieren", klingt zuweilen eher wie eine Drohung.

Produkte, die Google nie veröffentlichen wollte

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