Thermostathersteller Google kauft Nest Labs für 3,2 Milliarden Dollar

Es ist die zweitgrößte Übernahme in der Google-Geschichte: Der Internetkonzern kauft den Thermostat- und Rauchmelderhersteller Nest Labs für mehr als drei Milliarden Dollar. Das Unternehmen baut Haushaltsgeräte im Apple-Design.

Rauchmelder von Nest Labs: Haushaltsgeräte im Apple-Design
AP/dpa

Rauchmelder von Nest Labs: Haushaltsgeräte im Apple-Design


San Francisco - Google setzt auf den Trend zur Online-Vernetzung von Hausgeräten. Der Internetkonzern kauft für 3,2 Milliarden Dollar den Thermostat- und Feuermelderhersteller Nest Labs. Die Übernahme des US-Unternehmens soll in den kommenden Monaten vollzogen werden, teilte Google Chart zeigen am Montagabend im kalifornischen Mountain View mit. Nest beschäftigte zuletzt rund 280 Mitarbeiter.

Der Kauf ist der zweitgrößte in der Geschichte Googles. Lediglich für Motorola zahlte das Unternehmen 2012 mit 12,5 Milliarden Dollar mehr. Der Suchmaschinenbetreiber übernimmt mit Nest Labs auch ein gefeiertes Designteam ehemaliger Apple-Mitarbeiter, darunter Nest-Mitgründer Tony Fadell. Er werde das 2010 gegründete Unternehmen weiter als eigenständige Marke führen, teilte Google mit. Fadell gilt als einer der Väter von Apples Musikplayer iPod. Vor einigen Wochen hatte er eine beschleunigte Expansion nach Europa angekündigt.

Nest Labs ist zwar ein junges Unternehmen, hatte aber bereits großen Erfolg mit einem lernfähigen Heizungsregler. Das Design - oft weiß und minimalistisch gehalten - erinnert wohl nicht ganz zufällig stark an Apple-Produkte. Das Ziel von Nest sei, ungeliebte aber wichtige Hausgeräte neu zu erfinden, heißt es in der Google-Mitteilung.

Zu Google kommen mit der Übernahme auch die Daten von den installierten Geräten - Nest wertet sie aus, um die Technik zu verbessern. "Wir sehen, wenn Leuten ihr Toast verbrennt oder Kohlenstoffmonoxid austritt", hatte Fadell Anfang Dezember auf der Konferenz LeWeb in Paris gesagt. Jetzt betonte Nest in einem Blogeintrag, die Daten würden auch künftig nur für Betrieb und Verbesserung seiner Geräte und Dienste eingesetzt.

Nest sei bewusst, dass Menschen Informationen aus ihrem Haushalt als eine sehr private Angelegenheit sähen, hatte Fadell in Paris gesagt. Die Firma habe deshalb ein eigenes Hacker-Team, um nach eventuellen Schwachstellen zu suchen. Behörden könnten unter Umständen Zugang zu den Informationen bekommen, aber nur in Einzelfällen. "Wenn jemand an Daten aus einem Haushalt heranwill, muss er zu mir oder meinem Mitgründer kommen und das gut begründen."

Haushaltsgeräte seien eine große Chance, sagt ein Analyst

Google dringt zunehmend in neue Geschäftsfelder vor und hat beispielsweise mit selbstfahrenden Autos für Schlagzeilen gesorgt. Der Erfindungsreichtum des Konzerns hat dabei bereits für zahlreiche technologische Fortschritte gesorgt. Bislang hat sich Google jedoch eher schwer damit getan, Geräte zu präsentieren, die bei den Verbrauchern den gleichen Anklang finden wie etwa Apple-Produkte. So hatte das Unternehmen einst ein Projekt für intelligente Stromrechner, gab es aber wegen Erfolglosigkeit schnell wieder auf. Dies dürfte eine der wichtigsten Motivationen für die jetzige Übernahme gewesen sein.

Fachleute sehen den Kauf positiv: "Nest Labs scheint zwar auf Thermostate und Feuermelder fokussiert zu sein, aber es ist nicht abwegig, dass Google diese Technologie mit der Zeit auf andere Geräte überträgt", sagte Shyam Patil, Analyst bei Wedbush. "Die Automatisierung von Haushalten ist eine der größten Geschäftsmöglichkeiten, wenn man vom allgegenwärtigen Internet redet, das alles verbinden wird." Mit der Übernahme unternehme Google einen großen Schritt in dieser Strategie. "Google will als Rückgrat deines Haushaltes daran beteiligt sein, wie du Energie verbrauchst oder Inhalte wie Musik konsumierst", sagte auch Pat Moorhead von Moor Insights and Strategy.

Google-Chef Larry Page pries in einer Stellungnahme das Talent des Nest-Teams. Google könne es kaum erwarten, "tolle Erlebnisse in mehr Haushalte in mehr Ländern zu bringen und Träume zu erfüllen".

yes/Reuters/dpa

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insgesamt 112 Beiträge
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Seite 1
franklin1157 14.01.2014
1. Überwachung wie in 1984
Jetzt sollen sich die Leute mit den Hausgeräten die komplette Überwachung in die Wohnung holen. Womöglich demnächst noch ein Chip in der Toiletten-Rolle, damit die Konsestenz des Stuhlgangs an Google weitergeleitet wird. Ich denke, jetzt reicht es langsam. Die NSA wird sich freuen.
zufriedener_single 14.01.2014
2. Cool
Dann gibt's bald Rauchmelder mit Googleanbindung. Googlefire oder so...
martha_rosentreter, 14.01.2014
3. Wann wird Google endlich zerschlagen wie damals die Telcoms?
Die Totalüberwachung der Privatsphäre schreitet unaufhaltsam voran. Ob Smartphone, Spielkonsole oder Feuermelder - somebody is watching you, permanently!
h.j.becker 14.01.2014
4. Total vernetzt
So angenehm wie unheimlich: Der Vorteil vernetzter Haushaltsgeräte ist z.B., dass der Rauchmelder nicht einsam zu Hause vor sich hin piepst wenn es brennt, sondern durch seine Vernetzung auch wirklich Alarm auslösen kann. Umgekehrt kann ich vom Büro aus steuern, wann ich es zu Hause schön warm haben will und das Thermostat schon mal einschalten. Aber will ich wirklich, dass Google all diese Parameter kennt? Der Preis für ein bisschen mehr Komfort ist noch mehr Verlust an Privatsphäre und Anonymität. Und wie kann ich verhindern, dass Nerds mein Thermostat hacken und meine Wohnung im Urlaub auf Vollgas heizen?
tomy1983 14.01.2014
5. Oh nein
Jetzt erfährt die NSA auch noch, wie dunkel ich mein Toast toaste. Entrüstungssturm, los!
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