Streit über angebliche zensierte Suchmaschine Google-Mitarbeiter hinterfragen China-Pläne

Um den Vorgaben der Regierung zu entsprechen, will Google in China angeblich eine zensierte Suchmaschine anbieten. Mitarbeiter äußern ethische Bedenken.

Google-Logo in Shanghai
REUTERS

Google-Logo in Shanghai


Der US-Technologiekonzern Google plant nach Angaben mehrerer US-Medien, mit einer zensierten Suchmaschine in den chinesischen Markt zurückzukehren. Dagegen haben mehr als 1000 Mitarbeiter des Konzerns in einem Brief an die Geschäftsführung Bedenken geäußert. Die Suchmaschine mit dem Projektnamen "Dragonfly" (Libelle) werfe "dringende moralische und ethische Fragen auf", zitierte die "New York Times" aus dem Schreiben.

Den Angestellten sei es unklar, ob das Projekt gegen die Ethik-Regeln des Unternehmens verstoße, nach denen Google keine Dienste anbieten will, die zu Verletzungen von Menschenrechten führen. Zudem forderten die Mitarbeiter den Angaben nach mehr Transparenz, um die moralischen Folgen ihrer Arbeit einschätzen zu können. Sie wollten nicht unwissentlich durch ihre Arbeit die Pläne der chinesischen Regierung unterstützen, der Bevölkerung bestimmte Information vorzuenthalten.

Keine Ergebnisse bei Fragen nach Menschenrechten, Demokratie oder Religion

Die zensierte Suchmaschine für das mobile Betriebssystem Android soll angeblich den strikten Zensurvorschriften der kommunistischen Führung in Peking entsprechen. So soll sie in China gesperrte Webseiten und Suchanfragen etwa nach Menschenrechten, Demokratie, Religion oder friedlichen Protesten aussortieren. Google selbst bestätigte die Pläne bislang nicht und kommentierte auch kommentierte auch den Brief der Mitarbeiter nicht.

Google ist in China gesperrt, weil es der Zensur zumindest bisher nicht entsprechen wollte. Das Unternehmen hatte sich deshalb 2010 aus dem chinesischen Markt zurückgezogen. Der Konzern sucht aber nach eigenen Angaben einem Zugang zu dem weltgrößten Internetmarkt mit 730 Millionen Internetnutzern - eine zensierte Suchmaschine würde also eine Wende in der Chinapolitik der Firma darstellen.

China sperrt nicht nur Google und seine Dienste wie die Suchmaschine oder den E-Mail-Dienst Gmail. Auch soziale Medien wie Facebook, Twitter oder YouTube und WhatsApp sind geblockt - ebenso verschiedene internationale Nachrichtenseiten und politisch heikle oder China-kritische Webseiten.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach in Bezug auf die Pläne von einem "schweren Angriff auf die Informationsfreiheit".

Der Brief der Mitarbeiter an die Konzernspitze ist nicht der erste seiner Art. In einem anderen Fall hatte Google kürzlich angekündigt, aus einer Kooperation mit dem US-Verteidigungsministerium auszusteigen, nachdem tausende Mitarbeiter zuvor eine interne Petition unterschrieben hatten und das Ende des umstrittenen Drohen-Projekts "Maven" forderten.

ire/dpa-AFXP

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
lathea 17.08.2018
1. Es wäre schön, zu wissen, welche.....
.....Alternativen wir zu Google hätten und es wäre schön, wenn in der EU Alternativen zu Google entwickelt werden würden. Wenn Google bereit ist, in China eine Zensur zu unterstützen und die Software mit Zensur-Funktionen herzustellen, dann ist es nur eine Frage der Zeit, wann auch die übrige Welt diese Zensur-Funktionen zu spüren bekommt. Was wird dann.bei uns zensiert werden und durch wen? Durch den Staat oder durch Wirtschaftsbosse, die unser Konsumverhalten oder unsere Wahlen beeinflussen wollen? Es geht hier um die Grundfeste der demokratischen Freiheit und Gleichheit. Vielleicht hat Google sogar schon derartige Funktionen in seine Software eingebaut und vielleicht auch schon ausgetestet - wann und an welchen Bevölkerungsgruppen? Das wüsste ich schon sehr gerne und andere überzeugte Demokraten wohl auch. Denn einem solchen Konzern darf man nicht oder nicht mehr vertrauen.
polltroll 17.08.2018
2. Don't be evil
Der legendäre Verhaltenskodex ist seit 04.Mai diesen Jahres auch nicht mehr gültig. Google hat sich davon verabschiedet. Jetzt können die endlich-genau wie FB- ungezügelte Geschäfte in aller Welt machen ohne diese nervigen moralischen Bedenken. Ein Unternehmen ganz im Sinne von D. Trump!
starboy 17.08.2018
3. Nicht Kommunismus...
in China herrscht Sozialismus. Welcher Praktikant durfte den Artikel Korrektur lesen?!
markus_wienken 17.08.2018
4.
Zitat von starboyin China herrscht Sozialismus. Welcher Praktikant durfte den Artikel Korrektur lesen?!
Das was in China "abgeht" politisch und wirtschaftlich lässt sich schwer mit nur einem Wort beschreiben, es handelt sich weder um Kommunismus noch um Sozialismus. Es ist eine Einparteiendiktatur kombiniert mit einer Art des (gelenkten) Kapitalismus, "garniert" mit sehr viel Korruption. Eine detailliertere Beschreibung überlasse ich in diesen Bereichen gerne kundigere Foristen.
vipclip 17.08.2018
5. sehr gefärhlich
Eine kommunistische Diktatur zu hoffieren und damit zu stärken wird am Ende auch ein Unternehmen wie Google angreifbar machen. China wird dann Google diktieren. Kommunismus ist nicht der Weg zur Meinungsfreiheit!
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