Autozulieferer Grammer Großaktionär Hastor hält Angebot aus China für zu niedrig

Zwei Großaktionäre liefern sich ein Duell um den bayerischen Autozulieferer Grammer: Das Angebot der Chinesen sei zu niedrig, meint die Hastor-Familie - die Prevent-Eigentümer drohen ihrerseits mit der Machtübernahme.

Produktion beim Autozulieferer Grammer
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Produktion beim Autozulieferer Grammer


Das angekündigte Übernahme-Angebot des chinesischen Unternehmens Ningbo Jifeng für Grammer stößt beim zweiten Großaktionär des bayerischen Autozulieferers auf Ablehnung: die bosnischen Investorenfamilie Hastor. "Wir betrachten das Angebot wirtschaftlich als unzureichend", teilte ihre Investmentfirma Cascade mit. "Wir werden nun alle vorhandenen Optionen prüfen, auch den nochmaligen Ausbau unserer Beteiligung."

Die Hastor-Familie hält über Cascade und eine zweite Firma insgesamt 19 Prozent an Grammer. Ab der Schwelle von 25 Prozent hätte sie eine Sperrminorität.

Für Grammer muss diese Aussage wie eine Drohung klingen. Denn vor einem Jahr hatte Hastor bereits schon einmal nach der Kontrolle beim bayerischen Hersteller von Kopfstützen, Armlehnen und Mittelkonsolen gestrebt - gegen den Willen des Managements. Das holte sich Ningbo Jifeng als sogenannten "weißen Ritter" ins Haus, der selbst in großem Stil investiert, um die Machtübernahme abzuwehren. Der chinesische Autozulieferer hält seitdem 25,5 Prozent der Grammer-Anteile.

Ningbo Jifeng will 61,25 Euro je Aktie anbieten - ein Aufschlag von 19 Prozent auf den bisherigen Börsenkurs. Cascade erklärte das für zu wenig: Der faire Wert der Grammer-Aktie betrage "mindestens 85 Euro", aber eigentlich seien "rund 100 Euro als durchaus realistisch anzusehen".

Die Skepsis, die bei Grammer vor Hastor herrscht, hat viel mit der bekanntesten Firmengruppe der Investorenfamilie zu tun: Prevent. Der Zulieferer liefert sich seit Jahren mit mehreren deutschen Autoherstellern erbitterte Auseinandersetzungen. Im Herbst 2016 hatten Hastor-Firmen mit einem Lieferstopp VW-Werke lahmgelegt. In diesem Frühjahr kündigte VW die Zusammenarbeit mit Prevent komplett. Doch die Bosnier kauften einfach einen anderen wichtigen Zulieferer von VW aus dem Saarland - und will die Preise nun bis um das Zehnfache erhöhen, wie an diesem Mittwoch bekannt wurde.

Auch mit Daimler liegt Prevent im Streit und prozessiert derzeit gegen den Stuttgarter Konzern wegen Kündigungen von Lieferverträgen.

Protest von Grammer-Mitarbeitern gegen Hastor im April 2017
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Protest von Grammer-Mitarbeitern gegen Hastor im April 2017

Grammer-Betriebsratschef Lars Roder sagte, Ningbo Jifeng sei "in der jetzigen Situation und unter den gegebenen Umständen für die Beschäftigten die beste Lösung". Denn Hastor als Großaktionär erschwere es Grammer, von einigen Autobauern neue Aufträge zu bekommen. Wenn Hastor ausstiege, könnte das Arbeitsplätze sichern. Der Grammer-Vorstand erhofft durch die Übernahme die "Stabilisierung der Aktionärsstruktur und Sicherung der Wachstumsstrategie und Kundenbeziehungen".

Grammer beschäftigt im oberpfälzischen Amberg 2000 und weltweit 15.000 Mitarbeiter. Ningbo Jifeng gibt ihnen in einem freiwilligen Investorenvertrag eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2025 und sichert zu, Standorte, Marke und Börsennotierung zu belassen, die Technologie nicht zum Nachteil von Grammer zu verwenden und keinen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag durchzusetzen.

Nach schlechten Erfahrungen mit chinesischen Investoren beim Lampenhersteller Ledvance mahnt der bayerische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler allerdings zu Vorsicht. "Die IG Metall wird wachsam sein, dass der chinesische Investor seine Zusagen auch einhält. Auch der Investor bei Ledvance hatte zunächst viele Zusagen gemacht", sagte er. Osram hatte Ledvance 2017 an chinesische Investoren verkauft. Die schließen nun die Werke Augsburg und Berlin und streichen 1400 Arbeitsplätze.

"Wir erwarten vom Investor bei Grammer, Standorte und Beschäftigung langfristig zu sichern, auch durch Investitionen", sagte Wechsler. "Tarifbindung und Mitbestimmung müssen ohne Einschränkungen erhalten bleiben." Eine Grammer-Betriebsversammlung ist für Ende Juni geplant.

fdi/dpa/Reuters

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Seite 1
ir² 30.05.2018
1.
Bosnier und Chinesen streiten sich um ein Filetstück Deutscher Industrie! Industriepolitisches Totalversagen unserer Politik kann man da nur attestieren! In Frankreich wäre das unmöglich!
darthmax 30.05.2018
2. REnditen
Sind seit Lopez die Zulieferer erpresst hat völlig uninteressant für einen Unternehmer. Historische ...die Kopfstützen werden teurer.. China... die Fertigung kommt dann teilweise von dort. Frage... warum kauft die Automobilindustrie nicht ihren Zulieferer, eine größere Fertigungstiefe muss ja nicht schlechtesten.
klimperhannes 31.05.2018
3. Warum kauft nicht VW
Warum kauft nicht VW den bzw. die Zulieferer und macht sich von verzehnfachten Preisen unabhängig?
bebreun 31.05.2018
4. Geht nicht
Zitat von klimperhannesWarum kauft nicht VW den bzw. die Zulieferer und macht sich von verzehnfachten Preisen unabhängig?
Wenn ein Fahrzeughersteller einen unabhängigen Zulieferer kaufen will, dann spricht die Kartellbehörde ein gewichtiges Wort mit. Ich erinnere mich an die angeblichen Preisabsprachen zu AdBlue-Tanks und die Reaktionen darauf. Ein ähnlicher allgemeiner Aufschrei ginge durch alle Berichte und Kommentare.
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