Autozulieferer Großinvestor Hastor verkauft Grammer-Anteile an Chinesen

Der Kampf um Grammer ist entschieden: Die Investorenfamilie Hastor verkauft ihren 19-Prozent-Anteil an dem bayerischen Autozulieferer an den chinesischen Großaktionär Ningbo Jifeng.

Produktion beim Autozulieferer Grammer
DPA

Produktion beim Autozulieferer Grammer


Noch Ende Mai hatten sie das Angebot aus China als zu niedrig bezeichnet - nun nehmen die Hastors es doch an: Die bosnische Investorenfamilie steigt beim bayerischen Autozulieferer Grammer aus. Die Hastor-Investmentgesellschaft Cascade habe dem chinesischen Autozulieferer Jifeng "bis auf eine kleine Stückzahl" sämtliche Aktien zum Kauf angeboten, teilte Cascade mit. Damit endet auch der seit mehr als einem Jahr andauernde Übernahmekampf um Grammer.

Die Hastors, denen auch die Prevent-Gruppe gehört, hatten versucht, Grammer gegen den Willen des Managements unter Kontrolle zu bringen. Der chinesische Konzern Ningbo Jifeng fungierte als sogenannter "weißer Ritter", der selbst in großem Stil investiert. Zuletzt waren den Hastors gut 19 Prozent der Grammer-Aktien zugerechnet worden. Nach Grammer-Angaben kam der chinesische Konkurrent Jifeng zuletzt mit eigenen und zum Kauf eingereichten Aktien auf einen Anteil von 46 Prozent.

Im Mai hatte Jifeng ein Übernahme-Angebot von 60 Euro je Aktie gemacht. Das lehnten die Hastors damals als zu niedrig ab, taxierten den fairen Wert auf "mindestens 85 Euro" und kündigten an, einen Ausbau ihrer Beteiligung zu prüfen. Nun haben sie sich aber anders entschieden.

Angesichts des Erfolgs der Jifeng-Eigentümerfamilie Wang mit der Offerte hätte Cascade seine Pläne mit Grammer nicht mehr verwirklichen können, teilte Cascade mit. "Als familiengeprägte mittelständische Beteiligungsgesellschaft müssen wir unsere Ressourcen dort einsetzen, wo wir die Möglichkeit zur unternehmerischen Gestaltung haben."

Finanziell hat sich das Investment der bosnischen Unternehmerfamilie in den Spezialisten für Lkw- und Zug-Sitze sowie Innenraumausstattung von Autos aus Amberg in der Oberpfalz gelohnt. Als sie 2016 einstiegen, war die Aktie in etwa halb so viel wert wie heute. Damit dürften sie einen Gewinn von rund 70 Millionen Euro eingestrichen haben. Grammer beschäftigt 15.000 Mitarbeiter, davon 2000 am Hauptsitz Amberg.

fdi/Reuters/dpa

insgesamt 6 Beiträge
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Oberleerer 09.08.2018
1.
Die Mitarbeiter sollten Vorkaufsrecht bei solchen Transaktionen bekommen.
Pless1 09.08.2018
2. Abwarten
Für das renommierte Unternehmen ist es erst einmal gut, diese eher wenig renommierten Investoren abgeschüttelt zu haben. Ob Grammer mit den Chinesen aber wesentlich besser fährt bleibt noch abzuwarten, ich habe da so meine Zweifel.
markus_wienken 09.08.2018
3.
Zitat von Pless1Für das renommierte Unternehmen ist es erst einmal gut, diese eher wenig renommierten Investoren abgeschüttelt zu haben. Ob Grammer mit den Chinesen aber wesentlich besser fährt bleibt noch abzuwarten, ich habe da so meine Zweifel.
Worauf begründen sich Ihre Zweifel und welche Informationen haben Sie über Ningbo Jifeng, dem neuen Investor?
paula_f 09.08.2018
4. wer steckt eigentlich hinter Hastor?
Kontakte in Richtung Osten würden mich nicht wundern, eine Verkauf an Chinesen bestärkt das. Eine Hand wäscht die andere.
XingXing 09.08.2018
5. Warten wirs ab!
Viele der Ängste gegenüber chinesischen Investoren scheinen mir doch sehr diffus zu sein. Hastor ist ein Finanzinvestor und hatte nur eine möglichst hohe Rendite im Fokus. MA und Standorte sind dem egal! Jifeng ist seit einigen Jahren bereits in Deutschland aktiv und kommt aus dem Bereich den Grammer auch abdeckt. Einfach gefragt: Was ist alleine aus der Konstellation heraus besser für Grammer? Die Welt verändert sich. Investoren aus China sind überall präsent. Und? Sind die schlechter als Hedge-Fonds aus den USA, England oder anderswo? Auch kann man mal überlegen, welche Zukunft Grammer mit Hastor gehabt hätte. Prevent lässt grüßen! Es gibt genügend Beispiele, wo diese Investoren auch Deutsche Firmen „gerettet“ haben. Immer schön ruhig Blut und sich nicht in die allgemeine Überfremdungsdebatte einreihen.
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