Griechen-Rettung Euro-Partner ringen um Vertrauen der Rating-Riesen

Und wieder hängt es an den großen Drei: Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat gedroht, eine freiwillige Umschuldung Griechenlands als Zahlungsausfall zu werten, Fitch und Moody's könnten folgen. Nun sucht die Politik nach einem neuen Modell - das es möglicherweise gar nicht gibt.  

Fitch-Logo in New York: Zustimmung war schon angedeutet
dpa

Fitch-Logo in New York: Zustimmung war schon angedeutet


Hamburg - Es war genau die Reaktion, die Europas Politiker fürchteten: Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat am Montag mitgeteilt, dass sie eine Umschuldung nach dem sogenannten Pariser Modell als teilweisen Zahlungsausfall (Selective Default) bewerten würde. Das Konzept, laut dem Banken einen Großteil ihrer auslaufenden Griechen-Anleihen in neue Papiere umtauschen sollen, wollten in ähnlicher Form auch deutsche Banken aufgreifen.

Nun stehen die Verantwortlichen vor einer äußerst kniffligen, möglicherweise unlösbaren Aufgabe: Ein Umschuldungsmodell zu finden, das auch die Rating-Agenturen zufrieden stellt. "Ich vermute, im Moment gibt es viele Telefonate zwischen der europäischen Elite und den Chefs von S&P", sagte die Analystin Louise Cooper der Nachrichtenagentur AP.

Dabei hatte es zuletzt so ausgesehen, als könnten sich auch die drei großen Rating-Agenturen S&P, Moody's und Fitch mit einer freiwilligen Umschuldung Griechenlands anfreunden. Fitch etwa hatte kürzlich angekündigt, einen Schuldentausch noch knapp über einem Zahlungsausfall einstufen zu wollen. Nun hieß es bei Fitch lediglich, die jüngsten Äußerungen von S&P würden derzeit geprüft.

Sollten die Bonitätswächter von einer Pleite Griechenlands ausgehen, würden die Zinsen auf griechische Anleihen weiter steigen, eine Rückkehr des Landes an die Finanzmärkte würde noch unwahrscheinlicher. Ein Zahlungsausfall gilt zudem als schwer kalkulierbares Risiko für das Finanzsystem, weil dann auch Kreditausfallversicherungen (CDS) in unbekannter Höhe fällig würden.

Entsprechend zurückhaltend äußerten sich Politiker nun zur Stellungnahme von S&P. "Wir müssen vorsichtig nach einem Modell mit möglichst wenigen Nebenwirkungen suchen", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums AP.

Allerdings ist fraglich, ob sich ein solches Modell überhaupt finden lässt. Denn die Rating-Agenturen legen bei den europäischen Schuldenländern äußerst kritische Maßstäbe an - wohl auch, weil sie in der Finanzkrise durch besonders lasche Bewertungen in Verruf geraten waren. S&P etwa machte frühzeitig deutlich, dass es eine Umschuldung nur nach sehr engen Kriterien als "freiwillig" bewerten würde. Voraussetzung sei unter anderem, dass das neue Angebot den Anlegern keine Verluste bringe. Das aber ist laut S&P beim Pariser Modell der Fall.

In dieser schwierigen Lage entscheiden sich viele Akteure offenbar zum Stillhalten. So beschlossen die Euro-Finanzminister bei ihrem letzten Treffen zwar die Freigabe einer neuen Tranche von Finanzhilfen für die Griechen. Zum geplanten neuen Hilfsprogramm für Griechenland wurden aber keine Details bekannt. Commerzbank Chart zeigen-Chefsvolkswirt Jörg Krämer vermutet in einer Analyse, die Verschwiegenheit habe auch damit zu tun, "dass die Finanzminister noch nicht den Segen der Rating-Agenturen haben".

Nicht alle sind so zurückhaltend. Die deutschen Landesbanken, von denen viele griechische Anleihen in Milliardenhöhe besitzen, entschlossen sich zu einer positiven Bewertung des S&P-Kommentars: "Das ist eine wichtige Wegweisung", sagte ein Sprecher des Landesbanken-Verbandes VÖB. Es sei gut, dass die Rating-Agentur ihre Bedenken so frühzeitig geäußert habe. Das helfe den deutschen Instituten dabei, das französische Modell weiterzuentwickeln und den Vorbehalten Rechnung zu tragen.

dab/AP/dpa-AFX/dpad/Reuters

insgesamt 800 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Brand-Redner 21.06.2011
1. Im Westen nichts Neues
Zitat von sysopMit aller Kraft stemmt sich Brüssel gegen einen Bankrott Griechenlands - und Millionen genervte Bürger schauen zu. In vielen Hauptstädten Europas herrscht Frust über das Krisenmanagement der Mächtigen. Sollte die EU auch weiterhin hinter Griechenland stehen?
Schwer zu sagen. Es kommt vielleicht darauf an, was man von der EU erwartet: Wirkliche Hilfe für das bankrotte Land wird Brüssel nie zustande bringen, ohne die Profiteure in die Pflicht nehmen, welche das Desaster (mit)verursacht haben - also die Banken. So, wie es jetzt aussieht, passiert aber nur das Übliche: Die Banken, welche Griechenland einst Kredite hinterherwarfen, haben ihre Provisionen und Boni längst rein; für den Schaden aber dürfen EU-weit die Steuerzahler aufkommen. Nichts wirklich Neues! Man sollte den Griechen fast dankbar sein, wenn sie sich dagegen wehren, unter _diesen_ Bedingungen Geld anzunehmen!
Rainer Helmbrecht 21.06.2011
2. Ohne Titel ist man freier.
Zitat von sysopMit aller Kraft stemmt sich Brüssel gegen einen Bankrott Griechenlands - und Millionen genervte Bürger schauen zu. In vielen Hauptstädten Europas herrscht Frust über das Krisenmanagement der Mächtigen. Sollte die EU auch weiterhin hinter Griechenland stehen?
Nein das sicher nicht, aber die Verantwortlichkeit für die Bewertung von Staaten an Fachleute vergeben, die unabhängig von Parteien die Kriterien festlegen und auch kontrollieren unter welchen Umständen ein Land überhaupt Mitglied werden kann. Das muss auch zu Reaktionen führen, die zu Sanktionen führe können, wenn da Bestechung, bzw. Aufträge für Staaten den Ausschlag geben. Genau das selbe sollte geprüft werden, wenn ein Rettungsfond in Milliardenhöhe da an "Vermittlungsgebühren" denken lässt. Korruption ist nicht nur in Afrika ein Problem. Selbst die Bundesrepublik hat die Antikorruptionsvereinbarungen noch nicht unterschrieben. Die EU hat lange genug als Spielplatz für Bangemann und Co gedient. Frau Cresson, um nur zwei zu nennen. MfG. Rainer
beggars banquet 21.06.2011
3. Die "Wiege" der Demokratie
Zitat von sysopMit aller Kraft stemmt sich Brüssel gegen einen Bankrott Griechenlands - und Millionen genervte Bürger schauen zu. In vielen Hauptstädten Europas herrscht Frust über das Krisenmanagement der Mächtigen. Sollte die EU auch weiterhin hinter Griechenland stehen?
Die EU steht hinter Griechenland? Was den hellenistischen Uterus der Demokratie im Moment widerfährt, grenzt an räuberische Gruppenunzucht. MfG beggars banquet
Flie, 21.06.2011
4.
Zitat von sysopMit aller Kraft stemmt sich Brüssel gegen einen Bankrott Griechenlands - und Millionen genervte Bürger schauen zu. In vielen Hauptstädten Europas herrscht Frust über das Krisenmanagement der Mächtigen. Sollte die EU auch weiterhin hinter Griechenland stehen?
Nein, das Land sollte als insolvent "erklärt" werden. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
Seifert 21.06.2011
5. Jau!
Zitat von sysopMit aller Kraft stemmt sich Brüssel gegen einen Bankrott Griechenlands - und Millionen genervte Bürger schauen zu. In vielen Hauptstädten Europas herrscht Frust über das Krisenmanagement der Mächtigen. Sollte die EU auch weiterhin hinter Griechenland stehen?
Wie hiess es szt.so schön:"Ex und hopp!"
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.