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Griechisches Auto: Die Rückkehr des hässlichen Ponys

Von , Thessaloniki

Nicht nur an den Finanzmärkten hofft Griechenland auf ein Comeback. Der griechische Konzern Namco will erstmals seit Jahrzehnten wieder ein Auto produzieren. Das Modell Pony soll patriotische Käufer anziehen und vom Ruf des Urahnen zehren.

Griechischer Klassiker: Ein Auto namens Pony Fotos
Namco

Nach Jahren der Dauerkrise traut man sich in Griechenland neuerdings wieder einiges zu. Das gilt nicht nur für die Regierung, die sich in Kürze wieder selbständig Geld leihen will, sondern auch für den griechischen Autokonzern Namco. Er will erstmals seit Jahrzehnten wieder ein griechisches Auto produzieren - die fünfte Generation des Namco Pony.

Das Fabrikgelände dafür gibt es schon, rund 12.000 Quadratmeter am Rande von Thessaloniki. 1983 lief hier die Produktion des Wagens aus, dessen erste Ausgabe in Griechenland sehr beliebt war. Spätere Auflagen des Pony floppten, zuletzt beschränkte sich Namco auf den Import und Weiterverkauf von Fahrzeugen.

Besonders hübsch war der Pony nie. Das dürfte auch für die neue Ausgabe gelten, deren Prototyp derzeit noch strikt unter Verschluss gehalten wird. Dafür will Namco mit anderen Qualitäten punkten, besonders einem Preis von nur rund 7000 Euro. Zudem verspricht das Unternehmen, an die siebziger und frühen achtziger Jahre anzuknüpfen. Damals war Pony als zuverlässiges Auto mit sehr günstigen Ersatzteilen bekannt.

Am wichtigsten aber dürfte sein, dass der Pony das Label "Made in Greece" tragen wird. Das soll das Auto unwiderstehlich für viele Griechen machen, die aus wiedererwachtem Nationalstolz heimische Produkte aller Branchen kaufen.

Die griechische Presse jedenfalls feiert die Aussicht auf ein Comeback, seitdem 2011 bekannt wurde, dass Namco seine Fabrik in Thessaloniki wiedereröffnen will. "Der legendäre Pony kehrt zurück auf die Straßen", schrieb die Tageszeitung "Ta Nea", und die Nachrichtenseite "Defencenet" jubelte: Zu einer Zeit, da die Troika der internationalen Geldgeber den "Feind" darstelle, sei "der rastlose und einfallsreiche Grieche, ein wahrer Nachkomme von Odysseus, nicht untätig geblieben".

Ioanna Papapanagiotou, bei Namco für die internationalen Beziehungen zuständig, sieht ein großes Marktpotential: "Die Griechen haben den Pony geliebt." Die Neuauflage werde ein "ehrliches Auto" sein, fügt sie hinzu. "Man wird die Tür mit einem kleinen Hammer reparieren können."

Produktionsstopp nach Dauerstreik

Von früheren Modellen des Pony wurden insgesamt mehr als 40.000 Stück verkauft. Am erfolgreichsten war die erste Generation, die 1974 herauskam. Namco baute sie auf der Plattform des legendären Citroën 2CV, zu den Abnehmern gehörten das griechische Militär und öffentliche Unternehmen. Trotz des Erfolgs wurde die Produktion 1983 eingestellt, nachdem die Mitarbeiter vier Monate lang für eine 35-prozentige Lohnerhöhung gestreikt hatten.

Jetzt will die Firma 50 Millionen Euro investieren und bis zu 5300 Autos pro Jahr herstellen. Das Unternehmen hat sich nach eigenen Angaben bereits mit einem ausländischen Autokonzern geeinigt, der den Motor liefern soll - über den Namen des Hersteller sei aber vorerst Stillschweigen vereinbar worden. Auch das Getriebe soll importiert werden, weitere Teile aber nicht.

In Thessaloniki wäre eine neue Autoproduktion äußerst willkommen. Die Stadt musste in den vergangenen Jahrzehnten eine rasante De-Industrialisierung verkraften, derzeit hat sie eine der höchsten Arbeitslosenquoten des Landes. Bei vollem Betrieb soll das Namco-Werk 400 Menschen beschäftigen und rund 2000 Jobs im Zuliefererbereich stützen. "Wir schwimmen gegen den Strom", sagt Papapanagiotou. "Wir wollen in Griechenland investieren und den Menschen Arbeit geben."

Solche Vorsätze sollten der Regierung gefallen, schließlich braucht das Land dringend Investitionen und neue Jobs. Namco bemüht sich um staatliche Investitionsbeihilfen, doch dem Unternehmen zufolge zeigte man sich in Athen bislang nicht besonders entgegenkommend. "Inoffiziell signalisiert uns die Regierung, dass Griechenland nicht an der Entwicklung einer heimischen Autoindustrie interessiert ist", sagt Papapanagiotou. "Offensichtlich üben Interessengruppen Druck auf die Regierung aus."

Der für Investitionen zuständige Vizeminister Notis Mitarakis wollte die Beschwerden der Firma auf SPIEGEL ONLINE nicht kommentieren. Ein Sprecher des Entwicklungsministeriums sagte, Namcos Plan werde genauso geprüft wie alle anderen Anträge. Eine endgültige Entscheidung werde es dann im Frühling geben. Auch wenn diese negativ ausfällt, werde sich Namco nicht beirren lassen, sagt Papapanagiotou. "Wir machen weiter. Griechenland wird wieder eine eigene Autoindustrie haben."

Übersetzung aus dem Englischen: David Böcking

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1. Revival
salamifist 09.04.2014
Das Pony der ersten Generation könnte ich mir mit upgegradeter Technik gut in der heutigen Zeit, als gern gefahrenen und günstigen "Muli" der Studenten Europas vorstellen: halb Pickup für die ständigen Umzüge von einer WG in die nächste, halb VW-Kübel für die Fahrt zum Strand – am Besten mit optionalem Hardtop für den Winter in Nordeuropa. Unter 7.000 EUR und sehr robust? Den würde ich bei entsprechendem Vertriebs- und Werkstattnetz auch kaufen.
2. Undenkbar in Europa...
objektivemeinung 09.04.2014
...und auch dem Rest der Welt, wo man eben auf Qualität Wert legt. Nicht einmal das sog. "Billigste Auto der Welt" konnte in der eigenen Heimat punkten. Ich glaube auch, dass deutsche Studenten eher VW bevorzugen...
3. Aha, ja klar...
DerNachfrager 09.04.2014
---Zitat--- Zudem verspricht das Unternehmen, an die siebziger und frühen achtziger Jahre anzuknüpfen. ---Zitatende--- Das wird also eine unsichere Rostschüssel, die so sparsam ist dass sie weniger Benzin braucht als Öl ? Und verkauft wird der Kübel dann mit Finanzierung. Vollkasko ist aber ausnahmsweise nicht nötig; der Deutsche Steuerzahler bürgt.
4. Das wird wohl nix
patrick6 09.04.2014
...weil das Ding, so lustig das auch sein mag, die EU-Vorschriften für neue Fahrzeuge (z.B. bzgl. Passantenschutz) nicht erfüllen kann. Es sei denn, es wird als Kleinserienfahrzeug zugelassen - aber dann kann man damit auch kein Geld verdienen.
5. Kaufen!
etna 09.04.2014
Also ich würde direkt in so ein Auto investieren, wenn man es noch einfach reparieren kann, ohne dabei arm zu werden! (so o.k.?)
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