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Traktor-Blockade griechischer Bauern: Highway to Hellas

Traktoren auf der Straße nach Thessaloniki (Archivbild): Entschlossener Protest Zur Großansicht
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Traktoren auf der Straße nach Thessaloniki (Archivbild): Entschlossener Protest

Griechische Hauptstraßen und Grenzübergänge sind dicht, weil Bauern gegen den Sparkurs demonstrieren. Einigen bulgarischen Lkw-Fahrern reichte es nun: Sie durchbrachen die Traktor-Blockade mit Gewalt.

Die Verkehrsblockaden griechischer Bauern führen in Griechenland zunehmend zu Spannungen. Seit mehr als drei Wochen blockieren die Landwirte aus Protest gegen die geplante Rentenreform und Steuererhöhungen mit ihren Traktoren landesweit Straßen, Grenzübergänge und Bahnschienen. Vier Fahrer bulgarischer Lastwagen haben die Blockade nun mit Gewalt durchbrochen.

"Sie gaben plötzlich Gas und bretterten mit gut 80 Stundenkilometern an uns vorbei", sagte einer der Landwirte dem griechischen Fernsehsender Skai. "Mit ihren Lastwagen haben sie sogar den Schlagbaum an der Grenze zerschmettert." Die Zusammenstöße ereigneten sich am Grenzübergang Promachon-Kulata.

Die Lastwagen hatten bulgarische Nummernschilder. Die Polizei hielt die Fahrer nach Augenzeugenberichten auf der bulgarischen Seite an und nahm ihre Personalien auf. Ein fünfter Lastwagenfahrer, der eine ähnliche Aktion versuchte, wurde auf der griechischen Seite von der Polizei gestoppt.

An der bulgarisch-griechischen Grenze stauen sich seit Tagen die Lastwagen. Als Zeichen guten Willens geben die Bauern immer wieder für kurze Zeit die Durchfahrt frei. Augenzeugen schätzen dennoch, dass sich mittlerweile allein auf der griechischen Seite ein über 25 Kilometer langer Stau gebildet hat.

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Landwirte, aber auch Rechtsanwälte, Ingenieure und andere Freischaffende protestieren gegen die geplanten Reformmaßnahmen der griechischen Regierung. So sollen beispielsweise in der Agrarwirtschaft die Rentenbeiträge schrittweise von 7 auf 20 Prozent fast verdreifacht werden. Auch Steuererhöhungen und die Streichung von Steuervorteilen sind für den Sektor geplant.

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Die Reformen sind die Voraussetzung dafür, dass die hochverschuldete griechische Regierung weiter Hilfen von den internationalen Geldgebern erhält. Die Athener Börse war am Montag um fast acht Prozent eingebrochen, weil Anleger sich sorgen, dass die Reformen letztlich am Widerstand der Bevölkerung scheitern.

Tatsächlich dürften die Proteste bis Ende der Woche noch zunehmen. Für Freitag haben die Bauern zur Traktorfahrt ins Athener Stadtzentrum aufgerufen. Dem aber will die Regierung Einhalt gebieten, wie die Athener Tageszeitung "Kathimerini" berichtet.

"Traktoren im Stadtzentrum werden wir nicht dulden"

"Die Landwirte können gern mit dem Bus nach Athen kommen, wenn sie möchten, und auf dem Syntagma-Platz demonstrieren, solange sie wollen. Aber Traktoren im Stadtzentrum werden wir nicht dulden", zitiert die "Kathimerini" eine Quelle aus Regierungskreisen. Die Landwirte hatten zuvor Gesprächsangebote der Regierung rundheraus abgelehnt, solange die Rentenreform nicht vollständig zurückgezogen werde.

Der Dauerprotest schadet Griechenlands ohnehin gebeutelter Wirtschaft. Bis zu 30 Millionen Euro verlieren griechische Exporteure derzeit täglich wegen der Bauernblockade, berichtet "Kathimerini" unter Berufung auf Daten des griechischen Exportverbandes PSE. Wenn die Bauern - wie zwischenzeitlich angedroht - die Blockaden auf Häfen und Bahnhöfe ausweiten, könnte der tägliche Verlust bis zu 65 Millionen Euro betragen.

Auch die Versorgung des Landes ist dem Bericht zufolge gefährdet. Zwar sei man aufgrund von Lagerhaltung noch gut gerüstet, wird der Leiter eines Supermarktes zitiert, aber manche frischen Produkte seien bereits Mangelware.

ssu/brk/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Diese Menschen müssen sparen....
joG 09.02.2016
....weil sie für die Schulden einstehen mussten, den die damalige Regierung zum Teil machte um für Waffen und andere Geschäfte mit deutschen Firmen zu bezahlen, die mit Bestechung erlangt wurden. Solidarität gab es nicht mit Tsipras und seinem Volk. Nun deuten wir auf diese Griechischen Menschen, die dafür ihre Renten usw weitgehend verlieren, weil sie kein Geld haben ihre Tausende Kilometer lange Grenze zu sichern und wir verlangen Solidarität. Wir haben die Dubliner Verträge gebrochen indem wir unbegrenzte Willkonnenskultur für die Verfolgten erklärten und sie einluden. Aber der Grieche ist schuld. Irgendwie ist das nichts.
2.
d15 09.02.2016
Je länger gestreikt wird desto mehr geht die Wirtschaft kaputt und weitere Sparmaßnahmen werden nötig gegen die dann wiederum gestreikt wird. Wann verstehen die Griechen endlich, dass sie Nur GELD ausgeben können, das sie auch haben?
3. Tolle Lösung...
tomxxx 09.02.2016
man kann die Renten nicht auszahlen, weil man kein Geld hat. Wenn man dann alles blockiert und nicht arbeitet... hat man noch weniger Geld! Das hilft also!
4.
Crom 09.02.2016
Was kann denn ein bulgarischer LKW-Fahrer dafür? Mag sein, dass die Bauern unzufrieden sind. Das ist aber kein Grund es an Unbeteiligten auszulassen. Die Fernfahrer haben auch Familien!
5. Falsch
weiter_denken 09.02.2016
"An der bulgarisch-griechischen Grenze stauen sich seit Tagen die Lastwagen. Als Zeichen guten Willens geben die Bauern immer wieder für kurze Zeit die Durchfahrt frei. " Das ist kein guter Wille. Die Blockierer nötigen andere Leute und die Polizei tut nichts dagegen. Die LKW-Fahrer müssten die Polizisten ansprechen und diese sollten die "Demostrantent" - sprich Straftäter - nach einer kurzen Frist zur Räumung gewaltsam von der Strasse entfernen. Ich kann meine Meinung sagen und ausdrücken. Ich kann auch streiken - sprich alle Arbeiten einstellen. Aber ich darf andere Leute nicht nötigen und ihnen auf den Nerv gehen. Die LKW-Fahrer sollten sich die Nummern der Polizisten aufschreiben, Anzeige erstatten und Schadenersatz vom griechischen Staat fordern. Eigentlich könnte das durchbrechen sogar unter Notwehr fallen. Eine Straftat (Nötigung, Sachbeschädigung durch verderbende Waren und zusätzlichem Spritverbrauch), die gegenwärtig durchgeführt wird (Traktor steht absichtlich im Weg) soll von mir oder einem anderen (allen im Stau) abgewendet werden. Er ist erforderlich, weil alle milderen Mittel (gutes Zureden, Einschalten der Polizei) nicht geeignet sind, den Angriff sicher und endgültig zu beenden. Und Verhältnismäßig ist die Reaktion auch, schließlich wurde niemand ü erfahren, sondern höchsten Sachschaden beim Angreifer verursacht. Völlig korrekte Reaktion der Brummifahrer.
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