PAOK Saloniki Griechenland erlässt Fußballklub von Putin-Freund Steuerschulden

Der griechische Fußballklub PAOK Saloniki ist "befreit von den Fesseln der Schulden". Klubbesitzer und Putin-Freund Ivan Savvidis profitiert von einem Gesetz der Syriza-Regierung - so wie viele weitere Unternehmer.

Klubbesitzer Savvidis: Befürworter einer Annäherung an Russland
Corbis

Klubbesitzer Savvidis: Befürworter einer Annäherung an Russland

Von , Thessaloniki


Die griechische Regierung erlässt einem der wichtigsten Fußballklubs des Landes Steuerschulden in Millionenhöhe. Der Verein befindet sich ausgerechnet im Besitz eines engen Freundes von Wladimir Putin. Die Befreiung von PAOK Saloniki erfolgt über ein eigentlich für Notfälle vorgesehenes Verfahren. Die Regelung ist bereits von Premierminister Alexis Tsipras unterzeichnet worden und muss nicht vom Parlament abgesegnet werden. Der Verein kann mehr als 20 Millionen Euro an Verzugszinsen und Strafgebühren vermeiden, sofern er die eigentliche Steuerschuld von elf Millionen Euro auf einen Schlag zahlt.

PAOK ist seit 2012 mehrheitlich im Besitz des russischen Unternehmers Ivan Savvidis. Der Klub wird in dem Erlass nicht namentlich genannt, doch Savvidis schickte umgehend einen offenen Dankesbrief an Tsipras. "Befreit von den Fesseln der Schulden werden wir den Klub jetzt auf den Weg unserer Träume führen können", heißt es darin.

Savvidis ist Eigentümer von Donskoy Tabak, Russlands größtem privaten Tabakkonzern. Im Jahr 2013 stufte ihn das Magazin "Forbes" auf Platz 30 der reichsten Russen ein. Für die Putin-Partei Einiges Russland saß der 56-Jährige von 2003 bis 2011 in der Staatsduma. Savvidis, der griechische Wurzeln hat, aber kein Griechisch spricht, ist ein entschiedener Verfechter von engeren Verbindungen zwischen beiden Ländern. Seiner Ansicht nach hätte Griechenland bereits 2010 Russland statt der Euro-Partner um Finanzhilfen bitten sollen, um damit den "Verlust seiner Freiheit und Souveränität" zu verhindern.

Die von Savvidis geforderte Annäherung sucht derzeit auch die neue griechische Regierung: Am Wochenende wurde bekannt, dass Tsipras in Moskau um eine Senkung der Erdgaspreise und die Aufhebung eines russischen Importverbots für griechische Waren bitten will.

Hoffen auf die Dankbarkeit der Fans

Für den Schuldenerlass hatte sich Savvidis seit der Übernahme des Klubs eingesetzt. Damit traf er auch bei der Vorgängerregierung des Konservativen Antonis Samaras auf Wohlwollen, der auf die Dankbarkeit der PAOK-Fans gezählt haben dürfte. Samaras stieß jedoch auf Widerstand der sogenannten Troika der internationalen Geldgeber, die Unternehmen mit mehr als einer Million Euro an Steuerschulden keinen Erlass einräumen wollte.

Auch Syriza hatte als Oppositionspartei die Großzügigkeit früherer Regierungen gegenüber großen Fußballvereinen und deren reichen Eignern scharf kritisiert. Nun aber beruft sich die Regierung auf dasselbe Argument wie die Vorgänger: besser, der Staat nimmt ein bisschen ein als gar nichts. Dieser Gedanke steht auch hinter einem kürzlich verabschiedeten Steuergesetz, das Bürgern und Unternehmen bei einer sofortigen Begleichung ihrer Steuerschuld erhebliche Nachlässe einräumt.

Die jetzt von Tsipras unterzeichnete Regelung ist ein Anhang zu diesem Gesetz. PAOK ist dabei nur der prominenteste Profiteur. Steuerexperten zufolge läuft die Entscheidung auf eine Generalamnestie hinaus, von der Nachtklubbesitzer auf Mykonos genauso wie wohlhabende Ärzte profitieren dürften. Dimitris Panozachos, Steuerexperte von PAOK, schrieb auf Facebook, die Regelung nutze allen griechischen Unternehmen. Die eigentliche Steuerschuld bleibe bestehen, zugleich würden "die irrationalen Strafen und Zuschläge der griechischen Steuerbehörden" gemildert.

Der griechische Fußball wird überschattet von häufiger Gewalt, Manipulationsvorwürfen, Finanzproblemen und niedrigen Besucherzahlen. Dennoch lieben Griechen den Sport.

Fußballeigner haben großen Einfluss

Die Eigner der Top-Klubs zählen zu den einflussreichsten Geschäftsleuten des Landes. So gehört Rekordmeister Olympiakos Piräus dem Reeder Vangelis Marinakis. Durch sein Engagement wurde er in der Hafenstadt so populär, dass der Kandidat einer von Marinakis mitgegründeten politischen Bewegung die letzten Bürgermeisterwahlen gewann. Der Reeder selbst wurde in den Stadtrat gewählt.

Der Athener Rivale Panathinaikos wird von Gianis Alafouzos kontrolliert, dem Spross einer Reedersfamilie und Besitzer einer der einflussreichsten Mediengruppen. Panathinaikos wartet derzeit auf sieben Millionen Euro an staatlichen Hilfen, um sein Stadion zu renovieren.

Einem weiteren Schiffsmagnaten, Gianis Melissanidis, gehört der Athener Klub AEK. Dieser stieg freiwillig in die Amateurliga ab, um so nahezu all seine Schulden loszuwerden. In der kommenden Saison könnte AEK nun wieder aufsteigen. Melissanidis war einer der wichtigsten Investoren bei der Privatisierung des vormals staatlichen Wettanbieters Opap. Derzeit wartet AEK darauf, dass die von Syriza angeführte Athener Regionalregierung Subventionen von 20 Millionen für den Bau eines eigenen Stadions genehmigt.

Die Steuerschuld griechischer Bürger und Unternehmen beträgt nach Regierungsangaben 76 Milliarden Euro. Syriza hält es jedoch für unrealistisch, mehr als neun Milliarden Euro davon tatsächlich einzutreiben.

Übersetzung aus dem Englischen und Mitarbeit: David Böcking

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Alfred Ahrens 30.03.2015
1. Warum blos das, und jetzt ? Versteht das jemand ?
Offensichtlich haben unsere griechischen Schwestern und Brüder und Herr Varoufakis immer noch genug Geld. Das werden die EZB und andere Geldgeber hoffentlich ins Kalkül ziehen !
pirx64 30.03.2015
2. So ist es recht
So ist es recht, schon mal einschmeicheln
showmeheaven 30.03.2015
3. Irreführende Überschrift!
Die Überschrift ist irreführend und populistisch! Erst wird von Steuerschuld erlassen gesprochen, liest man den Artikel gehts plötzlich "nur" um Zinsschulden. Die Steuerschulden muss der Verein trotzdem zahlen.
TJDab 30.03.2015
4. machen wir doch auch
Gab es nicht grad einen neuen Leitartikel von Spon? Und dann wieder eine solche populistische Schlagzeile? Deutschland erlässt ihren Steuersündern doch auch Strafen wenn sie ihre Schuld (melden und) bezahlen.
ClausWunderlich 30.03.2015
5.
Richtig so! Das hat bei uns (Deutschland) auch dazu beigetragen das es auffwärts ging siehe Agenda 2010. Jetzt muss Griechenland noch die Steuern für die Masse erhöhen, die Löhne senken und sozial Ausgaben kürzen. Dann klapps auch mit der Wirtschaft.
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