Stopp von Privatisierungen Griechenland stellt Flughafen-Verkauf an Fraport infrage

Es sollte eine der bislang größten Privatisierungen in Griechenland werden. Doch die neue Regierung erwägt, den Verkauf von 14 Regionalflughäfen abzusagen. Das würde vor allem das Frankfurter Unternehmen Fraport treffen.

Stillgelegter Flughafen Hellenikon: Auch sein Verkauf soll gestoppt werden
REUTERS/ Yorgos Karahalis

Stillgelegter Flughafen Hellenikon: Auch sein Verkauf soll gestoppt werden


Athen - Nach dem Regierungswechsel in Griechenland steht der geplante Verkauf von 14 Regionalflughäfen an den Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport Chart zeigen auf der Kippe. Die neue Regierung stellt das 1,2 Milliarden Euro schwere Vorhaben laut Staatsminister Alekos Flabouraris wieder auf den Prüfstand. Der Verkaufsprozess sei noch nicht besiegelt, sagte Flabouraris am Samstag im griechischen Fernsehen. "Wir haben gesagt, dass wir ihn stoppen und überprüfen werden."

Fraport hatte dagegen noch vor einer Woche mitgeteilt, man gehe weiter vom Abschluss des Vertrages aus. Das Unternehmen hatte gemeinsam mit dem griechischen Partner Copelouzos Group von der alten Regierung den Zuschlag für den Kauf der Flughäfen erhalten. Die endgültigen Verträge müssen aber noch ausgehandelt werden.

Es ist nicht die erste Privatisierung, die von der neuen Linksregierung infrage gestellt wird. Sie hat unter anderem bereits den Verkauf des Hafens von Piräus und eines Energieversorgers abgesagt und will auch den Verkauf des stillgelegten Athener Flughafens Hellenikon an Investoren aus Griechenland, China und Abu Dhabi verhindern. Finanzminister Giannis Varoufakis argumentiert, es sei wenig sinnvoll, das Tafelsilber des Staates mitten in der Krise zu verschleudern.

Der Kauf der Regionalflughäfen sollte eigentlich im Herbst stehen. Dabei geht es unter anderem um Airports auf Urlaubsinseln wie Rhodos, Korfu, Mykonos und Santorin. Auch der Flughafen der Stadt Thessaloniki gehört zum Paket. Fraport will mindestens zwei Drittel der Anteile an dem Flughafen-Konsortium halten. Damit entfielen mindestens 800 Millionen Euro vom Kaufpreis auf das Unternehmen.

Der Flughafenverkauf wäre eine der größten Privatisierungen in Griechenland seit Beginn der Schuldenkrise vor sechs Jahren. Auf deren Höhepunkt hatte sich die Regierung zu einem umfassenden Privatisierungsprogramm verpflichtet, das insgesamt 50 Milliarden Euro einbringen sollte. Bereits im vergangenen Jahr wurde das Ziel aber auf nur noch knapp zehn Milliarden Euro reduziert.

dab/Reuters

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