Griechenland Fraport will Schadensersatz für marode Flughäfen

Lampen, Türen, Feuerlöscher: In den 14 Flughäfen, die Fraport der griechischen Regierung abgekauft hat, ist vieles kaputt. Die Deutschen fordern nun Entschädigung.

Flughafen von Thessaloniki
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Flughafen von Thessaloniki

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Der deutsche Flughafenbetreiber Fraport hat Ärger mit den 14 griechischen Flughäfen, die er im Rahmen der Privatisierung von Staatseigentum im April für mehr als 1,2 Milliarden Euro übernommen hatte.

Nach SPIEGEL-Informationen will Fraport Entschädigungen in Höhe von etwa 70 Millionen Euro geltend machen. Die übernommenen Flughäfen, zu denen auch das zweitgrößte griechische Luftkreuz in Thessaloniki und Tourismus-Hotspots wie zum Beispiel der Flughafen auf Korfu gehören, sind offenbar in einem deutlich schlechteren Zustand als gedacht. Im Konzessionsvertrag ist festgehalten, dass Fraport in diesem Fall Entschädigungen einfordern kann.

Nach SPIEGEL-Informationen hatte Fraport einen unabhängigen Gutachter eingeschaltet, der im Juni einen Zustandsbericht über sämtliche durch Fraport erworbene griechische Flughäfen vorlegte. Laut dem Bericht gibt es zahlreiche Probleme. Zum Beispiel: Tausende durchgebrannte Lampen, kaputte Türen, verschwundene oder nicht funktionierende Feuerlöscher. Manche Mängel sind ein Sicherheitsrisiko - auch für die vielen deutschen Touristen, die nach Griechenland kommen.

Weder Fraport noch die griechische Regierung wollten sich zu den Informationen äußern.

Die Summe, die die Frankfurter einfordern sollen, ist für griechische Verhältnisse schmerzhaft viel: Fraport fordert deutlich mehr als Athen beispielsweise mit dem Verkauf der Staatsbahn an die italienische Ferrovie Anfang September eingenommen hat (45 Millionen Euro). Die Deutschen wollen mehr als doppelt so viel wie die 30 Millionen Euro, die die griechische Regierung 2018 bei den Heizkostenzuschüssen für in Armut lebende Familien einsparen muss.

In Griechenland steht Fraport ohnehin in der Kritik. Kürzlich hat der griechische Verkehrsminister Christos Spirtzis, ein Privatisierungsgegner, das Unternehmen im Gespräch mit der staatseigenen Nachrichtenagentur AMNA scharf attackiert: Das Fraport-Konsortium habe die 14 Flughäfen "kein bisschen besser betrieben" als der Staat, sagte er. Spirtzis bemängelte unter anderem, dass seit der Übernahme die Toiletten deutlich schmutziger seien als vorher.

Fraport weist die Anschuldigungen zurück.



insgesamt 123 Beiträge
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Rinaldo R. 28.09.2017
1. Und
wieso fällt das jetzt erst auf? Hat man diese Objekte per Mausklick aus Deutschland gekauft?
hannesmann 28.09.2017
2.
Sehr eigenartig. Hat Fraport sich die Flughäfen nicht vorher angeguckt bevor sie den Vertrag unterschrieben haben?
simie 28.09.2017
3.
Und schon wieder ein schönes Beispiel dafür, wie sich der Staat über den Tisch ziehen lässt. Wie kann man einen solchen Vertrag unterschreiben, der dafür Schadensersatz vorsieht?
wombie 28.09.2017
4.
Jo, Privatisierung von öffentlicher Infrastruktur ist immer effizienter, eigentlich sollte ein guter Investor seine Immobilie vorher gründlich begutachten.
skeptiker97 28.09.2017
5. Blind gekauft?
Haben die etwa gedacht, dort ist alles bestens? Schon etwas Presselektüre über GR hätte Anlass sein müssen, etwas genauer hinzuschauen, bevor Geld fliesst. Heilge Selbstgefälligkeit!
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