Geplanter Deal mit Russland Griechenlands Milliarden-Hoffnung

Gazprom-Chef Miller besucht Griechenland - doch die erhofften Geschenke verteilt er nicht. Lässt sich Athen davon entmutigen? Nein: Der Glaube an Russland ist groß.

Herzliche Begrüßung: Minister Lafazanis und Gazprom-Chef Miller
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Herzliche Begrüßung: Minister Lafazanis und Gazprom-Chef Miller

Aus Athen berichten und


Von blauem Azurit über grünen Malachit bis zu durchsichtigem Aragonit: Im Amtssitz des griechischen Energieministers Panagiotis Lafazanis sind mehrere Vitrinen mit Mineralien gefüllt. Viele stammen aus dem südgriechischen Lavrion, wo schon im vierten Jahrhundert vor Christus Bergbau betrieben wurde. Die letzten Minen schlossen vor fast 40 Jahren.

Heute haben andere Länder Bodenschätze, die sich zu Geld machen lassen. Deshalb empfing Lafazanis am Dienstag Alexej Miller, Chef des russischen Energiekonzerns Gazprom. Die Begrüßung mit Küsschen war herzlich, die Hoffnungen groß.

Griechenland soll sich an der Pipeline Turkish Stream beteiligen, mit der Russland ab 2019 Gas in Richtung Europa transportieren will. Im Gegenzug hoffe man auf einen Vorschuss von drei bis fünf Milliarden Euro, sagte ein hochrangiger Syriza-Vertreter vergangene Woche SPIEGEL ONLINE. Da sprach er noch von einem Abkommen an diesem Dienstag.

So weit kam es dann doch nicht. Zwar sprach Miller auch rund zweieinhalb Stunden mit dem griechischen Premierminister Alexis Tsipras. Am Ende gab es aber keine Vertragsunterzeichnung, nicht mal einen gemeinsamen Auftritt.

Miller sagte immerhin, man habe sich auf die Gründung eines Konsortiums zum Bau der Pipeline geeinigt, das vor allem aus europäischen Firmen bestehen solle. Zudem versicherte der Gazprom-Chef, man werde beim Bau europäische Gesetze einhalten - immerhin wirft die EU-Kommission dem Konzern gerade das Gegenteil vor.

In griechischen Regierungskreisen glaubt man trotz des mageren Ergebnisses weiter an einen Deal. Der soll nun im Juni stehen. Lafazanis sagte zudem, er erwarte von dem Projekt nach wie vor kurzfristige Einnahmen - also den erhofften Vorschuss. Unterm Strich aber bleiben konkrete Hilfen aus Russland bisher nur ein Hoffnungswert.

Schon Tsipras' konservativer Vorgänger Antonis Samaras hatte sich 2013 nicht weniger als drei Mal mit Miller getroffen, damals ging es um den Verkauf der staatlichen Gasfirma Depa. Lange galt Gazprom als interessiert, doch in letzter Minute winkte der Konzern ab.

Großes Vertrauen oder große Ratlosigkeit

Dabei ging es bei früheren Verhandlungen immerhin noch um existierende Vermögenswerte. Nun setzt die griechische Regierung ihre Hoffnungen auf noch nicht eingenommene Gelder aus einer noch nicht gebauten Pipeline. Das spricht für großes Vertrauen - oder große Ratlosigkeit.

Doch mit ihrem Vertrauen auf Russland sind Tsipras und Lafazanis in ihrem Land nicht allein. Das Verhältnis der Griechen zum östlichen Nachbarn ist laut Zahlen des Pew Research Center viel besser als im Rest Europas: 61 Prozent der Griechen haben ein positives Bild von Russland, unter den Deutschen sind es gerade einmal 19 Prozent. 41 Prozent der Griechen halten Wladimir Putin für vertrauenswürdig, in Deutschland sagen dies gerade einmal 22 Prozent.

Für diese Verbundenheit gibt es viele Erklärungen. Etwa die gemeinsame orthodoxe Religion oder auch Russlands Rolle im Unabhängigkeitskrieg der Griechen gegen das Osmanische Reich. Und nicht zuletzt haben viele Syriza-Politiker ihre Wurzeln in Griechenlands kommunistischer Partei, die Moskau traditionell nahesteht.

Besonders Lafazanis als Führer des radikalen Parteiflügels dürfte weiter für den Deal kämpfen. Doch auch Tsipras hat frühzeitig klargemacht, dass er neue Finanzierungsquellen für sein Land erschließen will. Als ihm ein Reporter einst vorhielt, Griechenland habe nur die Finanzhilfen der Euro-Partner zur Auswahl gehabt, antwortete Tsipras: "Im Leben gibt es keine Einbahnstraßen."

insgesamt 34 Beiträge
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Leto13 21.04.2015
1. Schwach
"Heute haben andere Länder Bodenschätze, die sich zu Geld machen lassen. Deshalb empfing Lafazanis am Dienstag Alexej Miller, Chef des russischen Energiekonzerns Gazprom. " Griechenland hat ebenfalls Bodenschaetze, die schon zu Geld gemacht werden oder in der Zukunft zu Geld gemacht werden: Gold, Erdoel, Erdgas und anderes. Herr Christides sollte das wissen.
karend 21.04.2015
2.
"Nun setzt die griechische Regierung ihre Hoffnungen auf noch nicht eingenommene Gelder aus einer noch nicht gebauten Pipeline." Ah, das entspricht doch fast dem Einkalkulieren noch nicht eingegangener Steuerzahlungen. Passt also.
Harald Schmitt 21.04.2015
3. I)deenlos
Was sollen denn die Millarden bringen, die versickern wie all das Geld davor. Die über 300 Millarden müssen ja auch irgendwo geblieben sein und ohne Reformen ist das nur ein Aufschub für ein paar Monate. Wen wollen sie dann noch anpumpen? So viele Pipelines können die gar nicht bauen, da ist das Geld schon alle bevor der erste Spatenstich getan ist.
fritzyoski 21.04.2015
4. Ueberraschung
Ich dachte Putin ist ganz versessen darauf Griechenland unbegrenzt zu alimentieren und sich, falls das Geld nicht schnell genug fliesst, aufs uebelste beschimpfen zu lassen. Koennen ja mal in der Tuerkei betteln gehen, Erdogan wird bestimmt einige Milliarden fuer seine griechischen Freunde locker machen.
habkeineahnung 21.04.2015
5. Wo es bleibt das Geld
na bei euro.Banken. Darum gehts doch. Ohne nen Aufbauplan wird GR die Schulden eh nie zahlen können. Aber das die GR Regierung was tut wird null anerkannt. Die GR sind ja faul, na klar. Wo die 300 Milliarden geblieben sind? Na frag doch mal die Reeder und andere Reiche GR. Und wo ist "unser" Geld geblieben? Und warum druckt Draghi eine Billion und wo wird die Billion am Ende sein? Nö nachdenken ist Mist, das tut ja die Blöd und andere unkritische Medien die wem gehören? Ach zu 90% dem kapital? Ja GR bashen ist eben in. Und wer kritisch ist ist eh nen doofer Linker. Na da bin ich lieber nen denkender Linker als nen allesglauber
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