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Griechenland-Rettung: Banken bringen nur ein Opferchen für Athen

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Die Summe klingt gewaltig: Bis zu 106 Milliarden Euro sollen Banken und Versicherungen zum neuen Rettungspaket für Griechenland beitragen. Doch wie genau das Geld zusammenkommt, kann niemand so recht erklären. Für die privaten Gläubiger könnte das Opfer am Ende kleiner sein, als es scheint.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: "Das trifft uns hart" Zur Großansicht
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Deutsche-Bank-Chef Ackermann: "Das trifft uns hart"

Hamburg - Josef Ackermann mühte sich redlich: "Das trifft uns hart", kommentierte der Deutsche-Bank-Chef die Gipfelbeschlüsse zur Griechenland-Rettung mit ernster Miene. Als Vorsitzender des internationalen Bankenverbands IIF hatte er selbst an dem Treffen teilgenommen - auch, um zu verhindern, dass die Beschlüsse allzu hart für die Banken ausfallen.

Diesen Auftrag hat er gut erledigt. Zwar klingt der Beitrag, den private Gläubiger zum neuen Griechenland-Rettungspaket beisteuern sollen, beeindruckend: Bis 2014 sollen es knapp 50 Milliarden Euro sein, bis 2019 sogar 106 Milliarden Euro - beinahe so viel wie die Euro-Staaten und der Internationale Währungsfonds bereitstellen.

Doch Experten vermuten, dass das Opfer der Finanzindustrie am Ende nicht so hart ausfallen wird, wie es auf den ersten Blick scheint. "Die Banken kommen ganz gut weg", sagt Dirk Schiereck, Professor an der TU Darmstadt. "Die konkreten Kosten werden überschaubar sein." Und auch Martin Faust, Experte der Frankfurt School of Finance & Management, sieht die privaten Gläubiger in einer guten Position: "Bei dem Rettungspaket verzichten die Banken zwar auf Milliarden, aber bei einem Verkauf ihrer Staatsanleihen am Markt hätten sie noch viel mehr verloren."

Zwei Modelle für die Banken

Um zu verstehen, wie viel die Banken und anderen privaten Gläubiger wirklich beisteuern, muss man die genannten Zahlen einfach mal ausblenden. Die 50 oder 106 Milliarden Euro sind bisher ohnehin nur Schätzungen. Ob sie Realität werden, hängt davon ab, wie viele Banken und Versicherer am Ende mitmachen - schließlich ist die Beteiligung immer noch freiwillig. Zudem kann bisher niemand so recht erklären, wie die hohen Beträge zustande kommen sollen - auch nicht das deutsche Finanzministerium, das seit Wochen für die Einbeziehung des Privatsektors getrommelt hatte.

Viel wichtiger als die Gesamtsummen sind deshalb die Konditionen, zu denen die Banken ihre Griechenland-Anleihen loswerden können. Dazu sind grundsätzlich zwei Modelle vorgesehen:

  • Entweder sie tauschen ihre bestehenden Griechen-Anleihen in neue Bonds mit längeren Laufzeiten und niedrigeren Zinsen.
  • Oder sie verkaufen ihre Papiere an den europäischen Rettungsfonds EFSF

Für das Modell des Anleihentauschs sind verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Laufzeiten und Zinssätzen vorgesehen, aus dem sich die Investoren die für sie günstigste aussuchen können. Der Clou: Die neuen Anleihen sind gegen einen Ausfall versichert. Für sie garantiert der Rettungsfonds EFSF.

Im Gegenzug für diese Sicherheit müssen die Banken schlechtere Konditionen akzeptieren als bisher, also längere Laufzeiten und niedrigere Zinsen. Die Wertverluste, die ihnen dabei entstehen, sollen in jeder Variante 21 Prozent betragen.

Dieser Abschlag bezieht sich nicht auf den Nennwert der Anleihe, also den Preis, den ein Investor ursprünglich dafür bezahlt, sondern auf den Gegenwartswert, also den Wert, den die Banken der Anleihe inklusive aller noch ausstehenden Zinsen beimessen.

Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Euro-Krise


Für die meisten Banken dürfte das eine ziemlich komfortable Lösung sein. Schließlich waren Griechenland-Anleihen am Markt zuletzt nur noch mit einem Abschlag von bis zu 45 Prozent auf den ursprünglichen Nennwert zu verkaufen. Nun haben die Banken die Chance, ihre Papiere zu deutlich besseren Konditionen loszuwerden - und erhalten im Gegenzug absolut sichere Anleihen mit EFSF-Garantie.

Das Rettungspaket wirkt trotzdem

Doch das Modell hat nicht nur für die Banken Charme: Durch die längeren Laufzeiten und die niedrigeren Zinsen wird auch der griechische Staat entlastet. Der Anteil, der so zusammenkommen könnte, wird in der Abschlusserklärung des Gipfels mit 37 Milliarden Euro angegeben. Wie er genau zustande kommen soll, ist unklar.

Das gilt auch für das zweite Modell, das weitere 12,6 Milliarden Euro bringen soll. Dabei geht es um ein Schuldenrückkaufprogramm: Der Rettungsfonds EFSF soll die Möglichkeit bekommen, die Griechenland-Anleihen von privaten Investoren aufzukaufen. Damit wäre den Griechen geholfen, aber auch den Banken. Denn sie sollen die Papiere nicht zum aktuellen Marktwert verkaufen, sondern darauf einen noch nicht näher definierten Aufschlag erhalten. Sie stellen sich also auch mit diesem Modell besser als im Status quo.

Angesichts solcher Anreize geht auch Bundeskanzlerin Angela Merkel davon aus, dass viele Banken und Versicherungen das Programm annehmen werden. Wie konkret die hohen Gesamtsummen zustande kommen sollen, verriet aber auch sie nicht. Es gebe "ein hohes Maß an Vertrauen", dass der Privatsektor die vereinbarten Beträge zusammenbringe, sagte Merkel am Freitag.

Der internationale Bankenverband rechnet mit einer Annahmequote von 90 Prozent für die zwischen 2011 und 2020 fällig werdenden Anleihen. Das hieße: Von den Griechenlandanleihen im Volumen von 150 Milliarden Euro, die noch von privaten Investoren gehalten werden, sollen 135 Milliarden Euro umgetauscht werden. Damit kämen netto einige Milliarden Euro Erleichterungen für Griechenland zustande - aber gleich 106 Milliarden?

Am Ende könnte Michael Kemmer Recht behalten. Der Präsident des deutschen Bankenverbands offenbarte am Freitag in einem Fernsehinterview, welche Belastungen er aus der Beteiligung am Rettungspaket erwartet: "Ich glaube, es ist verkraftbar."

Mit Material von Reuters und dpa-AFX

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insgesamt 128 Beiträge
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1. Ackermann
simieto 22.07.2011
Was hat ein Banker bei dem Krisengipfel verloren? Ach ja, der regiert ja Deutschland. Die Politkasper in Berlin hängen an seinen Fäden.
2. Michel, rechne mal nach …
wika 22.07.2011
War aber doch klar, oder? Das mehr als ein Feigenblatt von den Banken nicht kommen wird. erinnern sie sich an den Zweck der Banken. Hier geht es darum Geld zu horten und zu vermehren und nicht zu verbrennen, den Luxus kann und darf sich nur der Pöbel leisten und unsere Kanzlerine exekutiert Volkes Wille zur Geldverbrennung … so in etwa jedenfalls, sie fühlt sich ja dazu legitimiert. So bitte den Kindern dies hier mit auf den Weg geben: *„Wir berechnen und bauen einen Rettungsschirm aus Euro-Münzen“*, der ist viel härter und größer als man zunächst vermutet hatte. Je nach Gesataltung kommen wir weit über den Mond hinaus … erreichen die übrigen Planeten oder spannen ihn halt über Europa (http://qpress.de/2011/07/21/eu-rettungsschirm-berechnung-in-euro-munzen/). Je nach Vorstellungskraft lassen sich da noch ganz andere und schwergewichtige, grundsolide Mechanismen mit der Münzmathematik darstellen. Also Michel … pack zu … und lern was fürs Leben(°!°)
3. .
herbstfrau, 22.07.2011
Hat irgendeiner etwas anderes erwartet??
4. Statt Opfer sollte man von kleiner Strafzahlung sprechen
alterknacker 22.07.2011
Die Wirtschaft- und Finanzkrise hat wie der Sensenmann gewütet, das Heulen und Zähneklappern war weltweit zu hören und in Deutschland sie die eigentlichen Buh-Männer als Systemrelevant markiert worden (fehlt eigentlich nur noch das Bundesverdienstkreuz). Ackermann und Konsorten (oder sollte man besser sagen: Kohorten des Kapitals?) sind natürlich nicht zufrieden und Maulen jetzt rum. Hier der wichtige Rest: http://tinyurl.com/3u7sw6f
5. opferchen
Tuxeedo 22.07.2011
Opferchen? Nicht mal das. Professor Reifner von der Uni Hamburg drückt es treffender aus, wenn er meint, es sei schwer zu akzeptieren, dieses Paket als Bankenbeteiligung zu verkaufen, viel eher handle es sich um ein Bankenrettungspaket.
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Milliarden für Griechenland - Die Ergebnisse des Euro-Gipfels
Neue Kredite
Griechenland soll vom europäischen Krisenfonds für wackelnde Eurostaaten (EFSF) Kredite zu niedrigen Zinssätzen von rund 3,5 Prozent bekommen. Die Laufzeiten der Kredite sollen von bisher siebeneinhalb Jahren auf 15 bis 30 Jahre gestreckt werden. Ein umfangreiches Wachstums- und Investitionsprogramm soll Griechenland in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission wieder auf die Beine bringen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird angehalten, sich am Hilfsprogramm zu beteiligen. Auch die Laufzeiten der Kredite aus dem bereits existierenden Rettungsprogramm von 2010 sollen deutlich verlängert werden.
Einbeziehung von Banken
Der Finanzsektor wird sich auf freiwilliger Basis mit einer Reihe von Optionen an der Rettung Griechenlands beteiligen. Der Nettobeitrag der Banken soll bei 37 Milliarden Euro liegen - für die Zeit von jetzt bis 2014. Zusätzlich wird ein Betrag von 12,6 Milliarden Euro genannt für ein Schuldenrückkaufprogramm. Legt man den Zeitraum von 2011 bis 2019 zugrunde, beträgt der Nettobeitrag des privaten Sektors laut Abschlusserklärung 106 Milliarden Euro.
Neue Aufgaben für Krisenfonds
Der EFSF-Fonds bekommt neue Aufgaben. Er kann künftig zum Ankauf von Staatsanleihen genutzt werden - aber unter strikten Bedingungen. Zudem soll der Rettungsfonds vorbeugende Programme für Wackelkandidaten im Eurogebiet auflegen dürfen. Der EFSF wird nicht aufgestockt.
Irland/Portugal
Auch für Portugal und Irland, die ebenfalls von milliardenschweren Hilfsprogramm der Partner profitieren, sollen die Ausleihbedingungen des EFSF gelten.
Budgetdefizite
EU-weit sollen Budgetdefizite bis 2013 möglichst auf unter drei Prozent gedrückt werden. Das Sparpaket Italiens, mit dem dies bis 2012 erreicht werden soll, fand lobende Worte. Ebenso wurden die Reformanstrengungen von Spanien begrüßt.
Banken-Stresstest
Für durchgefallene Banken sollen die Euro-Länder entsprechende Auffangmaßnahmen bereitstellen.
Mehr wirtschaftliche Koordination
Bei der geplanten Wirtschaftsregierung machen die Staats- und Regierungschefs Druck: Die seit Anfang Juli amtierende polnische EU-Präsidentschaft hat den Auftrag, die festgefahrenen Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament voranzubringen.
Weniger Macht für Rating-Agenturen
Die Regierungschefs sind sich einig, dass die Macht der Rating-Agenturen eingedämmt werden muss. Vorschläge der Kommission zum Umgang mit den Agenturen werden erwartet. Außerdem wollen die Europäer eine eigene international bedeutende Rating-Agentur etablieren.
Besseres Krisenmanagement
In der Euro-Zone soll das Krisenmanagement verbessert werden. Bis Oktober sollen EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, konkrete Vorschläge machen.

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