Trotz faktischer Pleite Investoren leihen Griechenland immer noch Geld

Praktisch ist Griechenland pleite, doch das Land hat sich erneut Geld am Kapitalmarkt beschafft. Investoren liehen der Regierung für gut sechs Monate 1,6 Milliarden Euro. Das geht nur dank der hilfswilligen griechischen Banken.

Bezahlszene auf einem Markt in Athen: Noch haben die Banken Geld
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Bezahlszene auf einem Markt in Athen: Noch haben die Banken Geld


In Brüssel läuft den Euro-Mitgliedsstaaten im Schuldenstreit mit Griechenland die Zeit davon. Doch das Land hat sich im Kampf gegen die offizielle Pleite selbst noch einmal etwas Luft verschafft und sich kurzfristig frisches Geld am Kapitalmarkt besorgt. Dazu wurden erneut sogenannte T-Bills verkauft. Das sind Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit.

Wie der griechische Rundfunk unter Berufung auf die Schuldenagentur PDMA am Mittwoch berichtete, konnten insgesamt 1,625 Milliarden Euro für 26 Wochen in Form kurzlaufender Staatspapiere aufgenommen werden. Die Rendite der versteigerten Papiere lag - wie bei einer vergleichbaren Auktion im Vormonat - bei 2,97 Prozent.

Athen hat sich das Geld geliehen, weil es am 10. Juli zwei Milliarden Euro Schulden zurückzahlen muss. In der griechischen Finanzpresse wird damit gerechnet, dass das restliche Geld an diesem Donnerstag in die Staatskasse fließt. Denn dann dürfte Athen wie üblich im Rahmen eines gesonderten Verfahrens zusätzliche Wertpapiere versteigern.

Käufer der kurzfristigen Anleihen sind in erster Linie Banken, an die am 10. Juli eine auslaufende Schuldverschreibung zurückgezahlt werden müsste. Sie verzichteten aber auf die Auszahlung und erneuerten stattdessen ihre Position, indem sie die neuen Geldmarktpapiere zeichneten. Die Auktion war 1,3-fach überzeichnet.

Dass die griechischen Banken überhaupt noch überleben, liegt an den Nothilfen (sogenannte Ela) der Europäischen Zentralbank. Diese gibt der griechischen Zentralbank einen Rahmen vor, in dessen Umfang sie die Banken des Landes weiter flüssig halten kann.

Für Griechenland ist es deshalb so wichtig, die Schulden bei den privaten Banken zu bedienen, da sonst die großen Ratingagenturen einen Zahlungsausfall und damit die Pleite des Landes feststellen würden. Solange Staat und Banken den Kreislauf aus auslaufenden und neuen Krediten aufrechterhalten können, wird die Pleite nach den Maßstäben der Ratingagenturen hinausgezögert.

mmq/Reuters/dpa

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fritzyoski 08.07.2015
1. Investoren?
"Investoren liehen der Regierung für gut sechs Monate 1,6 Milliarden Euro." Richtig heissen muesste es: Investoren SCHENKEN der Regierung für gut sechs Monate 1,6 Milliarden Euro. Merke, schenken ist nicht investieren. Aber trotzdem eine nette Geeste der "Investoren".
joes.world 08.07.2015
2. Linke Revolutionäre haben immer zuerst die bestehende Ordnung zerschlagen.
Bevor sie ihr neues System darauf aufbauten. Schlag nach bei Marx, Engels, Lenin, Mao. In dieser Tradition sieht sich die linke Syriza. Und was gerade geschieht ist, dass sie die bisherige Ordnung der EU völlig zerschlägt. Übrigens mit Ansage, denn Tsipras sprach davon, dass die EU ihren Weg gehen sollte. Die Syriza brachte die Mächtigen der EU dazu, deren Gesetze zu brechen. Selbstredend auch die ungeschriebenen. Wie nun eben Geld der EZB, mit dem der Staat sich weiter finanziert. Via den eigenen Banken. Etwas, das eigentlich nicht vorgesehen ist. In der bisherigen EU. Aber diese EU will ja Tsipras nicht mehr. Und hier setzt er wieder Taten, sie in der jetzigen Form zu zerstören. Die EU muss ziemlich verkrustet sein, und von Leuten federführend geleitet werden, die da völlig falsch am Platz sind. Damit so etwas überhaupt möglich ist. Dazu gehört - leider - auch die D-Kanzlerin. In der eigenen Partei unangefochten, weil mögliche Konkurrenten von Format nie in hohe Positionen vorrücken durften. Vom Volk geliebt, weil es denkt: Wer so wenig sagt, kann ja nichts falsch machen. Und wer Sternsinger empfängt und Schulkinder besucht - muss ein guter Mensch sein. Merkel wurde auch von der Journaillie viel zu wenig kritisch hinterfragt. Nur deshalb bekleidet sie nun einen Posten, der ihr zu groß ist. Und es Tsipras gestattet, sein Zerstörungswerk, mit freundlichen Kommentaren von Frau Merkel, weiter voran zu treiben.
licorne 08.07.2015
3. Wir stehen am Abgrund
Lasst uns einen beherzten Schritt nach vorne machen!
CommonSense2006 08.07.2015
4. verbotene Staatsfinanzierung
man sollte vielleicht die letzten drei Mrd Euro nicht auf die Goldwaage legen, aber das ist natürlich verbotene Staatsfinanzierung: Die Geschäftsbanken finanzieren den Staat, kaufen Staatsanleihen und refinanzieren sich bei der Griechischen Zentralbank, die diese Schrottpapiere als "Sicherheit anerkennt und das wird von der EZB "ausnahmsweise" erlaubt, obwohl Griechenland seit einigen Tagen bereits im technischen Default steht, weil es seine Schulden beim IWF nicht bezahlen konnte. Ich hoffe nur, dass wir irgendeinen technischen Weg finden, die von Griechenland aus der heißen Luft produzierten Geldmenge wieder zurückzuverwandeln in heiße Luft... sind doch ein paar Finanz-Voodoo-Magier auf höchsten Ebenen unterwegs, da soltle das eigentlich keine große Schwierigkeit sein, oder?
d.kapferer 08.07.2015
5. Griechische Banken
ist doch klar-sie werden doch Geld weiter von der EU/EZB bekommen-Tsipras will eine andere EU er wartet bis das Kartenhaus zerfällt.
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