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Griechenland-Poker: Tsipras schickt Börsen mit Kampfrede auf Talfahrt

Ministerpräsident Tsipras: "Die Rettungsprogramme haben versagt" Zur Großansicht
REUTERS

Ministerpräsident Tsipras: "Die Rettungsprogramme haben versagt"

Der Griechenland-Streit macht Europas Anleger nervös. Premier Alexis Tsipras hat weitere Finanzhilfen kategorisch abgelehnt, an den Börsen sacken die Kurse ab.

Athen/Frankfurt am Main - Der Schuldenstreit zwischen Griechenland und seinen Gläubigern ist weltweit das Thema an den Finanzmärkten. Nachdem Ministerpräsident Alexis Tsipras die Verlängerung des Hilfsprogramms für sein Land kategorisch abgelehnt hat, starten die Börsen in vielen Ländern mit Verlusten in die Woche.

  • Der Athener Börsenindex fiel um bis zu fünf Prozent.
  • Insbesondere griechische Bankaktien verloren dramatisch an Wert, im Schnitt rund neun Prozent.
  • Die Risikoprämien für zehnjährige griechische Staatsanleihen stiegen zeitweise von 10,4 auf 11,1 Prozent - viel zu hoch, als dass sich das Land auf absehbare Zeit wieder selbst finanzieren könnte.
  • Der Dax Chart zeigen verlor bis zu zwei Prozent.
  • Der europäische Börsenindex EuroStoxx 50 Chart zeigen sackte um bis zu 1,7 Prozent ab.
  • Der französische CAC-40-Index verlor bis zu 1,41 Prozent.
  • Der Londoner FTSE-100-Index verlor zwischenzeitlich rund ein Prozent an Wert.

Tsipras war zuvor mit der Vorstellung seines Regierungsprogramms auf vollen Konfrontationskurs mit seinen Gläubigern gegangen. "Die Rettungsprogramme haben versagt", sagte der Syriza-Chef am Sonntagabend vor dem griechischen Parlament. "Die neue Regierung ist nicht dazu berechtigt, um eine Verlängerung der Programme zu bitten, denn sie kann nicht um eine Verlängerung von Fehlern bitten."

Analysten sind wegen dieser scharfen Rhetorik besorgt. "Die harten Worte der griechischen Regierung machen Anleger nervös", sagte Bond-Experte Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets. "Für einen Kompromiss gibt es keine Anzeichen."

Gary Jenkins, Chef-Anleihestratege von LNG Capital, sagte: "Mit Tsipras' Rede ist die Wahrscheinlichkeit eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone von 35 auf 50 Prozent gestiegen."

Angst vor dem Bank Run

Die Geldeinlagen der Griechen fielen nach Angaben aus der Bankenbranche in Athen offenbar auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch der schweren Finanzkrise. Aus Angst vor einer schlagartigen Verschlechterung der Finanzlage hätten zahlreiche Unternehmen, aber auch einzelne Bürger ihre Geldeinlagen auf das geringste notwendige Maß verringert, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Die Zeitung "Kathimerini" hatte zuvor berichtet, die Geldeinlagen seien erstmals seit Ausbruch der Finanzkrise auf 147 Milliarden Euro gefallen. Der bislang niedrigste Stand der Geldeinlagen war im Juni 2012 mit etwa 150 Milliarden Euro erreicht worden.

ssu/dpa/Reuters

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insgesamt 214 Beiträge
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1. Wann wird diese nun schon Jahre andauernde Hängepartie endlich beendet ?
dissi_dent 09.02.2015
Es hat sich nun doch in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die Alimentierung Griechenlands nur zu hoher Arbeitslosigkeit in Griechenland und innereuropäischem Zwist führt. Wann werden die verantwortlichen Politiker dies endlich erkennen und Griechenland gestatten sich von dem Joch des EURO zu befreien. Dafür wurde die Syrizia letztlich gewählt. Dann müssten zwar die Forderungen abgeschrieben werden (was ein ordentlicher Kaufmann ohnehin längst getan hätte), aber besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
2. Die Hilfsprogramme haben versagt?!
joe49 09.02.2015
Einfach ausgedrückt haben die griechischen Regierungen versagt, die mit den Hilfsgeldern nicht dem Staat mit seinen Bürgern sondern den Banken geholfen haben. Wenn die Bürger Griechenlands erkannt haben, dass Tsirpas heiße Luft erzeugt und Griechenland neben der Isolation ins totale Chaos führt, wird das Militär die Macht übernehmen. Kaum auszudenken was dann mit Europa passiert.
3. Macht, was ich will
Bondurant 09.02.2015
sonst bringe ich mich um.
4. Soll er doch machen!
mghi 09.02.2015
Wegen mir kann Griechenland auch noch 10 Mrd. Nazientschädigung bekommen; dies wird einfach mit den nicht bezahlten Schulden nach Austritt aus der Euro-Zone verrechnet und fertig ist die Sache. Im Ernst: Es spricht die Verzweiflung aus seiner Rede, was sonst. Da wäre es angebracht bis Ende Mai oder 100 Tage zu warten, um ihm die Chance zu geben, das korrupte System seines Landes zu zerschlagen. Das ist ja das eigentliche Wahlversprechen; die Umsetzung würde allen nutzen (auch uns). Wenn dies bis Ende Mai nicht erkennbar sein sollte, verfahre man wie oben beschrieben.
5. Soll er doch machen!
mghi 09.02.2015
Wegen mir kann Griechenland auch noch 10 Mrd. Nazientschädigung bekommen; dies wird einfach mit den nicht bezahlten Schulden nach Austritt aus der Euro-Zone verrechnet und fertig ist die Sache. Im Ernst: Es spricht die Verzweiflung aus seiner Rede, was sonst. Da wäre es angebracht bis Ende Mai oder 100 Tage zu warten, um ihm die Chance zu geben, das korrupte System seines Landes zu zerschlagen. Das ist ja das eigentliche Wahlversprechen; die Umsetzung würde allen nutzen (auch uns). Wenn dies bis Ende Mai nicht erkennbar sein sollte, verfahre man wie oben beschrieben.
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,063 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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