Ex-Finanzminister Varoufakis sieht Griechenland noch nicht als gerettet an

An diesem Montag läuft das Hilfsprogramm für Griechenland aus. Laut der Euro-Gruppe kann das Land finanziell wieder auf eigenen Beinen stehen. Der ehemalige Finanzminister Varoufakis ist hingegen skeptisch.

Yanis Varoufakis (März 2017)
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Yanis Varoufakis (März 2017)


Euro-Gruppen-Chef Mario Centeno hat sich zuversichtlich gezeigt, dass Griechenland ohne weitere Hilfsprogramme finanziell auf eigenen Beinen stehen kann. Ziel der Rettungsmaßnahmen und Reformen der vergangenen acht Jahre sei eine neue Grundlage für gesundes Wirtschaftswachstum gewesen, erklärte Centeno in der Nacht zu Montag. "Es hat viel länger gedauert als gedacht, aber ich glaube, wir haben es geschafft." Die griechische Wirtschaft wachse, es gebe Haushalts- und Handelsüberschüsse, und die Arbeitslosigkeit sinke stetig.

Am Montag endet das vorerst letzte Hilfsprogramm für Athen. Seit 2010 hatten die EU-Partner und der Internationale Währungsfonds das überschuldete Euro-Land mit insgesamt 289 Milliarden Euro an vergünstigten Krediten vor der Staatspleite bewahrt. Im Gegenzug musste Athen harte Reformen, Sozialkürzungen sowie Steuererhöhungen durchsetzen und sich verpflichten, daran festzuhalten.

"Griechenland steht am selben Punkt"

Aus Sicht des ehemaligen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis ist das Land aber auch nach dem Auslaufen des dritten Rettungspakets noch nicht gerettet. "Griechenland steht am selben Punkt, im gleichen schwarzen Loch und es versinkt jeden Tag tiefer darin. Auch, weil die Sparvorgaben der Gläubiger Investitionen und den Konsum behindern", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Die Staatsschulden seien nicht weniger, sondern mehr geworden: "Wir haben jetzt nur mehr Zeit, um noch mehr Schulden zurückzuzahlen", sagte Varoufakis. Der Staat sei aber noch immer pleite, die privaten Leute seien ärmer geworden, Firmen gingen noch immer bankrott und das Bruttosozialprodukt sei um 25 Prozent gesunken.

Varoufakis war im Juli 2015 nach rund einem halben Jahr im Amt zurückgetreten, um Verhandlungen mit den Gläubigern zu erleichtern. Zuvor hatten die Griechen in einem Referendum die Sparvorgaben der internationalen Geldgeber abgelehnt.

Nach Einschätzung des Bundesverbands der Deutschen Industrie ist Griechenland als Markt wieder interessant geworden. "Das gute Ende der europäischen Hilfsprogramme ist ein positives Signal für Griechenland selbst und die EU insgesamt", sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang der "Rheinischen Post". Strukturreformen hätten das Wirtschaftswachstum belebt. Allerdings seien längst noch nicht alle Probleme gelöst. "Die griechische Regierung muss sich nun gezielt den Defiziten in Verwaltung, Justiz, den Arbeits- und Produktmärkten widmen."

aar/dpa/Reuters/AFP

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padberx 20.08.2018
1. Das war zu erwarten ...
Es hätte mich jetzt auch wirklich sehr überrascht, wenn der PR- und selbstverliebte Provokateur nachträglich eingestanden hätte, dass er mit seiner Argumentation damals falsch lag. Die Reformen zur Korrektur der Exzesse der Vergangenheit waren sicher schmerzhaft, aber unvermeidlich. Ich freue mich vor allem für die Griechen, dass sie das eingesehen und den richtigen Weg eingeschlagen haben. Vor allem die junge Generation, um deren Zukunft es beim Thema unkontrollierter Staatsschuldenanhäufung geht, wird es langfristig hoffentlich zu schätzen wissen.
quark2@mailinator.com 20.08.2018
2.
Das Frustrierende an dieser Art Artikel ist die Faktenlosigkeit. Wie hoch ist die Verschuldung, was bedeutet das pro Monat, wieviel kommt im Monat rein, etc. etc. Varoufakis wäre locker in der Lage, seine Einschätzung sachlich zu verargumentieren. Und natürlich könnte das griechische Finanzministerium auch die Gegenposition sachlich vertreten. Dann hätte der Leser echte Informationen, nicht nur Meinungen.
tinnytim 20.08.2018
3.
Zitat von quark2@mailinator.comDas Frustrierende an dieser Art Artikel ist die Faktenlosigkeit. Wie hoch ist die Verschuldung, was bedeutet das pro Monat, wieviel kommt im Monat rein, etc. etc. Varoufakis wäre locker in der Lage, seine Einschätzung sachlich zu verargumentieren. Und natürlich könnte das griechische Finanzministerium auch die Gegenposition sachlich vertreten. Dann hätte der Leser echte Informationen, nicht nur Meinungen.
Da haben Sie schon recht, mit Varoufakis wäre auch ein fachliches Interview möglich gewesen, aber grundsätzlich sind seine Zahlen auch in seinen Veröffentlichungen zu finden. Tatsächlich ist sogar der IWF darauf umgeschwenkt, dass bei der Rettung vieles schlecht gelaufen ist und dass ein teilweiser Schuldenschnitt immer noch nötig ist. https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sparmassnahmen-in-griechenland-iwf-uebt-sich-in-selbstkritik-1.1689643 https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schuldenkrise-iwf-erneuert-forderung-nach-geringerer-schuldenlast-fuer-griechenland-1.3597575
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