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07. Mai 2012, 12:21 Uhr

Wahlausgang

Griechische Aktien stürzen ab

Der Wahlausgang in Griechenland und Frankreich sorgt für Aufregung an den Finanzmärkten: Wegen der schwierigen Regierungsbildung in Athen rutschte die Börse des Landes deutlich ins Minus. Auch die anderen europäischen Indizes verlieren.

Athen - Griechenland droht erneut zum Brandherd in der europäischen Schuldenkrise zu werden - und versetzt Börsianer in große Sorge: Der Aktienmarkt in Athen ist nach den Wahlen im eigenen Land und in Frankreich am Montag deutlich abgesackt. Der Leitindex Athex Composite Share Price Index büßte mehr als sieben Prozent an Wert ein. Der FTSE/ASE 20 - der die 20 größten börsennotierten Unternehmen des Landes enthält - brach sogar um mehr als neun Prozent ein. Damit markierte er den tiefsten Stand seit Oktober 2008.

Am schlimmsten traf es die griechischen Finanzwerte, die prozentual zweistellige Kursverluste erlitten. In Frankreich gab der wichtige Cac 40 um mehr als ein Prozent nach. In Deutschland fiel der Leitindex zeitweise um mehr als zwei Prozent. Später erholten sich die Kurse wieder: Am frühen Nachmittag notierte der Dax 0,6 Prozent im Minus.

Vor allem die sehr schwierige Regierungsbildung in Athen belastete. Die Wahl des Sozialisten François Hollande zum neuen französischen Präsidenten war hingegen von den Märkten bereits erwartet worden. Insgesamt dürfte der Kampf gegen die Schuldenkrise schwieriger werden.

In Griechenland können Konservative und Sozialisten nicht alleine regieren. Zusammen hätten sie zwar eine knappe Mehrheit im Parlament, aber diese gilt als äußerst wackelig. Bisher hat sich noch keine weitere Partei bereit erklärt, eine mögliche neue Regierung zu bilden. "Im neuen griechischen Parlament gibt es keine Mehrheit mehr für den mit IWF und EU vereinbarten Konsolidierungskurs", sagte Commerzbank-Experte Christoph Weil. Für eine Regierungsmehrheit wird nun mindestens eine der kleineren Parteien benötigt. "Doch dies wird nicht ohne Abstriche beim Konsolidierungsprogramm gehen", so Weil.

Die Bundesregierung jedoch pocht auf die Einhaltung des international vereinbarten Reformprogramms in dem pleitebedrohten Land. "Es muss bei den Vereinbarungen bleiben, das ist der beste Weg", sagte der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Steffen Seibert. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums ergänzte: "Die Verträge mit Griechenland sind geschlossen und gelten."

Steigende Renditen

Auch an den Anleihemärkten zeigte sich die Verunsicherung. Besonders deutlich war die Reaktion in Griechenland, wo die Rendite für Zehnjahrespapiere um fast zwei Prozentpunkte auf zeitweise mehr als 22 Prozent stieg. Auch in Italien und Spanien stiegen die Risikoaufschläge.

Stark unter Druck geriet auch der Euro. Der Kurs der Gemeinschaftswährung fiel im asiatischen Handel zeitweise bis auf 1,2962 Dollar, nachdem er am Freitag noch deutlich über der Marke von 1,31 Dollar notiert hatte. Zuletzt erholte sich der Euro jedoch etwas und wurde mit 1,3011 Dollar gehandelt.

Belastend für den Bankensektor wirkte sich laut Marktbeobachtern auch ein Bericht des "Wall Street Journal" (WSJ) aus. Demnach horten europäische Banken immer mehr Geld bei den Zentralbanken. Dies deute darauf hin, dass die Eiszeit an den Interbankenmärkten wieder anbreche, hieß es.

Die Unsicherheit an den Märkten dürfte zunächst bestehen bleiben. Während sich in Griechenland noch keine handlungsfähige Regierung abzeichnet, geht in Frankreich der Wahlkampf weiter. Im Juni stehen dort die wichtigen Parlamentswahlen an. Erst nach diesen Wahlen dürfte klar sein, wie es in Frankreich in der Wirtschafts- und Europapolitik weiter geht.

yes/Reuters/dpa

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