Griff ins Regal Ladendiebstahl kostet Einzelhandel Milliarden

Dessous, CDs oder Zigaretten: Ladendiebe klauen alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Der Schaden, den sie damit anrichten, ist gewaltig. 2010 summierte er sich auf 1,9 Milliarden Euro.

Frau im Supermarkt: Bei jedem 200. Einkauf passiert Diebesgut die Kasse
dapd

Frau im Supermarkt: Bei jedem 200. Einkauf passiert Diebesgut die Kasse


Köln - Hier ein schneller Griff ins Süßwarenregal, dort ein Paar Jeans in die Tasche gestopft: Im deutschen Einzelhandel sind im vergangenen Jahr Waren im Wert von 3,7 Milliarden Euro verschwunden - fast ein Prozent des Gesamtumsatzes. Das ergab eine Studie des Handelsforschungsinstituts EHI in Köln. Für seine Studie zum Ladendiebstahl im Handel hat das EHI 88 Handelsunternehmen mit insgesamt 15.000 Filialen befragt.

Ladendiebe verursachten mehr als die Hälfte des entstandenen Schadens. Laut der Studie klauten sie Waren im Wert von 1,9 Milliarden Euro. Weitere 22,4 Prozent der Inventurverluste gehen auf kriminelle Mitarbeiter zurück. Auch Lieferanten oder Reinigungspersonal langen zu - ihnen werden 9,3 Prozent der Diebstähle im Einzelhandel angelastet. 16,7 Prozent der Verluste kommen durch Buchungsfehler zustande.

Besonders schlimm ist die Kriminalität im Lebensmittelhandel. Rechnerisch passiert hier jeder 200. Einkaufswagen mit Diebesgut die Kasse. Der durchschnittliche Warenwert pro Diebstahl liegt laut EHI bei 65 Euro. Beliebte Beute sind kleine, aber vergleichsweise teure Artikel wie Rasierklingen, Kosmetik, Zigaretten oder Batterien. "Vor allem in Drogerien werden manchmal mit einem Griff fünf oder zehn Packungen abgeräumt, das ist dann gleich ein hoher Schaden", sagt Frank Horst, Leiter des Bereichs Inventurdifferenzen beim EHI. In Bekleidungshäusern werden vor allem Jeans und Dessous entwendet, im Elektronikhandel sind es Konsolenspiele und CDs.

Nach Angaben des Handelsverbands HDE gibt es drei verschiedene Typen von Ladendieben: Gelegenheitsdiebe, Drogenabhängige, die mit Kriminalität ihre Sucht bezahlen, und organisierte Banden. "Letztere machen uns die größten Sorgen", sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. "Solche Banden haben sich auf hochwertige Waren wie Schmuck, Parfüm oder Lederjacken spezialisiert, die sie dann auf dem Schwarzmarkt weiterverkaufen." Diese Profi-Täter dächten sich immer neue Tricks aus - und der Handel versuche dagegenzuhalten.

Rezepte gegen Ladendiebstahl: Kameras, Detektive und Schulungen

Videokameras, Warensicherungssysteme und Detektive: Solche Sicherheitsmaßnahmen lässt der Handel sich jährlich rund 1,2 Milliarden Euro kosten. Als Folge von Warendaten-Analysen platziert man Produkte, die häufig geklaut werden, nun an besser beobachteten Stellen im Laden. In manchen Innenstädten patrouillieren Wachleute, die von der Händlergemeinschaft bezahlt werden.

Als wichtigstes Mittel im Kampf gegen Diebe gilt aber die Schulung der Mitarbeiter. "An der Supermarkt-Kasse auf typische Verstecke achten, im Bekleidungsgeschäft die Kunden fragen, ob man ihnen helfen kann - solche Dinge sind oft schon sehr effektiv", sagt Horst. Auf die notwendige Auffrischung der Schulungen werde bei einigen Unternehmen allerdings aus Zeit- und Kostengründen verzichtet. "Da könnten manche noch mehr tun."

Die Gegenmaßnahmen der Händler scheinen erste Wirkungen zu zeigen: Im Vergleich zu 2009 sind die Verluste durch Diebstahl im Einzelhandel um etwa fünf Prozent zurückgegangen - so deutlich wie noch nie.



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insgesamt 12 Beiträge
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cokommentator 07.06.2011
1. Falscher Titel
Der Aufhänger des Artikels ist ja schon falsch. Den Einzelhandel kostet der Ladendiebstahl doch keine Milliarden. Es sind die Kunden, die dafür gerade stehen müssen. Sie bezahlen den Schaden. Zumindest den Teil, der nicht durch Versicherungen abgedeckt ist. Aber auch hierfür zahlt letztlich der Kunde. Oder glaubt jemand die Konzerne würden auf ihre Gewinne zugunsten der Ladendiebe verzichten?
Flari 07.06.2011
2. Nö..
Zitat von cokommentatorDer Aufhänger des Artikels ist ja schon falsch. Den Einzelhandel kostet der Ladendiebstahl doch keine Milliarden. Es sind die Kunden, die dafür gerade stehen müssen. Sie bezahlen den Schaden. Zumindest den Teil, der nicht durch Versicherungen abgedeckt ist. Aber auch hierfür zahlt letztlich der Kunde. Oder glaubt jemand die Konzerne würden auf ihre Gewinne zugunsten der Ladendiebe verzichten?
Es gibt keine Versicherung gegen Ladendiebstahl! Insgesamt muss so ein Verlust natürlich kalkuliert und eingepreist werden. Das geht allerdings nur statistisch über den gesamten Einzelhandel. Ein überdurchschnittlich betroffener Einzelhändler kann das aber z.B. nicht, weil er dann ggf. zu teuer ggeüber der Konkurrenz ist. Ausserdem halte ich das für Wortklauberei.
sagmalwasdazu 07.06.2011
3. Hhmmh , eine Tätergruppe völligst "vergessen" ??
Zitat: ...Nach Angaben des Handelsverbands HDE gibt es drei verschiedene Typen von Ladendieben: Gelegenheitsdiebe, Drogenabhängige, die mit Kriminalität ihre Sucht bezahlen, und organisierte Banden. "Letztere machen uns die größten Sorgen", sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. "Solche Banden haben sich auf hochwertige Waren wie Schmuck, Parfüm oder Lederjacken spezialisiert, die sie dann auf dem Schwarzmarkt weiterverkaufen." ... ......Weitere 22,4 Prozent der Inventurverluste gehen auf kriminelle Mitarbeiter zurück. Auch Lieferanten oder Reinigungspersonal langen zu - ihnen werden 9,3 Prozent der Diebstähle im Einzelhandel angelastet. 16,7 Prozent der Verluste kommen durch Buchungsfehler zustande die "Buchungsfehler " räumt dann wohl die Filialleiterkaste ab ? ! Wie beim Trucker : Ein Rad fährt immer für den Fahrer! so what ? Mit keiner Silbe sind die Filialleiter erwähnt !- Zufall ?
sternfalke77, 07.06.2011
4. Nebenverdienste ....
Zitat von sagmalwasdazuZitat: ...Nach Angaben des Handelsverbands HDE gibt es drei verschiedene Typen von Ladendieben: Gelegenheitsdiebe, Drogenabhängige, die mit Kriminalität ihre Sucht bezahlen, und organisierte Banden. "Letztere machen uns die größten Sorgen", sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. "Solche Banden haben sich auf hochwertige Waren wie Schmuck, Parfüm oder Lederjacken spezialisiert, die sie dann auf dem Schwarzmarkt weiterverkaufen." ... ......Weitere 22,4 Prozent der Inventurverluste gehen auf kriminelle Mitarbeiter zurück. Auch Lieferanten oder Reinigungspersonal langen zu - ihnen werden 9,3 Prozent der Diebstähle im Einzelhandel angelastet. 16,7 Prozent der Verluste kommen durch Buchungsfehler zustande die "Buchungsfehler " räumt dann wohl die Filialleiterkaste ab ? ! Wie beim Trucker : Ein Rad fährt immer für den Fahrer! so what ? Mit keiner Silbe sind die Filialleiter erwähnt !- Zufall ?
... erst wegbuchen , dann wegschaffen , sodaß der Bestand wieder korrekt ist .;) Die Aushilfskräfte und 400 Eurojobber trauen sich den griff in die Regale wohl eher weniger . Das mit den "organisierten Dieben " ist aber Realität .
olm 07.06.2011
5. 1,2 Mrd und nützt nix
Ich bekomme allmählich selber ein Bild davon, wie einfach es ist zu klauen. Zum einen muss man nur dreist genug sein. Ich denke da an Warenständer mit Lederartikeln oder ähnlichem, die sich zwei Meter außerhalb des Ladens befinden. Eine andere Sache sind versehentliche Diebstähle. Es ist mir hin und wieder passiert, dass ich einige Artikel nicht bezahlt habe, weil sie sich noch zwischen Getränkekisten, Einkaufstaschen oder anderes im Einkaufwagen befanden. Aufschlussreich war auch die Situation als Geld aus unserem Kinderwagen geklaut wurde. Trotz etlicher Kameras im Einkaufscenter gab es keinerlei Viedeoaufzeichnungen. Sind die Kameras am Ende doch nur Attrappen oder fehlt das Geld für eine große Festplatte?
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