Hamburg - Die Deutsche Bank ist wegen mehrerer Verfahren ins Visier von Staatsanwälten geraten. Das ruft nun auch Aktionäre des Geldhauses auf den Plan. Sie stellen in Frage, ob die Co-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain angesichts immer neuer Vorwürfe die nötigen Veränderungen in der Bank umsetzen können. "Wir erwarten von Aufsichtsratschef Paul Achleitner bei der Hauptversammlung im Frühjahr eine Bestandsaufnahme, ob es dem Vorstand gelungen ist, den angekündigten Kulturwandel voranzutreiben", sagte Hans-Christoph Hirt, Manager des britischen Pensionsfonds und Deutsche-Bank-Aktionärs Hermes dem SPIEGEL.
Zwar gehe es bei der möglichen Verstrickung in den betrügerischen Handel mit CO2-Zertifikaten wie auch bei anderen juristischen Verfahren um Vergangenheitsbewältigung. "Doch das Management muss sicherstellen, dass unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten zweifelhafte Geschäftspraktiken künftig nicht mehr möglich sind", so Hirt.
Die Staatsanwaltschaft hat in den vergangenen Tagen gleich zweimal die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt durchsucht. Die Ermittler waren unter anderem auf der Suche nach Hinweisen auf einen externen Tippgeber, der Mitarbeiter des Konzerns im April 2010 vor einer bevorstehenden Razzia gewarnt hatte. Das BKA war schon im Januar auf einen Händler der Deutschen Bank zugegangen und hatte Unterlagen zu den umstrittenen CO2-Geschäften angefordert. Der gleiche Händler warnte wenige Monate später einen Hausjuristen der Bank vor der damaligen Durchsuchung.
Insgesamt wird gegen 25 Mitarbeiter der Bank ermittelt, darunter auch Fitschen und Finanzchef Stefan Krause. Fünf Mitarbeiter waren bei der ersten Razzia vorläufig festgenommen worden. Mittlerweile sind alle wieder auf freiem Fuß. Es gebe keine Gefahr der Verdunkelung mehr, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Günter Wittig. Die Ermittlungen liefen mit Hochdruck weiter.
Verdacht auf Falschaussage im Kirch-Prozess
Bei der zweiten Razzia suchten die Staatsanwälte nach Beweisen in einem anderen Verfahren. Es geht um den Vorwurf des Prozessbetrugs gegen ehemalige Top-Manager der Bank. Gegen Ex-Bankchef Josef Ackermann, Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig und den ehemaligen Personalvorstand Tessen von Heydebreck wird wegen des Verdachts auf Falschaussage im Kirch-Prozess ermittelt.
Laut "Süddeutscher Zeitung" stießen die Fahnder bei der ersten Durchsuchung auf Akten mit der Aufschrift "Kirch". Diese sollen die Beamten dann bei der zweiten Razzia sichergestellt haben. Dabei handele es sich um E-Mails, die seit November 2011 hinzugekommen sind, sowie um Akten, die bei der Durchsuchung vor einem Jahr übersehen worden seien.
Mitte Dezember hatte das Oberlandesgericht München die Deutsche Bank zu Schadensersatz an die Kirch-Erben verurteilt. Bis zu 1,5 Milliarden Euro muss das Geldhaus schlimmstenfalls zahlen, weil Ex-Chef Rolf-Ernst Breuer sich 2002 in einem Interview skeptisch über den Zustand des Kirch-Imperiums geäußert hatte. Nach Ansicht des Oberlandesgerichts hat der Manager die Pleite des Konzerns damit mitverursacht.
cte/Reuters
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