Knappes Wahlergebnis Wirtschaft befürchtet längere Brexit-Verhandlungen

"Das ist nicht das Ergebnis, auf das Investoren gehofft haben", heißt es nach der Wahl in Großbritannien. Wirtschaftsvertreter erwarten, dass sich die Verhandlungen über den EU-Austritt verzögern. Das Pfund sackt ab.

Bankenviertel in London
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Bankenviertel in London


Angesichts des knappen Wahlergebnisses bei den britischen Unterhauswahlen gehen Wirtschaftsvertreter von einer Verzögerung der Brexit-Verhandlungen aus. "Die Märkte stellen sich nun darauf ein, dass die Verhandlungen für den Brexit erschwert werden", sagte Chef-Wirtschaftsberater der Allianz Chart zeigen, Mohamed El-Erian.

Aus Sicht vieler Unternehmen ist eine solche Verzögerung problematisch, da sie die Entscheidung über künftige Investitionen erschwert. "Wir können die Notwendigkeit einer schnellen und entschiedenen Politikausrichtung nicht genug betonen", sagte der Chef des Automobilherstellers Aston Martin, Andy Palmer. Dies sei die Voraussetzung dafür, dass Firmen "weiterhin in langfristiges Wachstum investieren und die weltweite Wettbewerbsfähigkeit der britischen Wirtschaft sichern können".

Die Großbank JP Morgan sieht eine gestiegene Wahrscheinlichkeit, dass Großbritannien nach der Wahl eine Verschiebung der Verhandlungen über den EU-Austritt beantragen muss. Die Großbank Citi Chart zeigen bezeichnete es sogar als wahrscheinlich, dass May ihren Rücktritt einreichen wird. Die Frage sei, wie lange sich May als Premierministerin nach diesem Wahlergebnis noch halten könne, sagte der Analyst Michael Hewson von CNMC Markets.

Der sich abzeichnende Verlust der parlamentarischen Mehrheit für Premierministerin Theresa May schickte das britische Pfund auf Talfahrt. Die Währung verbilligte sich zeitweise um bis zu zwei Prozent. Das war der tiefste Stand seit dem 18. April, als May überraschend zu den vorgezogenen Neuwahlen aufgerufen hat. Die Verluste reduzierten sich im Laufe der Nacht jedoch. Am Freitagmorgen kostete die Währung 1,2755 Dollar und lag damit deutlich über dem Tiefstand vom vergangenen Herbst, als das Pfund wegen der Brexit-Unsicherheiten bis auf 1,1841 Dollar abgestürzt war.

"Hung Parliament" droht

"Das ist nicht das Ergebnis, auf das Investoren gehofft haben", sagte der Analyst Naeem Islam vom Brokerhaus ThinkMarkets. "Obwohl May die Wahlen gewonnen hat, hat ihr Gegner Jeremy Corbyn deutlich aufgeholt. Das könnte das Pfund in den nächsten Wochen in Richtung 1,22 Dollar nach unten drücken."

Hochrechnungen zufolge hat May ihre bisherige absolute Mehrheit verloren und kann nur noch mit 314 der 650 Sitze im Parlament rechnen. Damit droht ein "Hung Parliament" und ein politisches Patt.

Andere Währungen blieben vom Wahlergebnis in Großbritannien dagegen relativ unbeeindruckt. Der Euro lag 0,1 Prozent im Minus bei 1,1204 Dollar Chart zeigen. Zum Pfund legte der Euro 1,4 Prozent zu auf 0,8770 Pfund Chart zeigen. Das war der höchste Stand seit fast fünf Monaten.

dab/Reuters/dpa

insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
denker111 09.06.2017
1.
Wenn es nicht das Ergebnis ist, dass sich Investoren erhofft haben, sann ist es genau das Richtige. Für Frau Mey gilt: Wer hoch steigt kann tief fallen.
Mister Stone 09.06.2017
2.
"Das ist nicht das Ergebnis, auf das Investoren gehofft haben" Dann muss es ein gutes Ergebnis für die übrigen Menschen sein, zwangsläufig.
at.engel 09.06.2017
3.
Ganz kann ich die Argumentation nicht nachvollziehen. May wollte auf jeden Fall das Maximum für Großbritannien herausschlagen - was ja extrem lange Verhandlungen bedeutet hätte. Und genau das dürfte sich geändert haben, einfach weil sie jetzt innepolitisch geschwächt ist - und das irgendwie berücksichtigen muss. Was bedeutet, dass die Verhandlungen mindestens genauso lange dauern werden...
danduin 09.06.2017
4. Schrullige Europäer die Engländer
Irgendwie gehören die Engländer durch Ihre Schrulligkeit ja schon zu Europa, auch wenn sie's nicht wahr haben wollen.
kwoik 09.06.2017
5. Schwacher Pfund
Ist doch prima für den Export. Hm was exportiert GB nochmal? Ach ja Devisen hmm dann doch nicht :) Der Brexit ist nunmal schlecht für GB.
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