Mängelliste China stoppt Schweinefüße von Tönnies

Schweinefüße gelten in China als Delikatesse. Für den westfälischen Großschlachter Tönnies war das bisher ein prima Geschäft. Doch nun hat Peking die Lieferungen verboten - und eine Mängelliste nach Deutschland geschickt.

Schweinehälften bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück (Archivbild)
DPA

Schweinehälften bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück (Archivbild)

Von


Den meisten Deutschen dreht sich bei der Vorstellung, die Füße von Schweinen zu essen, wahrscheinlich der Magen um. Hierzulande gelten sie als ziemlich ungenießbar und deshalb auch kaum verkäuflich. Nicht aber in China; dort sind die Pfoten als Delikatesse begehrt.

Zu Hundertausenden schickte der Tönnies-Konzern die Pfoten, die beim Schlachten übrigblieben, deshalb nach Fernost - dazu auch Ohren und Schwarten. China war damit für den Fleischer aus dem westfälischen Rheda-Wiedenbrück der wichtigste Markt nach Deutschland und der EU.

Doch damit ist nun Schluss: Seit Kurzem lässt Peking keine Schweineteile von Tönnies und einem kleineren deutschen Fleischbetrieb mehr ins Land.

Warum, das hat China nun den deutschen Behörden mitgeteilt. In einer Mängelliste begründet Peking das Embargo offiziell mit fehlerhaften Etiketten, in einem Fall auch mit einer verdorbenen Ladung gefrorener Schweineknochen. In zwei weiteren Fällen soll Tönnies in Kisten mit Eisbein und Knorpel andere Schweineteile mitverpackt haben. Mehrfach hat außerdem die Plombennummer des Fleischcontainers nicht zum Gesundheitszertifikat gepasst.

Kleine Mängel mit großen Auswirkungen also? Das ist zumindest zweifelhaft. Dass technische Etikettier-Fehler - ein defekter Drucker soll in einer Handvoll Fällen eine Zahl zu wenig aufgedruckt haben - der wahre Grund für solch ein Embargo sind, gilt unter Branchenkennern als eher unwahrscheinlich.

Auch bei der verdorbenen Lieferung soll es sich laut Tönnies nur um einen Einzelfall gehandelt haben, weil auf dem Seeweg eine Container-Kühlung ausgefallen sei. Die falschen Plombennummern glaubt der Großschlachter ebenfalls leicht erklären zu können: Der deutsche Zoll öffne in Seehäfen stichprobenartig Container, um die Ware zu prüfen, und verplombe sie hinterher wieder. In vier Fällen soll der Hafenbetreiber vergessen haben, die Nummer der neuen Plombe an Tönnies zu melden. Weiter wollte sich das Unternehmen zu den Ursachen der Sperre nicht äußern, die Untersuchungen liefen noch.

Die Branche spekuliert derweil über politische Motive, die mit der Neubesetzung der zuständigen Veterinärbehörde in China zu tun haben könnten. Die Hintergründe in China auszumachen, fällt allerdings schwer. Das Bundeslandwirtschaftsministerium teilt auf Anfrage mit, die Gespräche und der schriftliche Austausch mit den Chinesen liefen noch. Eine Prognose, wie lange die Sperre noch dauern werde, könne man deshalb nicht abgeben.

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.