Schnäppchenportal: Anleger verramschen Groupon-Aktie

Groupon macht 32 Prozent mehr Umsatz und überzeugt die Anleger dennoch nicht. Denn im Vergleich zu früheren Zahlen fiel das Wachstum des Schnäppchenportals mau aus - auch weil das Geschäft in Europa schwächelt. Die Aktie ist nun zum Ramschpreis zu haben.

Groupon-Logo in der Zentrale in Chicago: Sinkendes Vertrauen Zur Großansicht
Getty Images

Groupon-Logo in der Zentrale in Chicago: Sinkendes Vertrauen

Chicago - Etablierte Firmen können von solchen Zahlen nur träumen, doch für die Internetfirma Groupon ist ein Umsatzplus von 32 Prozent schwach. Das einst steile Wachstum des Schnäppchenportals ist im dritten Quartal weiter abgeflaut. Anleger reagierten prompt: Nach Bekanntgabe der Geschäftszahlen brach die Aktie nachbörslich um 15 Prozent auf 3,33 Dollar ein. Das ist ein neuer Tiefstand. Beim Börsengang vor einem Jahr hatte das Papier noch 20 Dollar gekostet.

Groupons Problem: Dem Portal fällt es immer schwerer, neue Kunden für seine Schnäppchen zu begeistern. Während US-Verbraucher und Kanadier noch zuschlugen, stagnierte das internationale Geschäft beinahe. Im dritten Quartal setzte Groupon 569 Millionen Dollar um - das war ein Plus von 32 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Im zweiten Quartal hatte Groupon jedoch noch um 45 Prozent zulegen können und im ersten Quartal sogar um 89 Prozent.

Gewerbetreibende können bei Groupon Rabattcoupons anbieten. Der Deal kommt zustande, wenn eine bestimmte Anzahl von Interessenten zuschlägt. Das Unternehmen erhält dann einen Teil der Einnahmen. Groupon versucht bereits, das Geschäft über die Rabattcoupons hinaus auszuweiten. Das bereitet offenbar vor allem in Europa Probleme. Dort gebe es "anhaltende Herausforderungen", sagte Gründer und Firmenchef Andrew Mason.

Groupon steckt viel Geld in das Aufspüren und Verwalten der Schnäppchen. Immerhin dämmte das Unternehmen seinen Quartalsverlust auf unterm Strich drei Millionen Dollar ein, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Minus von 54 Millionen Dollar aufgelaufen war.

Vertrauen mit Schlamperei verspielt

Schon seit einiger Zeit hegen die Anleger Zweifel daran, dass das Geschäftsmodell überhaupt funktionieren kann. Die Frage ist, ob sich die hohen Kosten für das Aufspüren und die Vermarktung der Schnäppchen rechnen. Zudem machte Groupon mit schlampiger und zweifelhafter Buchführung Schlagzeilen. Das Unternehmen musste bereits Zahlen korrigieren. Bereits im Sommer sollen mindestens vier hochkarätige Investoren dem Unternehmen den Rücken gekehrt und dabei kräftig Kasse gemacht haben.

Einige Groupon-Konkurrenten haben bereits aufgegeben. Amazon Chart zeigen schrieb jüngst fast seine gesamte Investition in den Groupon-Rivalen LivingSocial ab. Groupon galt als Hoffnungsträger unter den Internetfirmen und sogar als Wegbereiter für das soziale Netzwerk Facebook Chart zeigen an den Kapitalmarkt. Auch die Facebook-Aktie hat inzwischen einen enormen Kursverfall hingelegt, wenngleich der Absturz weniger dramatisch ausfiel als bei Groupon.

mmq/dpa-AFX

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 38 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
noalk 09.11.2012
"vor allem in Europa ... gebe es "anhaltende Herausforderungen", sagte Gründer und Firmenchef Andrew Mason." -- Zitatende -- Noch so einer, der diesen widerlichen Euphemismus für das Wort "Probleme" verwendet. Kein Wunder, dass es da nicht klappt.
2. hmmm
Fackus 09.11.2012
Zitat von sysopGroupon macht 32 Prozent mehr Umsatz und überzeugt die Anleger dennoch nicht. Denn im Vergleich zu früheren Zahlen fiel das Wachstum des Schnäppchenportals mau aus - auch weil Europa das US-Unternehmen ignoriert. Die Aktie ist nun zum Ramschpreis zu haben. Groupon legt schwache Zahlen vor und stürzt an Börse ab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/groupon-legt-schwache-zahlen-vor-und-stuerzt-an-boerse-ab-a-866216.html)
Trotz Querlesen in den Links und Wikiartikel (kannste vergessen) - ich kapier das Geschäftsmodell nicht. Irgendwo steht "Für die Firmen ist das im besten Fall eine gute Werbung. Für die Groupons ein gutes Geschäft." So sehe ich das irgendwie auch gerade mal. Nur - warum macht man überhaupt solche Deals mit Groupon, wenn letztlich nur die Gewinn machen? Mir scheint, wenn irgendwo einer eine auch noch so blöde Idee hat, dann wird da massenweise aufgesprungen - Hauptsache neu und Web-aktiv. Nachdenken später dann. So verquer kann man eigentlich kaum denken, was da im Netz alles an Ideen angeboten und sogar vertickt wird. Siehe auch Facebook und Twitter.
3. optional
a.w.e.s.o.m.-o 09.11.2012
Ich habe den vermeintlichen Erfolg von Groupon nie verstanden...ich lade eine neue Bekanntschaft zum Essen ein und zücke ganz stolz meinen Gutschein...schau mal was ich für ein Sparfuchs bin...gehts schäbiger?
4. Groupon
Noctim 09.11.2012
Groupon-Kunden sind nicht an neuen Alternativen interessiert (Essen, Trinken, Ausgehen, Wellness), sondern einzig und allein auf Schnäppchenjagd. Was den einzelnen Betrieben als Werbekampagne angeschwatzt wurde, ist wirtschaftlich oft kaum zu bewältigen. Vor allem, wenn auf einmal 1000 Gäste ein Schnitzel für 4 Euro haben wollen und die Hälfte von diesen schon mickrigen Einnahmen erstmal an den Vermittler geht. Der Kunde hat ebenso das Nachsehen: Er kriegt oft lieblos hingeklatschtes Essen in Mini-Portionen und lustlose Massagen. Eben weil man als Groupon-Kunde das Stigma des geizigen Feilschers hat, der ja eh nur kommt, weil er das Angebot unfassbar günstig erstanden hat. Der einzige Gewinner war lange Zeit nur Groupon selbst. Zum Glück geht das Geschäftsmodell nicht wirklich auf.
5. Etwas beruhigend ...
henryb_de 09.11.2012
Zitat von sysopGroupon macht 32 Prozent mehr Umsatz und überzeugt die Anleger dennoch nicht. Denn im Vergleich zu früheren Zahlen fiel das Wachstum des Schnäppchenportals mau aus - auch weil Europa das US-Unternehmen ignoriert. Die Aktie ist nun zum Ramschpreis zu haben. Groupon legt schwache Zahlen vor und stürzt an Börse ab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/groupon-legt-schwache-zahlen-vor-und-stuerzt-an-boerse-ab-a-866216.html)
das sich angelsächsische "Geschäftspraktiken" nicht ohne weiteres auf Europa übertragen lassen (siehe Starbucks-Meldung vor kurzem). Trotzdem bin ich überzeugt, dass der Verdummungsprozess sich auch in Europa weiter fortsetzen wird ... nur eben nicht in dem Tempo wie es sich Anteilseigner und Investoren wünschen. Dranbleiben, das wird schon. In Europa ist noch einiges zu holen. Viele Grüße
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Groupon
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 38 Kommentare
  • Zur Startseite