Grube im Lobby-Einsatz Wie der Bahn-Chef gegen ein unliebsames Gesetz kämpfte

Rüdiger Grube inszeniert sich gern als der nette Bahn-Chef von nebenan. Doch nun mussten Politiker erleben, wie der Top-Manager auch sein kann: Wenn es um die Interessen des Staatskonzerns geht, kennt er kein Pardon.

Bahn-Chef Grube: "Mehdorn in nett"
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Bahn-Chef Grube: "Mehdorn in nett"


Gefühlt schüttelt Rüdiger Grube an einem Tag mehr Hände, als die Bahn Kunden hat. Wo der Chef des Staatskonzerns auch hinkommt, zeigt er sich stets freundlich, verständnisvoll und jovial. Auch wenn es um die Verantwortung der Bahn für all den Schlamassel von verspäteten Zügen bis zu ausgefallenen Klimaanlagen geht, gibt sich der Top-Manager ganz anders als sein raubauziger Vorgänger Hartmut Mehdorn. Brav lässt Grube immer und überall wissen, die Bahn müsse erst ihre Hausaufgaben machen, bevor sie anderen für irgendetwas die Schuld geben könne.

Doch hinter dieser "Der nette Herr Grube von nebenan"-Fassade verbirgt sich auch ein schonungsloser Interessenvertreter seines Unternehmens. In der vergangenen Woche verhinderte Grube nach SPIEGEL-Informationen mit massivem Druck in buchstäblich letzter Minute ein ihm unliebsames Gesetz.

Bis Anfang der Woche war der Manager davon ausgegangen, dass das von ihm bekämpfte Eisenbahnregulierungsgesetz im Bundesrat endgültig scheitert. Mit dem Gesetz soll die Bahn, die den Fernverkehr auf der Schiene nahezu vollständig beherrscht, besser kontrolliert werden. Als Union und FDP am vergangenen Montag allerdings versuchten, SPD und Grüne mit Zugeständnissen noch für eine Zustimmung zu gewinnen, sagten die beiden Oppositionsparteien eine ergebnisoffene Prüfung zu - zu Grubes Überraschung war das für ihn unliebsame Gesetz damit doch noch nicht vom Tisch.

Die Grenzen zwischen Konzern und Staat verschwimmen

Wie Insider berichten, startete der Bahn-Chef daraufhin einen Rundruf bei Ministerpräsidenten und Fraktionsvorsitzenden diverser Parteien. Selbst Bundestagsabgeordnete wurden demnach einzeln von Bahn-Lobbyisten bearbeitet. Offenbar mit Erfolg: Am Mittwoch ließen SPD und Grüne das Gesetz im Vermittlungsausschuss scheitern.

Im Prinzip ist eine solche Lobby-Arbeit nichts Verwerfliches, sie gehört für Top-Manager zum Berliner Alltag. Das Problem bei der Bahn ist jedoch, dass sie immer noch dem Bund gehört. Wenn Grube lobbyiert, verschwimmen die Grenzen zwischen Konzern und Staat. Gern spricht der Bahn-Chef in Gegenwart von Politikern von "unserem Unternehmen". Seinen Gesprächspartnern ist dann nie so ganz klar, wer mit "unser" eigentlich gemeint ist.

Auch deshalb ist der Frust in Berlin nun groß. "Einmal mehr hat sich gezeigt, dass Grube nichts anderes als ein 'Mehdorn in nett' ist", heißt es unwirsch im Bundestag. Unverständnis über die massive Intervention gibt es sogar im Verkehrsministerium. Schließlich verfolgt die EU-Kommission den Plan, die Bahn zu zerschlagen. Bislang konnte die Bundesregierung mit dem Argument dagegenhalten, es werde bald eine deutlich bessere Regulierung des Konzerns geben. Diese Argumentation ist nun obsolet. Die EU könnte wieder aktiv werden. "Grubes Aktion könnte sich schon bald als Eigentor erweisen", heißt es im Verkehrsministerium.

insgesamt 49 Beiträge
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zdza 01.07.2013
1. Wieso
kann ein einzelner in einer demokratie ein Gesetz verhindern?
Battlemonk 01.07.2013
2.
ja das hoffe ich doch dass er die Interessen des deutschen Staatskonzernes vertritt Schließlich ist das Unternehmen Staatseigentum
21Pinto 01.07.2013
3.
Zitat von sysopDPARüdiger Grube inszeniert sich gern als der nette Bahn-Chef von nebenan. Doch nun mussten Politiker erleben, wie der Top-Manager auch sein kann: Wenn es um die Interessen des Staatskonzerns geht, kennt er kein Pardon. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/grube-vertritt-schonungslos-interessen-der-deutschen-bahn-a-908760.html
Jedem sein Mövenpick. Nun also die SPD und die Grünen, die den (lukrativen?) Einflüsterungen der Lobby erliegen. Wen kann das noch überraschen?
ChaosXL 01.07.2013
4. Na und?
Zitat von sysopDPARüdiger Grube inszeniert sich gern als der nette Bahn-Chef von nebenan. Doch nun mussten Politiker erleben, wie der Top-Manager auch sein kann: Wenn es um die Interessen des Staatskonzerns geht, kennt er kein Pardon. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/grube-vertritt-schonungslos-interessen-der-deutschen-bahn-a-908760.html
Genau das ist doch seine Aufgabe. Wie kann man ihm das vorwerfen.
matthyk 01.07.2013
5. Artikel prangert den falschen an
Anstatt den Herrn Grube dafür anzuprangern, dass er lobbyiert, sollte man ganz klar diejenigen in der Politik benennen und zur Verantwortung zu ziehen, die sich dem Lobbydruck gebeugt haben. Man bedenke bitte: Als Vorstandsvorsitzender ist es der Job von Herrn Grube, in allererster Linie, das Wohl des Unternehmens Deutsche Bahn im Auge zu haben - sonst nichts. Sich dem Gemeinwohl verpflichtet zu fühlen, ist Sache und Verantwortung der Politik.
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