München - Seit langem streiten Metro und Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals darüber, wer bei Europas führendem Elektronikhändler Media-Saturn das Sagen hat. Nur einen Tag vor einem wichtigen Gerichtstermin hat Kellerhals die öffentliche Auseinandersetzung nun weiter angeheizt. "Wenn der Streit nicht beigelegt werden kann, müssen wir vielleicht über neue Gesellschafter nachdenken", sagte der 72-Jährige der "Süddeutschen Zeitung".
"Aber eine Trennung von Metro müsste - wenn wir sie denn wollten - erst mal finanziert werden", sagte Kellerhals. Es gebe Interessenten. Auf die Frage, ob er auch ohne Metro weitermachen würde, sagte Kellerhals: "Am liebsten schon." Selbst wenn der Handelskonzern ihm für seine Anteile an dem Elektronikunternehmen "viel Geld" bieten sollte, werde er nicht verkaufen, sagte Kellerhals.
Metro und der Alteigentümer sind in einer verfahrenen Lage. Der Handelskonzern hält gut 75 Prozent an der Media-Saturn-Holding. Kellerhals besitzt zwar nur noch 22 Prozent der Anteile, aber wichtige Entscheidungen können laut Gesellschaftervertrag nur mit seiner Zustimmung getroffen werden. Um diese Vetorechte von Kellerhals tobt ein heftiger Streit. Metro will sie aushebeln, um Entscheidungen bei der Tochter schneller durchsetzen zu können.
Beide Seiten sind sich uneinig über den weiteren Kurs. Seit 2011 läuft ein Gerichtsverfahren, am Dienstag soll ein Schiedsgericht beraten. Offen ist, ob es zu einem Schiedsspruch kommt. Daneben gibt es ein Verfahren vor dem Oberlandesgericht München.
Auch bei der China-Expansion gibt es Streit
"Mir ist klar, dass sich der Gesellschafterstreit mit juristischen Mitteln nicht lösen lässt", sagte Kellerhals. Wie immer auch das Urteil ausfalle, gebe es die Möglichkeit, jeden Beschluss des Beirats vor Gericht anzufechten. "Gerichtlich kann es keinen Verlierer und keinen Gewinner geben."
Aktuell loten die Media-Saturn-Eigner eine milliardenschwere Expansion in China aus. "Ich rate zur Vorsicht", sagte Kellerhals. Nach seiner Darstellung gab es auch hier Meinungsverschiedenheiten. Demnach wollte Metro ursprünglich 1000 Media-Märkte in fünf Jahren in China eröffnen. "Wir haben bislang im Rest der Welt insgesamt 900 Märkte in 30 Jahren geschafft. Das wäre Harakiri, haben wir gesagt. Das können wir nicht mittragen."
So habe man sich auf eine noch bis Jahresende 2012 dauernde Testphase geeinigt. "In einigen Monaten schauen wir, wie gut unsere Zahlen sind. Dann entscheiden wir." Es bestehe auch die Möglichkeit, dass Metro auf eigene Kosten 1000 chinesische Märkte gründe.
"Die Vorstände haben mitunter wilde Ideen"
"Die Metro neigt zu höherem Risiko. Ich kalkuliere erst genau und handele dann", sagte Kellerhals. Auch an der Kompetenz von Metro-Chef Olaf Koch meldete er Zweifel an. "Ich fordere seit langer Zeit einen Handelsmann an der Spitze der Metro. Es reicht nicht, einfach nur Finanzpakete hin und her zu schicken", sagte Kellerhals. "Man muss wissen, wie der Handel tickt."
Koch führt den Konzern erst seit Januar. Kellerhals hatte bereits mit Ex-Metro-Chef Eckhard Cordes über Media-Saturn gestritten. "Koch scheint mir ein ruhigerer Typ. In der Sache ist er genauso kompromisslos", sagte Kellerhals über Cordes' Nachfolger.
Der Media-Markt-Gründer lästerte über den Führungsstil bei Metro
. "Die Vorstände haben mitunter wilde Ideen, schließlich brauchen sie in den drei oder fünf Jahren ihrer Vertragslaufzeit Erfolge", sagte er. "Die Metro plant etwas, macht eine schöne Presseerklärung und schaut, dass der Börsenkurs hoch geht. Klappt es nicht, verabschieden sich die Vorstände oder sie werden verabschiedet." Metro wollte die Äußerungen von Kellerhals nicht kommentieren.
mmq/Reuters/dpa
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