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Grüne Energie: Verbraucher stürmen Ökostrom-Anbieter

Atomkatastrophe in Fukushima, Diskussion über Kernkraft-Ausstieg, propagierte Energiewende: Die Ökostrom-Anbieter können sich über viel Marketing von Dritten freuen. Zehntausende Verbraucher wechselten seit Mitte März zu den Firmen. Allerdings lässt das Interesse schon wieder nach.

Windkraftanlagen in Brandenburg: Bis zu 1200 Neuverträge pro Tag Zur Großansicht
dapd

Windkraftanlagen in Brandenburg: Bis zu 1200 Neuverträge pro Tag

Berlin - Vor sechs Wochen geriet das japanische Atomkraftwerk Fukushima außer Kontrolle. Seitdem ist die Nachfrage nach Ökostrom stark gestiegen. Vor allem die reinen Öko-Anbieter verzeichnen seit Mitte März einen deutlichen Kundenzuwachs. Auch bei den Vergleichsportalen im Internet informiert sich die große Mehrheit der Verbraucher über Tarife für grünen Strom. Selbst die konventionellen Versorger stellen ein gestiegenes Interesse an Energie aus alternativen Quellen fest.

Der nach eigenen Angaben größte Anbieter von Ökostrom in Deutschland, das Hamburger Unternehmen Lichtblick, hat seit Mitte März 20.000 Neukunden gewonnen. Das ist dreimal so viel wie in dieser Zeit sonst üblich.

"Der Zulauf war vor allen in den ersten drei Wochen nach Fukushima besonders groß, wir hatten an Spitzentagen bis zu 1200 Neu-Verträge", sagte Firmensprecher Ralph Kampwirth. Das Unternehmen beliefert derzeit mehr als 520.000 Privat- und Gewerbekunden mit Ökostrom.

Eine große Nachfrage verzeichnete auch Konkurrent Naturstrom. In den ersten drei Wochen nach der Nuklearkatastrophe haben sich nach Unternehmensangaben rund 10.000 Kunden pro Woche für den Wechsel zu dem Anbieter entschieden. Danach seien es etwa 5000 wöchentlich gewesen.

Ökostrom nicht unbedingt teurer

Greenpeace Energy berichtete von rund 6000 Neukunden seit dem 11. März - die Gesamtkundenzahl der Genossenschaft liegt inzwischen bei mehr als 100.000. "Derzeit gewinnen wir immer noch rund 1000 Kunden pro Woche hinzu, was in etwa fünfmal so viel ist wie das Wachstum zu normalen Zeiten", so der Anbieter.

Auch Deutschlands größter Energiekonzern E.on, der selbst Atomkraftwerke betreibt, hat ein gesteigertes Interesse an Ökostrom festgestellt. Allerdings bewege sich der Anteil der Ökostromkunden an der Gesamtkundenzahl weiterhin im einstelligen Prozentbereich.

Das Umdenken der Verbraucher haben auch die Vergleichsportale im Internet festgestellt: War bei Toptarif früher in 40 Prozent der Fälle Ökostrom der Grund für den Anbieterwechsel, sind es inzwischen mehr als 60 Prozent. Auch beim Portal Verivox haben die Anfragen nach Strom aus alternativen Quellen seit Mitte März deutlich zugenommen. Wechselwillige Kunden interessieren sich nahezu ausschließlich für Ökostrom - und zwar in fast 90 Prozent der Fälle.

Die Preise für Ökostromtarife sind sehr unterschiedlich, dazu bieten die Portale im Internet Vergleichsrechner an. Grüne Tarife sind nicht notwendigerweise teurer als die klassischen Angebote des Grundversorgers.

böl/dpa

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1. Da hoffe ich doch,
chico 76 23.04.2011
Zitat von sysopAtomkatastrophe in Fukushima,*Diskussion über*Kernkraft-Ausstieg, propagierte*Energiewende: Die*Ökostrom-Anbieter können sich über viel Marketing von*Dritten freuen.*Zehntausende Verbraucher wechselten seit Mitte März*zu den Firmen. Allerdings lässt das Interesse schon wieder nach. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,758798,00.html
dass der Staat diese Überläufer nicht auch noch belohnt, z.B. durch Übernahme der erhöhten Stromkosten bei H4-Empfängern.
2. ...
senneka 23.04.2011
Zitat von chico 76dass der Staat diese Überläufer nicht auch noch belohnt, z.B. durch Übernahme der erhöhten Stromkosten bei H4-Empfängern.
chico kriegt schon wieder Panik! Deine Brötchengeber sind bald am Ende! Nützt nix, wenn du deine Wut and den Hartz 4 - Empfängern auslässt.
3. gegen Titelpflicht
CaeserMMX 23.04.2011
Zitat von chico 76dass der Staat diese Überläufer nicht auch noch belohnt, z.B. durch Übernahme der erhöhten Stromkosten bei H4-Empfängern.
Das ist Sarkasmus oder?
4. strom
crocodil 23.04.2011
sind die alle zu bl..., um nicht zu begreifen, dass sie immer mehr zahlen müssen. Aber wahrscheinlich gibt es ja genug Leute, die zahlen und zahlen...!!
5. .
hazadeur 23.04.2011
Zitat von sysopAtomkatastrophe in Fukushima,*Diskussion über*Kernkraft-Ausstieg, propagierte*Energiewende: Die*Ökostrom-Anbieter können sich über viel Marketing von*Dritten freuen.*Zehntausende Verbraucher wechselten seit Mitte März*zu den Firmen. Allerdings lässt das Interesse schon wieder nach. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,758798,00.html
Wenn jetzt alle Welt Biostrom kauft, muss es ja ein Überangebot an Atomstrom geben. Großes Angebot + kleine Nachfrage = niedrige Preise! Kann ich den Atomstrom jetzt für billig haben?
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