Grüner Multimillionär: Der Elektriker von Bel Air

Von Astrid Lipsky

Elon Musk hat ein ehrgeiziges Ziel: Er will die Klimakatastrophe verhindern. Der Multimillionär investiert deshalb massiv in Elektromobilität und Solarenergie. Und nebenbei träumt er von der Erschließung des Weltraums.

Elon Musk: Der Elektriker von Bel Air Fotos
AP

Mit zehn Jahren bringt sich Elon Musk Programmieren bei. Mit zwölf verkauft er sein erstes Computerspiel. Mit 30 Jahren hat er ein Privatvermögen von über 100 Millionen Dollar. Geld aber interessiert ihn nicht. Musk will die großen Probleme lösen.

Zahlungsverkehr per Internet? Abgehakt: Als er 1995 als Doktorand (er hat Physik und Wirtschaft studiert) an die kalifornische Stanford University geht, verzichtet er auf die Promotion und gründet lieber die Softwarefirma Zip2. Zusammen mit seinem Bruder Kimbal liefert er Inhalte für Medienunternehmen. "Ich hatte damals nur eine vage Vorstellung von den Chancen eines Dotcom-Unternehmens", sagt Musk. Sein Einsatz: 2000 Dollar, ein Auto und ein Computer. Vier Jahre später verkauft er die Firma für sagenhafte 307 Millionen Dollar an Compaq. Bis dahin der höchste für eine Internet-Firma gezahlte Preis.

Mit dem frischen Geld gründet er X.com und entwickelt ein Online-Bezahlsystem per E-Mail. Knapp ein Jahr später fusioniert X.com mit dem Konkurrenten Confinity. Der hat sich auf ein ähnliches Produkt spezialisiert: PayPal. PayPal wird in den folgenden Monaten zum wichtigsten Online-Bezahlsystem der Welt. Enorme 1,5 Milliarden Dollar fließen, als es 2002 an eBay verkauft wird. Musk hält 11,7 Prozent der Firmenanteile, er ist größter Anteilseigner.

Die Erschließung des Weltraums? In Arbeit: 2002 gründet Musk die Raumfahrtfirma SpaceX. Sie verkauft unbemannte Raumflüge, später sind auch bemannte Flüge geplant. Musk will Leben auf anderen Planeten möglich machen. Seit dem erfolgreichen Start von Falcon 1 im September 2008 ist SpaceX die erste Firma, die es schaffte, mit einer vollständig privat finanzierten Flüssigtreibstoffrakete den Orbit zu erreichen. Die Starts kosten nur rund ein Drittel vergleichbarer staatlich finanzierter Raumflüge.

Die Energiefrage? Auch in Arbeit: 2006 gründet Musk Solar City. Die Firma produziert und betreibt Solaranlagen. Und bereits im Gründungsjahr 2003 investiert Musk in den Elektroautobauer Tesla Motors. Internet-Firmen zu gründen sei ziemlich einfach, so Musk. Autos zu bauen hingegen ziemlich schwierig. Sehr kapitalintensives Produkt und viele Wettbewerber. "Es ist fast unmöglich, damit Geld zu verdienen", sagt er.

Die Zukunft ist elektrisch

Seit 2008 führt er die Firma. Um die Serienfertigung des Tesla-Roadsters aufrechtzuhalten, investiert er 40 Millionen Dollar aus seinem Privatvermögen und entlässt 20 Prozent der Belegschaft. Trotzdem muss ein weiterer Investor her: die Daimler AG. Dort ist man zunächst skeptisch, als der junge Mann aus Kalifornien vorspricht. Doch wenig später kaufen die Stuttgarter zehn Prozent an Tesla und ordern Akkus für ihren Elektro-Smart. "Sie sind unser großer Bruder. Ohne Daimler hätte es Tesla nicht geschafft", sagt Musk.

Dann will Musk Tesla an die Börse bringen. Sein Köder: das Model S. Die Premium-Limousine von der Größe eines 5er-BMWs soll ab 2012 vom Band rollen, 20.000-mal im Jahr. Doch anders als für 500 von Hand gefertigte Sportwagen braucht man dafür eine richtige Fertigungsstraße. Tesla aber besitzt nur eine umgebaute Chevy-Werkstatt.

Zufällig wird in Kalifornien gerade ein Werk frei. Die New United Motor Manufacturing, kurz Nummi, eine der größten Autofabriken der USA: 500.000 Quadratmeter groß, zweieinhalb Kilometer Fertigungsstraßen. Toyota stellte hier den Corolla her. Doch das Werk wird nicht mehr gebraucht. Musk fragt Toyota-Chef Akio Toyoda, ob er Nummi haben kann, und bietet alles, was noch in der Firmenkasse ist: 42 Millionen Dollar. Ein Witz. Toyoda sagt trotzdem ja. Auch er erliegt Musks jungenhaftem Charme.

Am 29. Juni 2010 geht Tesla mit 13,3 Millionen Aktien zu je 17 Dollar an die Börse. Noch am Vorabend wird die Zahl der Aktien um 20 Prozent erhöht. "Die Zukunft ist elektrisch", sagt Musk. Aber der Weg dorthin "ist sehr hart und sehr schwierig". Steinig aber ist er für Musk bisher nicht.

Der Artikel stammt aus dem Magazin "Das Investment"

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insgesamt 30 Beiträge
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1. USA mal wieder.
vogelskipper 07.05.2011
Warum liest man von solchen Erfolgsstories immer nur aus den USA? Wo sind bei uns die smarten Jungs, die so etwas zustande bringen? Wir hatten solche Leute mal vor 150 Jahren, Daimler, Diesel, Benz, etc., aber in der Neuzeit scheint uns irgend etwas zu fehlen, um diesen Leuten die Möglichkeit zur Entfaltung zu geben oder sie zumindest anzulocken hier anzusiedeln. Der junge Mann kam ja auch aus Südafrika. Ist es die deutsche "Leitkultur", die abschreckt? Oder das ewige meckern und mieß machen?
2. Re
dermüdejoe 07.05.2011
Zitat von vogelskipperWarum liest man von solchen Erfolgsstories immer nur aus den USA? Wo sind bei uns die smarten Jungs, die so etwas zustande bringen? Wir hatten solche Leute mal vor 150 Jahren, Daimler, Diesel, Benz, etc., aber in der Neuzeit scheint uns irgend etwas zu fehlen, um diesen Leuten die Möglichkeit zur Entfaltung zu geben oder sie zumindest anzulocken hier anzusiedeln. Der junge Mann kam ja auch aus Südafrika. Ist es die deutsche "Leitkultur", die abschreckt? Oder das ewige meckern und mieß machen?
Es ist der soziale Terror. Die soziale Gleichschaltung via Facebook etc, die kreativen Köpfen keine Luft zum atmen lässt. Jeder muss hip sein, keiner kann mehr ruhig vor sich hin tüfteln und trotzdem respektiert werden. Ich beneide keinen Wissenschaftler in unserer Zeit, entweder sie arbeiten seriös dann vereinsamen sie sozial. Oder sie sind unseriös aber dafür hip. Was eine kaputte Kultur.
3. Wenn er denn glaub, sein Vermögfen verbraten zu
Seifen 07.05.2011
müssen, soll er es tun. Als Alternative sind doch wohl E-Antriebe für eine CO 2 Reduktion nicht geeignet. Ganz im Gegenteil, sie produzieren zusätzlich CO 2 !
4. nee - - - -
janne2109 07.05.2011
Zitat von vogelskipperWarum liest man von solchen Erfolgsstories immer nur aus den USA? Wo sind bei uns die smarten Jungs, die so etwas zustande bringen? Wir hatten solche Leute mal vor 150 Jahren, Daimler, Diesel, Benz, etc., aber in der Neuzeit scheint uns irgend etwas zu fehlen, um diesen Leuten die Möglichkeit zur Entfaltung zu geben oder sie zumindest anzulocken hier anzusiedeln. Der junge Mann kam ja auch aus Südafrika. Ist es die deutsche "Leitkultur", die abschreckt? Oder das ewige meckern und mieß machen?
es ist das ewige schreiben in irgendwelchen Foren, was den Menschen die Zeit zum nachdenken klaut
5. noch so ein geistig umnachteter Weltenretter
angela_merkel 07.05.2011
der kann ja einen Club gründen mit "Bono" von der abgehalfterten Britpopgruppe U2, Herrn Röttgen, und Richard Branson, der auch daran glaubt, Luft- und Raumfahrt seien besonders umweltfreundlich. Schon mal ausgerechnet, wie viel C02 für einen Mondflug verballert wird ? Oder wieviel C02-Ausstoß der "Tesla" auf 100 km verursacht ?
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Heft 5/2011

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Zur Person
Elon Musk, 39, wurde als erstes von drei Kindern in Südafrika geboren. Sein Vater war Maschinenbauingenieur, seine Mutter das kanadische Model Maye Musk. Er ist seit September 2010 mit der britischen Schauspielerin Talulah Riley verheiratet. Sie leben zusammen in Bel Air, einem Stadtteil von Los Angeles. Mit seiner Ex-Frau, Fantasy-Schriftstellerin Justine Musk, hat er fünf Kinder.
Tesla Motors & Lithium-Ionen-Batterie
Tesla Motors
Tesla Motors, Inc. ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das Elektroautos entwickelt und vermarktet. Die Firma wurde 2003 mit der Idee gegründet, einen Sportwagen auf Basis des Lotus Elise zu konstruieren, der ausschließlich von Akkus angetrieben wird. Firmensitz ist San Carlos im kalifornischen Silicon Valley , dem Herzen der amerikanischen Computer- und Software-Branche. Entsprechend sind unter den Investoren auch die Google -Gründer Sergei Brin und Larry Page , der Ebay -Milliardär Jeff Skoll und Elon Musk, der den Online-Bezahldienst Paypal mitgegründet hat. 2008 beschäftigte die Firma etwa 250 Mitarbeiter. Das Motto des Unternehmens ist "Burn rubber, not gasoline." Namenspatron der Firma ist der Physiker Nikola Tesla .
Am 17. März 2008 begann – nach einer Reihe von Verzögerungen – die Serienproduktion des ersten Modells, des zweisitzigen Sportwagens Tesla Roadster . In ihm steckt ein 250 PS starker Drehstrommotor , der den Wagen in rund vier Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer beschleunigt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 Kilometern pro Stunde, die Reichweite beträgt – bei zurückhaltender Fahrweise – 350 bis 400 Kilometer. Karosserie und Chassis des Wagens stammen vom britischen Sportwarenhersteller Lotus , der Motor aus Taiwan. Die Montage findet in San Carlos statt. Im Heck des Wagens sind 6831 Lithium-Ionen-Akkus untergebracht, wie sie auch in Handys und Notebooks zum Einsatz kommen. Der Kaufpreis liegt derzeit bei ungefähr 109.000 US-Dollar.
Tesla Motors plant, im Jahr 2011 eine familientaugliche Stufenhecklimousine auf den Markt zu bringen. Der Preis soll bei 60.000 US-Dollar liegen, die Fertigung in einem eigens dafür errichteten Werk in Kalifornien stattfinden. Anvisiert ist, später einmal 20.000 der Limousinen und 3000 der Roadster pro Jahr zu verkaufen.
Im Mai 2009 gab Daimler bekannt, mit knapp zehn Prozent bei Tesla einzusteigen. Der Konzern wird auch die nächste Batteriengeneration für den hauseigenen Elektro-Smart bei Tesla Motors beziehen.
Lithium-Ionen-Batterie
Lithium-Ionen-Batterien sind wiederaufladbare Stromspeicher mit hoher Energiedichte, geringer Selbstentladung und ohne Memory-Effekt . In Handys und Laptops sind sie schon seit längerem Standard. Ihr hoher Entwicklungsstand macht es inzwischen möglich, mit ihnen auch Elektroautos anzutreiben. Marktführend arbeitet auf diesem Gebiet neben Tesla Motors vor allem die Daimler AG . Problem bei allen Herstellern ist die Entwicklung einer Batterie, die so leistungsstark ist, dass sie nicht bereits nach kurzer Zeit wieder aufgeladen werden muss. Zudem sind einige Akkus bei Überhitzung leicht entflammbar und reagieren sensibel auf Temperaturschwankungen, große Hitze und klirrende Kälte. Das größte Manko aber ist derzeit vor allem der Preis: Aufgrund der enormen Entwicklungskosten werden serienmäßig produzierte Elektroautos deutlich teurer als normale Benziner sein.
Derzeit befinden sich bereits mehrere erfolgreiche Hybridmodelle wie der Toyota Prius auf dem Markt, die mit einem kombinierten Verbrennungs- und Elektroantrieb fahren. Dabei unterstützt der Elektromotor lediglich den Ottomotor und spart dadurch Sprit.
Mercedes plant die Einführung von serienmäßigen Elektrovarianten des Smart sowie der Mercedes A- und B-Klasse ab 2012.