Gruner + Jahr: Bertelsmann-Chef kritisiert Managementfehler

Der Chef des Bertelsmann-Konzerns, Thomas Rabe, hat Versäumnisse bei Gruner + Jahr eingeräumt. Man habe zu wenig in den digitalen Umbau investiert, sagte Rabe dem manager magazin. Die Hamburger Verlagstochter soll künftig nicht mehr im Konzernvorstand vertreten sein.

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Bertelsmann-Chef Rabe: Nicht jede Division muss im Vorstand vertreten sein

Hamburg - Bertelsmann-Chef Thomas Rabe kritisiert Managementversäumnisse bei der Verlagstochter Gruner + Jahr. "Vielleicht war es ein Fehler, dass wir zu lange in den Ausbau traditioneller Printgeschäfte und zu wenig in den digitalen Umbau investiert haben", sagte der Konzernchef dem manager magazin. "Vielleicht haben wir auch das Portfoliomanagement nicht intensiv genug betrieben."

Gruner + Jahr gibt unter anderem Zeitschriften wie "Stern" und "Brigitte" heraus. Auch am SPIEGEL-Verlag ist das Verlagshaus beteiligt. Es gehört zu 74,9 Prozent dem Bertelsmann-Konzern, 25,1 Prozent der Anteile hält die Hamburger Verlegerfamilie Jahr. Das Unternehmen kämpft mit Problemen. Verlagschef Bernd Buchholz war im Herbst zurückgetreten. Am 7. Dezember hatte Gruner + Jahr die Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland" eingestellt.

Bertelsmann hatte im ablaufenden Jahr versucht, das Verlagshaus ganz zu übernehmen. Die Verhandlungen mit der ausstiegswilligen Familie Jahr sind laut Rabe aus zwei Gründen fehlgeschlagen: Zum einen sei es "zurzeit ausgesprochen schwierig, ein Verlagshaus zu bewerten, bei dem man nicht weiß, ob sein Ergebnisrückgang temporär oder von Dauer ist", sagte der Bertelsmann-Chef. Zum andern hätten "die Vorabveröffentlichung der Gespräche und die Indiskretionen den Abschluss der Transaktion erschwert".

Seit dem Abgang von Verlagschef Buchholz ist Gruner + Jahr nicht mehr um Bertelsmann-Vorstand vertreten. Das wird wohl auch so bleiben: "Wir halten es nicht für zwingend, dass jede Division im Vorstand vertreten ist," sagte Rabe.

Mit dem Geschäftsverlauf von Bertelsmann insgesamt zeigte sich Rabe weitgehend zufrieden. "Unser Umsatz entwickelt sich recht gut. Wir werden insgesamt eine Umsatzmarge von über zehn Prozent ausweisen. Aber wir können uns von der wirtschaftlichen Entwicklung, vor allem in der Euro-Zone, leider nicht abkoppeln", sagte der Konzernchef.

Ob Bertelsmann wie geplant den Vorjahresüberschuss von 612 Millionen Euro erreiche, sei ungewiss. "Beim Konzernergebnis bin ich vorsichtig. Hier ist es noch zu früh für eine sichere Prognose", sagte Rabe. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage vor allem in Südeuropa müssten möglicherweise Wertberichtigungen vorgenommen werden.

stk

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