Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr will 400 Stellen abbauen

Das Medienhaus Gruner + Jahr will Stellen im großen Stil abbauen. 400 Jobs sollen in den kommenden drei Jahren einem Sparprogramm zum Opfer fallen - auch betriebsbedingte Kündigungen schließt der Vorstand nicht aus.

G+J-Chefin Julia Jäkel: Reaktion auf rückläufige Marktentwicklung im Printgeschäft
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G+J-Chefin Julia Jäkel: Reaktion auf rückläufige Marktentwicklung im Printgeschäft


Hamburg - Das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr streicht in den kommenden drei Jahren rund 400 Arbeitsplätze. Das Unternehmen will damit und durch die Einsparung von Sachkosten 75 Millionen Euro sparen, teilte der Verlag am Mittwoch mit.

Als Grund für die drastischen Maßnahmen gibt das Medienhaus - das Zeitschriften wie den "Stern", die "Gala" oder "Geo" zu seinem Portfolio zählt - die rückläufige Marktentwicklung im Printgeschäft an. Man könne sich "der Marktentwicklung nicht entziehen", heißt es in einem internen "FAQ 'Transformation'". Bereits im Herbst würden erste Maßnahmen ergriffen, kein Bereich des Deutschlandgeschäfts sei ausgenommen. Selbst betriebsbedingte Kündigungen schließt Gruner + Jahr nicht aus. Im Inland sind rund 2400 Mitarbeiter beschäftigt.

Zudem drängt das Unternehmen unter Vorstandschefin Julia Jäkel darauf, möglichst schnell das digitale Geschäft zu erweitern und neue Magazin-Ideen umzusetzen. So kaufte Gruner + Jahr mit AdVideum einen der größten Videovermarkter in Frankreich, beteiligte sich an kleineren Firmen und entwickelte auch redaktionelle Plattformen im Netz auf der Grundlage von bestehenden Printprodukten.

Auch bei bestehenden Printmagazinen, die bei Gruner + Jahr nach wie vor einen Großteil des Umsatzes und Gewinns erwirtschaften, wird umgebaut: Erst vor zwei Wochen wurde Dominik Wichmann als Chefredakteur des "Stern" entlassen und gegen den bisherigen "Gala"-Chefredakteur Christian Krug ersetzt. Gruner + Jahr ist als Minderheitsgesellschafter auch am SPIEGEL beteiligt.

mum



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insgesamt 6 Beiträge
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HansD 27.08.2014
1. Kein Mitleid
Die Medien verfehlen ihre Aufgabe als vierte Gewalt. Sie lassen sich durch Politik und ThinkTanks treiben. Im dritten Reich nannte man es Gleichschaltung der Medien. Ja was haben wir denn heute? Schaut man sich mal die Leitartikel der Leitmedien an, so steht überall der gleiche Müll. Recherche? Wer braucht das schon. Daher ist es eigentlich schon fast begrüßenswert, wenn unsere Medien den Bach runter gehen. Ich befürchte allerdings zum Schluss bleibt nur noch Springer übrig, da Springer als Konzern ausgezeichnete Ergebnisse einfährt. Für den Wettbewerb sehe ich aber gute Chancen. Das "Blatt", dass sich wieder besinnt, Skandale aufdeckt und Recherche betreibt und nicht den Leitartikelmüll vom Mainstream bringt, ja dieses Blatt könnte viele neue Leser gewinnen. Aber auf den üblichen Müll, den man seit Jahren vorgesetzt bekommt, hat ein Großteil der lesenden Menschen keine Lust mehr. Wie stellen sich das die Leute in der Chefetage denn vor? Dass der Leser dafür bezahlt, dass er belogen wird? Lach! Willkommen im 21. Jahrhundert. Der Leser hat jetzt Internet und kann sich überall informieren. Daher wird es immer schwieriger für den Mainstream die Lügen als Wahrheit zu verkaufen. Kann ja nicht mehr lange dauern, bis beim Spiegel die Leute gehen müssen. Was sich der Spiegel und SPON allein die letzten Monate geleistet hat ist ja echt nicht mehr auszuhalten. Propaganda wo man hinblickt.
vertrauensschwund 27.08.2014
2. Jedes System braucht einen Henker...
schon der FOCUS ist an der Vermischung von Werbung und redaktionellen Inhalten gescheitert und hat sich irrelevant gemacht. Der Vertrauensverlust beim Leser konnte bis heute nicht gut gemacht werden. Genauso wird es "Gruner und Nein" mit seinen Blättern ergehen - wenn die so weitermachen. Vor allem, weil sie ihre bunte, heile Werbe-Welt immer weiter an den tatsächlichen Kernproblemen der Gesellschaft vorbei produzieren und Werbeumsätze mit Leserakzeptanz verwechseln. Allerorten passiert das. Die Deutschen Medien schaffen sich ab. Die Killer-Queen mit den Scherenhänden besorgt das Schrumpfungsgeschäft. Charmanter kann "Mann" so viele Chefredakteure nicht exekutieren. Dieses schmutzige Geschäft - die Belegschaft schaue angesichts der ewig postulierten Mittelknappheit und Sparrunden auf die horrenden Abfindungen - muss schon eine "Frau" besorgen.
basiliusvonstreithofen 27.08.2014
3. Sehr amüsant zu beobachten...
...wie SPON über die Probleme bei Gruner + Jahr berichtet, wie die SZ über die Probleme bei SPON mit dem angeblichen Aufstand der Redakteure berichtet und wie die SZ und SPON über die Probleme bei FOCUS mit Absetzung des Chefredakteurs berichten. Jeder kennt sich genau aus über die Probleme seines Konkurrenten. Das ist köstlich. Fakt ist jedenfalls, dass das Papiermedium zu Ende geht. Dort muss man zudem noch bares Geld bezahlen für immer öfter nur Abgeschriebenes aus Einheits-Agenturberichten. Nicht, dass die Qualität im elektronischen Medium besser wäre, nur muss man dort nicht direkt bezahlen sondern indirekt für das ohnehin vorhandene Internet. Berufe kommen und gehen. Der Beruf des Journalisten scheint nicht mehr zu empfehlen zu sein. Die Zukunftsaussichten erscheinen schlecht.
23 1/3 27.08.2014
4. Spiegel
Von den internen Querelen beim Spiegel wird nix berichtet. Da dürfen ja die Redakteure noch sechstellige Summen verdienen und das obwohl auch der Spiegel von der Medienkrise betroffen ist.
eule_neu 27.08.2014
5. Online-Opfer
Der Stellenabbau ist ein Opfer des Internets. Solche Arbeitsplätze wie inzwischen auch in vielen anderen Branchen zu beobachten, werden nach und nach verschwinden. Dumm ist nur, dass kaum neue Arbeitsplätze in der "Networld" geschaffen werden. Also muss man überlegen, ob man eine Art "Netzsteuer" (Maschinensteuer) einführt, aus der dann die gesellschaftlichen Probleme für die einzelnen Menschen abgefedert werden. Automatisierung der Arbeitswelt und die "Bits- und Bytes" Arbeitswelt haben unsere Vorstellungen von einer lebenslangen Arbeitsstelle durcheinander gebracht. Arbeit für Alle wird zu einem Traumbild, ebenso der Wohlstand und das Wohlergehen für Alle. Das soziale Miteinander wird immer schwieriger, der Kampf ums tägliche Überleben für Viele immer härter. Die Gesellschaft muss aus der Gleichgültigkeit aufwachen und Modelle entwickeln, die der beschriebenen Tendenz entgegen wirkt. Die Printmedien in ihren bislang seit einigen Jahren bestehenden Überlebenskampf werden auf eine kleine Größe geschrumpft, sie muss nur rechtzeitig auf die neue Medienwelt umsteigen. "Wer zu spät kommt, den bestraft der Markt" und die Arbeitnehmer werden in diesen Umbruchzeiten zu Opfern ...
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