Afrikabeauftragter der Kanzlerin Geschäfte in Afrika sollen mit EU-Geld abgesichert werden

Wenn europäische Firmen auf dem afrikanischen Kontinent investieren, sollen sie auch mit EU-Geldern abgesichert werden. "Wir haben ein Interesse daran, dass unser Nachbarkontinent prosperiert", sagt der Afrikabeauftragte der Bundeskanzlerin, Günter Nooke.

VW-Werk in Südafrika
DPA

VW-Werk in Südafrika


Bei der Afrika-Reise von Kanzlerin Angela Merkel sind die Wirtschaftsbeziehungen ein zentrales Thema. Doch viele Firmen aus Europa schreckt das Risiko bei Geschäften auf dem afrikanischen Kontinent ab. Darum hat der Afrikabeauftragte der Kanzlerin eine bessere Absicherung europäischer Investitionen auf dem Kontinent gefordert. "Wir haben ein Interesse daran, dass unser Nachbarkontinent prosperiert", sagte der CDU-Politiker Günter Nooke dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Nur müssten wir auch den Schritt gehen, mehr öffentliche Gelder einzusetzen, um das Risiko privater Investoren auf unsicheren Märkten so zu mindern, dass es für sie klein und kalkulierbar ist."

Nooke fordert, dafür auch europäische Mittel zu nutzen. "Wir könnten auch einen kleinen Teil der Mittel aus dem EU-Regionalfonds einsetzen, um in Afrika investierende europäische Firmen abzusichern", sagte der CDU-Politiker. Diese Beihilfen dürften bislang nur in Europa eingesetzt werden. "Wenn es jedoch migrationspolitisch im europäischen Interesse, ja Überlebensinteresse ist, dass Migranten Jobs in Afrika finden, sind vielleicht auch unsere Freunde in Ungarn und Polen damit einverstanden", sagte Nooke.

Die Fluchtursachen in Afrika ließen sich aber auch mit Investitionen nicht schnell bekämpfen. "Der Migrationsdruck wird durch die extrem unterschiedlichen Lebensstandards innerhalb Afrikas, aber vor allem zwischen Europa und Afrika, noch Jahrzehnte bleiben", sagte Nooke. "Darum ist es so wichtig, dass wir den Menschen in Afrika helfen, selbst zu produzieren, Produkte herzustellen und zu verarbeiten."

Nooke arbeitet im Entwicklungshilfeministerium, das einen "Marshallplan mit Afrika" ausgerufen hat. Entwicklungsminister Gerd Müller hat Zollfreiheit für afrikanische Produkte gefordert, um den Handel voranzutreiben.

Die Bundesregierung hatte zuletzt für eine Reihe afrikanischer Staaten auch die Bedingungen für Exportkredit-Garantien erleichtert. Laut dem Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft hat dies dazu beigetragen, dass deutsche Unternehmen zunehmend auf dem afrikanischen Kontinent investieren wollen.

Bundeskanzlerin Merkel wird auf ihrer dreitägigen Reise den Senegal, Ghana und Nigeria besuchen. Sie wird einer Delegation deutscher Unternehmensvertreter begleitet. Zentrales Thema der Gespräche in den drei Ländern sind die Wirtschaftsbeziehungen. Bei der Westafrika-Reise geht es aber auch um das Thema Migration und die Lage in der Region. Nigeria zählt zu den Hauptherkunftsstaaten von Asylbewerbern aus Afrika in Deutschland.

mmq/AFP

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viviane 29.08.2018
1. Geht nicht
Wir können alles tun um Afrika zu helfen, aber mehr Wohlstand bringt nur was wenn Afrika seinen Bevölkerungs Zuwachs unter Kontrolle bekommt.Es ist die ungebremste Geburtenrate gekoppelt an bessere Lebensbedingungen die Migrationen hervor ruft.Also muss unsere Hilfe an eine Gegenleistungen in Afrika gebunden sein und zwar Geburtenkontrolle.
Papazaca 29.08.2018
2. Mit den einfachen Sachen anfangen
Jetzt gibt es mal wieder hochtrabenden Pläne von Politikern, die von Afrika keine Ahnung haben. Dabei sind einige Dinge offensichtlich: Um Investitionen in Afrika zu erleichtern, müssen sich die afrikanischen Staaten die Länder zum Vorbild nehmen, die mit so wenig Bürokratie wie möglich Investitionen in kürzester Zeit ermöglichen. Mit rechtlichen Garantien, am besten mit nur einer zuständigen Behörde. Dann gilt es aber andere Dinge, die seit langem aus dem Ruder laufen: Wir sollten den Afrikanern nicht ihre Fischereirechte abkaufen. Denn danach haben die einheimischen Fischer kaum noch Fische. Im Gegenteil sollten wir Ihnen helfen, mit Kontrollbooten Ihre Fischgründe gegen Chinesen und Südkoreaner zu schützen. Wenn deutsche Hähnchenproduzenten Ihr Fleisch zu Dumpingpreisen in Afrika verkaufen, zerstören sie die einheimischen Hühnerfarmen. Und wir sollten aufhören, unsern hochgiftigen Müll nach Afrika zu verschiffen (Cote D'Ivoire) oder unseren Elektromüll nach Ghana. Der Ort in Accra, Agbloboshi, wird auch Sodom und Gomorrha genannt. Mehr muß man wohl nicht mehr sagen. Also, bitte keine Sprüche von Politikern, die keine Ahnung haben sondern Hilfe bei Investitionen, Bildung, zum Beispiel Aufbau eines "Lehrling, Geselle, Meister-Systems". Gute Möglichkeiten für effektive Hilfe gibt es also.
herumnöler 29.08.2018
3. @Papazaca
Das ist alles lieb gemeint, verschärft das Problem aber nur noch für die nächsten Generationen. Es gibt nicht genügend Arbeit für Bevölkerungen, die sich innerhalb EINER Generation vervielfachen. BRingen Sie lieber dem afrikanischen Mann bei, er möge Kondome benutzen, wenn er schon seinen Trieben dauernd nachgeben muss. Und organisieren Sie Sterilisierungsprogramme. Das würde weniger kosten und wäre durchschlagend erfolgreicher. Sonst stehen in 20 Jahren nicht nur 1 Million Migranten vor unserer Tür, sondern zig-Millionen. Bitteschön: Das ist nicht rassistisch gemeint. Das Überleben des GANZEN Planeten steht auf dem Spiel, wenn alles ungebremst so weitergeht wie bisher oder, was noch schlimmer ist: Wenn man die Lebensbedingungen in Afrika noch hilft zu verbessern, wie von Ihnen vorgeschlagen.
jj2005 29.08.2018
4. Herr Nooke hat ein bisschen Recht
Es stimmt, Afrika kommt nicht auf die Füsse, weil das Risiko für Investitionen zu hoch ist. Das führt dazu, dass Geldgeber eine exorbitant hohe Rendite wollen - und bekommen (man kann niemand zwingen, in Afrika zu investieren). Das Absichern des Risikos ist aber Verschenken von Steuergeldern an Finanzhaie, solange die Ursachen nicht addressiert werden. Nun sitzt Herr Nooke leider nicht im richtigen Ministerium. Aber vielleicht kann er ja mal mit den Aussen- und Verteidigungsministerien sprechen, wie man z.B. den Export von Waffen nach Afrika unterbinden kann. Die beste Option wären wohl Gespräche auf höchster Ebene zwischen der EU und China (solange Donald T. im Amt ist, bleiben die USA besser aussen vor). Nur wenn sich die Top-Geldgeber darauf einigen können, Kriege zu verhindern und korrupte Eliten zu bändigen, nur dann hat Afrika eine Chance, den Geldabfluss an die Finanzwirtschaft zu verringern und damit die Armut zu reduzieren.
Papazaca 29.08.2018
5. Stellen Sie sich hinter jede Hütte und kontrollieren?
Zitat von vivianeWir können alles tun um Afrika zu helfen, aber mehr Wohlstand bringt nur was wenn Afrika seinen Bevölkerungs Zuwachs unter Kontrolle bekommt.Es ist die ungebremste Geburtenrate gekoppelt an bessere Lebensbedingungen die Migrationen hervor ruft.Also muss unsere Hilfe an eine Gegenleistungen in Afrika gebunden sein und zwar Geburtenkontrolle.
Das Problem der Geburtenkontrolle ist sehr vielschichtig, wie wir aus China und Indien wissen. Traditionelle Gründe wie die frühere hohe Kindersterblichkeit, Kinder als Arbeitskräfte für die Landwirtschaft, heute die christlichen Kirchen, die in der Praxis oft die Geburtenkontrolle ablehnen. Das Problem ist sehr komplex, weltweit, nicht nur in Afrika. Ihre Forderung nach Gegenleistung bei der Geburtenkontrolle ist ein schöner Wunsch, hat aber mit der Realität wenig zu tun.
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