Gunda Röstel bei EnBW: Ex-Grünen-Chefin wird Aufsichtsrat in Atomkonzern
Die Grünen haben die Wahl in Baden-Württemberg gewonnen - das bekommt jetzt auch der teilstaatliche Energiekonzern EnBW zu spüren. Ex-Parteichefin Gunda Röstel wird Aufsichtsratsmitglied des Unternehmens. Vorstandschef Villis verspricht bereits eine Öko-Offensive: Atomkraft sei "kein Dogma".
Karlsruhe - In der Wirtschaft arbeitet Gunda Röstel schon seit mehr als zehn Jahren: Ende 2000 wechselte die frühere Bundesvorsitzende der Grünen zum Versorger Gelsenwasser, 2004 wurde sie Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden. Nun übernimmt Röstel einen weiteren prestigeträchtigen Job: Sie soll in den Aufsichtsrat des Energieversorgers EnBW einziehen.
Die baden-württembergischen Grünen nominierten Röstel am Dienstag auf der EnBW-Hauptversammlung in Karlsruhe als Nachfolgerin für den Wirtschaftsforscher Wolfgang Franz, der sein Aufsichtsratsmandat beim Konzern niederlegt. Die Nominierung zeigt die veränderten Machtverhältnisse im Land. EnBW gehört zu 46 Prozent dem Land Baden-Württemberg, das künftig von einem grünen Ministerpräsidenten regiert wird.
Auf der Hauptversammlung stimmte Konzernchef Hans-Peter Villis schon einmal versöhnliche Töne an. "Kein anderes Unternehmen investiert mehr in die erneuerbaren Energien als die EnBW", beteuerte er. "Kernkraft ist für uns kein Dogma."
Atomausstieg wird für EnBW teuer
Bislang hat EnBW den höchsten Atomstromanteil aller deutschen Versorger. Zwei der Atomkraftwerke des Konzerns wurden als Teil des von der Regierung verhängten Moratoriums vorübergehend abgeschaltet. Sollten die Meiler Neckarwestheim I und Philippsburg 1 gänzlich stillgelegt werden, könnte das laut Finanzvorstand Thomas Kusterer zwischen 350 und 450 Millionen Euro kosten. Allein die Einbußen für die Zeit des dreimonatigen Moratoriums bezifferte EnBW auf rund 80 Millionen Euro.
Villis kündigte an, der Anteil erneuerbaren Energien werde bis 2020 auf 20 Prozent angehoben. Dafür seien rund acht Milliarden Euro notwendig. Das Geld dazu soll laut Villis zum Teil aus dem Verkauf von Minderheitsbeteiligungen in Höhe von 1,8 Milliarden Euro und aus zusätzlichen Sparprogrammen kommen.
Für den künftigen Kurs wirbt EnBW pünktlich zur Hauptversammlung mit einer Kampagne. In einer von Villis unterzeichneten ganzseitigen Zeitungsanzeige kündigte der Manager an, in den kommenden Wochen den Dialog mit Experten, Bürgern und Atomkraftgegnern zu suchen. "Die Katastrophe von Fukushima ist eine Zäsur - für die Menschen, die Politik und die Wirtschaft", wird Villis zitiert.
Für den Konzern bedeutet dies eine Kehrtwende. Im vergangenen Jahr hatte Villis noch zu den Unterzeichnern des sogenannten energiepolitischen Appells gehört, in dem führende deutsche Manager für ein Festhalten an der Kernenergie warben.
dab/dapd/dpa-AFX/AFP
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- Dienstag, 19.04.2011 – 16:08 Uhr
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| Energie-Oligopol in Deutschland | |||
| Konzerne | Anteil Kraft- werks- kapa- zität | Anteil erzeugte Strom- menge | Anteil Groß- kunden- markt |
| RWE, E.on, Vattenfall, EnBW | 82% | 89% | 60% |
| Quellen: IZES, BEE; Werte aus dem Jahr 2009 | |||
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