Von David Böcking
Hamburg - So schnell kann es gehen: Jahrelang war die Airbus-Mutter EADS bekannt für Machtkämpfe zwischen Deutschen und Franzosen. Doch angesichts der jüngsten Verschärfung der Schuldenkrise empfahl EADS
-Chef Louis Gallois ausgerechnet seinen Konzern als Vorbild für europäische Zusammenarbeit. "Natürlich kann man Länder nicht mit Unternehmen vergleichen", sagte Gallois auf der Neujahrs-Pressekonferenz in Hamburg. "Aber EADS ist ein Beispiel dafür, wie es funktionieren kann."
Das gesunde Selbstbewusstsein gründet auf den Ergebnissen des vergangenen Jahres. Mit mehr als 1400 Bestellungen stellte Airbus 2011 einen Bestellrekord auf. Allein gut 1200 Mal wurde der Neo geordert, eine spritfahrende Neufassung des A320. Der Neo sei "der wahre Star des Jahres" sagte Gallois mit Blick auf ein Modell des Top-Sellers, das prominent neben dem Rednerpult aufgestellt wurde.
Auf die Bestellungen folgten Einstellungen: Im vergangenen Jahr schuf Airbus rund 4500 neue Jobs, 2012 sollen es mehr als 4000 weitere sein. Dass das Unternehmen zunehmend in Schwellenländer drängt und in nicht-europäischen Ländern wie Mexiko produziert, gehe "nicht auf Kosten von Jobs in Europa", versicherte Gallois.
Auch Tom Enders zeigte sich zufrieden. "Wir hatten ein ziemlich gutes Jahr", sagte der Airbus-Chef. Neben den Rekordbestellungen für den A320 habe man beim Pannenflieger A380 das "erste ernsthafte Produktionsjahr" erreicht. 2011 wurden 26 Maschinen des Großraumfliegers ausgeliefert, dessen Produktion sich wegen Problemen mit der Verkabelung um Jahre verzögert hatte.
Auf "einige ernsthafte Probleme", sei man zuletzt auch bei der Entwicklung des Langstreckenfliegers A350 gestoßen, räumte Enders ein. Man stehe aber zur Verschiebung der Auslieferung, "trotz der taktischen Spielchen einiger Kunden". Damit spielte Enders auch auf einen öffentlichen Ausbruch des Chefs von Qatar Airways an. Akbar Al Baker hatte auf der Flugzeugmesse in Dubai gelästert, Airbus sei "immer noch dabei zu lernen, wie man Flugzeuge baut" - am Ende bestellte er aber dennoch 55 neue Maschinen.
"Wir heben mit hoher Geschwindigkeit ab"
Mit dem Bestellboom hat Airbus nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 64 Prozent erreicht und damit den Erzkonkurrenten Boeing klar geschlagen. Zu dem will man auch in Sachen Profitabilität aufschließen, bislang eine Schwäche des Konzerns. Schon 2012 könnte sich die Ertragskraft "signifikant" erhöhen, sagte Gallois. Jahrelang sei EADS "auf der Startbahn schneller und schneller geworden und jetzt heben wir mit hoher Geschwindigkeit ab".
Pure Harmonie also bei EADS? Ganz so sah es am Dienstag dann doch nicht aus. Grund war ein Bericht des "Handelsblatts", wonach französische Regierungskreise die Ernennung von Enders zum neuen EADS-Chef blockieren. Eigentlich soll der Deutsche zur Jahresmitte Gallois ablösen. Angeblich missfallen den Franzosen jedoch Enders' Pläne, die Ressorts Finanzen und Personal von Paris und München nach Toulouse zu verlegen. Dem Bericht zufolge fordert die französische Seite das Finanzressort und einen Franzosen an der Spitze des Hubschrauberherstellers Eurocopter, Enders soll das abgelehnt haben.
Der Bericht erinnerte an jene unseligen Zeiten, in denen deutsch-französischer Streit bei Airbus zum Alltag gehörte. Wie tief die Gräben zeitweilig waren, zeigten Depeschen, die das Enthüllungsportal Wikileaks im vergangenen Jahr veröffentlichte. Darin lästerten französische und deutsche EADS-Manager gegenüber US-Diplomaten heftig über die Gegenseite und verspotteten beispielsweise den früheren EADS-Chef Noel Forgeard als "überambitionierten Irren".
Gallois und Enders waren am Montag sichtlich bemüht, jeden Eindruck neuer Zerwürfnisse zu vermeiden. "Seien sie nicht zu ungeduldig", sagte Gallois. Der Verwaltungsrat habe noch bis Mai 2012 Zeit, um die Personalie zu entscheiden. Enders war der Unmut über die Diskussion anzumerken, dennoch beließ er es bei unverbindlichen Aussagen. Immerhin habe er jetzt "eine weitere großartige Gelegenheit, meine diplomatischen Fähigkeiten zu demonstrieren".
Eigentlich ist Enders jedoch ein Mann der klaren Worte. Das zeigt sich etwa bei der Diskussion über die künftige Eigentümerstruktur von EADS. Daimler
will einen Teil seiner Anteile verkaufen, dafür soll die deutsche Staatsbank KfW einsteigen. Dabei will die Konzernführung den staatlichen Einfluss eigentlich zurückdrängen und mehr private Investoren ins Boot holen. Egal, wer künftiger EADS-Chef werde, sagte Enders am Montag, sein Ziel müsse sein: "Nicht mehr, sondern weniger Staatsanteile."
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