Wirtschaft


ThemaEADSRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Gute Jahresbilanz Airbus feiert sich als Vorbild für Europa

EADS-Bilanz: Frohe Botschaften in Finkenwerder
Fotos
DPA/Airbus

Ein Bestellrekord stärkt das Selbstbewusstsein: Der scheidende Chef der Airbus-Mutter EADS, Louis Gallois, lobt sein Unternehmen bei der Jahresbilanz als Vorbild für Europas Krisenmanager. Dabei trüben Berichte über neuen Führungsstreit das Bild von der deutsch-französischen Einigkeit.

Hamburg - So schnell kann es gehen: Jahrelang war die Airbus-Mutter EADS bekannt für Machtkämpfe zwischen Deutschen und Franzosen. Doch angesichts der jüngsten Verschärfung der Schuldenkrise empfahl EADS Chart zeigen-Chef Louis Gallois ausgerechnet seinen Konzern als Vorbild für europäische Zusammenarbeit. "Natürlich kann man Länder nicht mit Unternehmen vergleichen", sagte Gallois auf der Neujahrs-Pressekonferenz in Hamburg. "Aber EADS ist ein Beispiel dafür, wie es funktionieren kann."

Das gesunde Selbstbewusstsein gründet auf den Ergebnissen des vergangenen Jahres. Mit mehr als 1400 Bestellungen stellte Airbus 2011 einen Bestellrekord auf. Allein gut 1200 Mal wurde der Neo geordert, eine spritfahrende Neufassung des A320. Der Neo sei "der wahre Star des Jahres" sagte Gallois mit Blick auf ein Modell des Top-Sellers, das prominent neben dem Rednerpult aufgestellt wurde.

Auf die Bestellungen folgten Einstellungen: Im vergangenen Jahr schuf Airbus rund 4500 neue Jobs, 2012 sollen es mehr als 4000 weitere sein. Dass das Unternehmen zunehmend in Schwellenländer drängt und in nicht-europäischen Ländern wie Mexiko produziert, gehe "nicht auf Kosten von Jobs in Europa", versicherte Gallois.

Auch Tom Enders zeigte sich zufrieden. "Wir hatten ein ziemlich gutes Jahr", sagte der Airbus-Chef. Neben den Rekordbestellungen für den A320 habe man beim Pannenflieger A380 das "erste ernsthafte Produktionsjahr" erreicht. 2011 wurden 26 Maschinen des Großraumfliegers ausgeliefert, dessen Produktion sich wegen Problemen mit der Verkabelung um Jahre verzögert hatte.

Auf "einige ernsthafte Probleme", sei man zuletzt auch bei der Entwicklung des Langstreckenfliegers A350 gestoßen, räumte Enders ein. Man stehe aber zur Verschiebung der Auslieferung, "trotz der taktischen Spielchen einiger Kunden". Damit spielte Enders auch auf einen öffentlichen Ausbruch des Chefs von Qatar Airways an. Akbar Al Baker hatte auf der Flugzeugmesse in Dubai gelästert, Airbus sei "immer noch dabei zu lernen, wie man Flugzeuge baut" - am Ende bestellte er aber dennoch 55 neue Maschinen.

"Wir heben mit hoher Geschwindigkeit ab"

Mit dem Bestellboom hat Airbus nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 64 Prozent erreicht und damit den Erzkonkurrenten Boeing klar geschlagen. Zu dem will man auch in Sachen Profitabilität aufschließen, bislang eine Schwäche des Konzerns. Schon 2012 könnte sich die Ertragskraft "signifikant" erhöhen, sagte Gallois. Jahrelang sei EADS "auf der Startbahn schneller und schneller geworden und jetzt heben wir mit hoher Geschwindigkeit ab".

Pure Harmonie also bei EADS? Ganz so sah es am Dienstag dann doch nicht aus. Grund war ein Bericht des "Handelsblatts", wonach französische Regierungskreise die Ernennung von Enders zum neuen EADS-Chef blockieren. Eigentlich soll der Deutsche zur Jahresmitte Gallois ablösen. Angeblich missfallen den Franzosen jedoch Enders' Pläne, die Ressorts Finanzen und Personal von Paris und München nach Toulouse zu verlegen. Dem Bericht zufolge fordert die französische Seite das Finanzressort und einen Franzosen an der Spitze des Hubschrauberherstellers Eurocopter, Enders soll das abgelehnt haben.

Der Bericht erinnerte an jene unseligen Zeiten, in denen deutsch-französischer Streit bei Airbus zum Alltag gehörte. Wie tief die Gräben zeitweilig waren, zeigten Depeschen, die das Enthüllungsportal Wikileaks im vergangenen Jahr veröffentlichte. Darin lästerten französische und deutsche EADS-Manager gegenüber US-Diplomaten heftig über die Gegenseite und verspotteten beispielsweise den früheren EADS-Chef Noel Forgeard als "überambitionierten Irren".

Gallois und Enders waren am Montag sichtlich bemüht, jeden Eindruck neuer Zerwürfnisse zu vermeiden. "Seien sie nicht zu ungeduldig", sagte Gallois. Der Verwaltungsrat habe noch bis Mai 2012 Zeit, um die Personalie zu entscheiden. Enders war der Unmut über die Diskussion anzumerken, dennoch beließ er es bei unverbindlichen Aussagen. Immerhin habe er jetzt "eine weitere großartige Gelegenheit, meine diplomatischen Fähigkeiten zu demonstrieren".

Eigentlich ist Enders jedoch ein Mann der klaren Worte. Das zeigt sich etwa bei der Diskussion über die künftige Eigentümerstruktur von EADS. Daimler Chart zeigen will einen Teil seiner Anteile verkaufen, dafür soll die deutsche Staatsbank KfW einsteigen. Dabei will die Konzernführung den staatlichen Einfluss eigentlich zurückdrängen und mehr private Investoren ins Boot holen. Egal, wer künftiger EADS-Chef werde, sagte Enders am Montag, sein Ziel müsse sein: "Nicht mehr, sondern weniger Staatsanteile."

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 2 Beiträge
geotie 18.01.2012
Man hat Produkte und versucht Läufer zu finden. Manchmal wird gekauft und der Verkäufer freut sich und manchmal bleibt man auf der Ware sitzen, und man weis nicht warum. Sich zu loben wenn man die Ware gut verkaufen konnte, [...]
Zitat von sysop...Der scheidende Chef der Airbus-Mutter EADS, Louis Gallois, lobt sein Unternehmen bei der Jahresbilanz als Vorbild für Europas Krisenmanager... Gute Jahresbilanz: Airbus feiert sich als Vorbild für Europa - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,809542,00.html)
Man hat Produkte und versucht Läufer zu finden. Manchmal wird gekauft und der Verkäufer freut sich und manchmal bleibt man auf der Ware sitzen, und man weis nicht warum. Sich zu loben wenn man die Ware gut verkaufen konnte, ist einfach. Doch wie sieht es aus, wenn die Käufer ausbleiben? Wenn Handlungsbedarf angesagt ist und wirklich managen muss? Bevor ich jemanden Beifall klatsche wie hier erwartet, will ich auch mal die schlechteren Zeiten abwaten wie da gehandelt wird.
Den KMUs im Lande sei gedankt. Da liegen die zukünftigen Arbeitsplätzeund Ausbildungsplätze und das gute Auskommen der Familien. Da hinken viele Konzerne hinterher und haben vielfach den Stempel "Made in Germany/EU" [...]
Den KMUs im Lande sei gedankt. Da liegen die zukünftigen Arbeitsplätzeund Ausbildungsplätze und das gute Auskommen der Familien. Da hinken viele Konzerne hinterher und haben vielfach den Stempel "Made in Germany/EU" oder eine Steuerliche Bevorzugung nicht mehr verdient. Ja einige hätten einen Malus verdient.
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
alles zum Thema EADS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




EADS
Die European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) wurde 2000 gegründet. EADS ist der größte Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern in Europa und der zweitgrößte Branchenvertreter der Welt. Das Unternehmen setzt gut 40 Milliarden Euro pro Jahr um und beschäftigt fast 120.000 Mitarbeiter.





TOP



TOP