Gewinneinbruch bei Modekette H&M-Aktienkurs stürzt ab

Die schwedische Modekette H&M kommt nicht aus den Negativschlagzeilen. Der Aktienkurs des Unternehmens ist auf den tiefsten Stand seit 2008 gefallen. Auslöser war die Bekanntgabe miserabler Geschäftszahlen.

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Der in die Kritik geratene Modehändler Hennes & Mauritz (H&M) hat den höchsten Gewinnrückgang innerhalb der vergangenen sechs Jahre verzeichnet. Der operative Gewinn fiel im abgelaufenen Geschäftsjahr um 14 Prozent auf 20,6 Milliarden Schwedische Kronen. Umgerechnet sind das 2,1 Milliarden Euro.

Die Aktie drehte nach Bekanntwerden der Zahlen ins Minus und rauschte um mehr als acht Prozent ab, auf den tiefsten Stand seit Dezember 2008. Der Aktienkurs ist seit Monaten unter Druck. Innerhalb des vergangenen Jahres hat sich der Wert der H&M-Aktie praktisch halbiert.

Das schwedische Unternehmen stand zuletzt in den Schlagzeilen, nachdem es einen Kapuzenpullover mit der Aufschrift "Coolster Affe im Dschungel" mit einem schwarzen Jungen als Model bewarb. H&M nahm daraufhin das Kleidungsstück weltweit aus dem Handel.

Mehr zum Thema - H&M-Krise: Die Kette versteht die Kunden nicht mehr

Wie andere Modehändler mit einem starken Filialnetz kämpft auch H&M mit einem veränderten Kundenverhalten durch die Ausbreitung des Onlinehandels. Das Unternehmen hat daher angekündigt, den Fokus verstärkt auf den Internethandel zu legen und lanciert eine Reihe von Onlineshops. Früheren Angaben zufolge macht das Onlinegeschäft rund ein Drittel des Umsatzes aus.

Die Gewinne leiden aber auch unter den hohen Lagerbeständen, weil das Unternehmen höhere Rabatte gewähren muss, um die Kleidung loszuwerden. Konkurrenten wie Primark oder Zara setzen dem Konzern im Geschäft mit günstiger, schnell wechselnder Mode stark zu. So stößt H&M mit seinem klassischen Format durch den Verdrängungswettbewerb langsam an seine Grenzen.

NDR-Doku: Das Primark-Syndrom - Warum wir auf Rabatte reinfallen

beb/Reuters

insgesamt 4 Beiträge
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GustavN 31.01.2018
1.
Die Qualität der Ware ist bei H&M mittlerweile so unterirdisch, dass man dort gar nicht mehr einkaufen kann. Die Zahlen kommen also nicht von ungefähr.
klarafall 31.01.2018
2. Selbstgemachte Krise
Ich erinnere mich noch an H&M von Anfang der Nullerjahre, da gab es dort halbwegs vernünftige Kleidung zu günstigen Preisen zu kaufen. Schon damals hat mir vieles nicht gefallen, aber ok, Mode ist ja immer auch Geschmacksache. Trotzdem habe ich einige Hemden gekauft, die ich lange und gern getragen habe. Neulich war ich wieder in einem H&M, und musste feststellen daß es dort nur noch Schrott gibt. Und zwar nicht nach "Geschmacks"-Kriterien, sondern nach dem Kriterium Qualität-pro-Euro. Bei machen Stücken aus der Kollektion würde ich mich schämen, sie (direkt nach dem Kauf) in die Altkleidersammlung zu geben - solche Kleidung kann man niemandem zumuten. Mein Sohn ist jetzt im perfekten "Zielgruppenalter", und würde im Leben nix von H&M kaufen - dann lieber Klamotten von Aldi und Lidl, wenn man auf's Geld schauen muß. Da muß ich mich doch wundern, daß H&M meint die Internet-Konkurrenz sei schuld an ihrer Krise. Nein! Schuld sind die Einkäufer, die offensichtlich weder Geschmack noch einen Blick für akzeptable Qualität haben, und ein mieses Management, das diese Fehler offensichtlich nicht ausgleichen kann. Ich sag mal voraus, daß H&M mit der Betonung auf den Internethandel pleite geht. Wenn die Kundschaft reihenweise das Zeug zurückschickt und H&M die Portokosten tragen muß, ist das für die Firma teurer als Kunden, die sich die Klamotten im Laden anschauen und sie dann nicht kaufen. Nix verkauft und noch drauf gezahlt - das wird sich nicht rechnen.
technikaffin 31.01.2018
3. H&m
Läden wie H&M oder Primark setzen nicht auf Qualität sondern junge Leute die sich alle halbe Jahre neu einkleiden und mit der Mode gehen. Es muss trendy sein und nicht superlanglebig, das könnte wohl ein Problem sein, dass die Mode nicht mehr den Massengeschmack trifft. Bei Zara gibt es aber auch jedes Jahr die gleichen Schnitte, und die kloppen ihre Ware auch grad mit Nachlässen bis 70 Prozent im WWV raus, ich find es gut man spart sehr viel Geld und die Auswahl/ Qualität ist zumindest besser als bei H&M.
at.engel 31.01.2018
4.
Ich habe das inzwischen schon bei vielen Marken und Produkten erlebt: läuft das Konzept erst einmal, wird direkt zur Gewinnoptimierung übergegangen, und das wird dann so lange gnadenlos betrieben, bis man das Zeug einfach nicht mehr kaufen kann. Und bei verschiedenen Modeketten kommt eben auch noch das Problem, dass da alle "14 Tage" irgendeine neue Kollektion auf den Markt geschmissen wird - und selbst Ketten, die ursrünglich einfach schöne Sachen hatten, iergendwann nur noch 08/15 Sachen in den unmöglichsten farben und Schnitten bringen. Das soll dann zwar modisch wirken, ist aber entweder schlicht nur noch spießig oder nicht tragbar: irgendwelche Slim-Jeans, die dann nicht einmal sitzen, ist einfach nicht mein Fall. Aber mal abgesehen davon: "Der operative Gewinn fiel im abgelaufenen Geschäftsjahr um 14 Prozent auf 20,6 Milliarden Schwedische Kronen. Umgerechnet sind das 2,1 Milliarden Euro..." Nur 2.1 Milliarden Euro!! Ganz miserabel!! Wenn da die Zahlen nicht jedes Jahr zweistellige wachsen, ist das natürlich ein Trauma.
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