Nach Rassismusvorwurf H&M-Aktie fällt auf tiefsten Stand seit fast neun Jahren

Die Rassismusvorwürfe gegen H&M haben Auswirkung auf den Aktienkurs - er fiel zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit 2009. Den umstrittenen Pullover hat die Modekette aus dem Sortiment genommen.

Logo von H&M: Modekonzern unter Druck
REUTERS

Logo von H&M: Modekonzern unter Druck


Mit dem Werbefoto eines schwarzen Jungen hat H&M viele Menschen vor den Kopf gestoßen. Nun bekommt der Konzern die Folgen der öffentlichen Kritik auch an der Börse zu spüren. Die Aktien der schwedischen Modekette rutschten zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit April 2009.

Auslöser für die Rassismusvorwürfe war ein Werbefoto mit einem dunkelhäutigen Jungen, der ein Sweatshirt mit der Aufschrift "Coolest Monkey in the Jungle" ("Coolster Affe im Urwald") trägt. Der Pulli war Teil einer Safari-Kollektion und wurde im britischen Onlineshop angeboten. Andere Kleidungsstücke, etwa mit der Aufschrift "Überlebensexperte", wurden von weißen Kindermodels präsentiert.

Inzwischen hat H&M den Kapuzenpullover aus dem Sortiment genommen. Nicht nur das Foto, sondern auch das Kleidungsstück selbst seien nicht mehr verfügbar, teilte der Konzern beim Kurzmitteilungsdienst Twitter mit.

Vor allem in den sozialen Netzwerken gab es massive Kritik an dem Werbefoto. Der kanadische R&B-Musiker The Weeknd kündigte an, seine Zusammenarbeit mit H&M zu beenden.

Auch Ex-Tennisstar Boris Becker zeigte sich auf Twitter erbost. "Es hört nie auf...Wann fangen wir an, Farben zu respektieren!!!", schrieb er. Der 50-Jährige musste zuletzt rassistische Beschimpfungen gegen seinen eigenen Sohn erleben, veröffentlicht auf dem Twitter-Account des AfD-Politiker Jens Maier.

Der Musiker Maleek Berry wunderte sich via Twitter über die fehlende Sensibilität bei H&M. Er wundere sich, wie so eine Werbekampagne durchgehen könne, angesichts der zahlreichen Werbefehltritte anderer Firmen in den vergangenen Jahren.

So musste das Modelabel Zara 2014 ein Kindershirt mit gelbem Stern zurückziehen, das an die Kleidung jüdischer Häftlinge in NS-Konzentrationslagern erinnerte. Im vergangenen Oktober sah sich die Pflegeprodukte-Marke Dove zu einer Entschuldigung veranlasst, nachdem in einer Werbung ein farbiges Model nach dem Wechsel seines Tops in ein weißes mutiert war.

H&M steht an der Börse nicht nur wegen der aktuellen Rassismusvorwürfe unter Druck. Das Unternehmen meldete im Dezember einen Umsatzrückgang und kündigte die Schließung von Läden an. Die H&M-Aktien verlieren bereits seit Frühjahr 2015 tendenziell an Wert. Sie hatten damals im März bei 368,50 Kronen ihr Rekordhoch erreicht, nach den Rassismusvorwürfen rutschte der Kurs nun zeitweise auf 158,90 schwedische Kronen ab.

mmq/dpa/AFP

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