Statt Kohle Kraftwerk verfeuert H&M-Kleidung

Ein Kraftwerk bei Stockholm verbrennt zur Stromgewinnung tonnenweise unbrauchbare Kleidung der Kette H&M. Dahinter steckt Schwedens Ziel, unabhängiger von fossilen Energieträgern wie Kohle zu werden.

H&M-Logo (Archiv)
DPA

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Knapp 100 Kilometer nordwestlich von Stockholm liegt Västerås. Der Ort hat H&M in die Schlagzeilen gebracht. Das liegt allerdings nicht an einer der drei Filialen, die der Mode-Discounter dort unterhält - sondern an dem nahen Kraftwerk. Vor einigen Jahren verbrauchte der Betrieb noch rund 650.000 Tonnen Kohle, um die umliegenden Gegenden mit Elektrizität zu versorgen.

Das ändert sich seit einigen Jahren: Der Betreiber Mälarenergi AB hat angekündigt, bei der Stromerzeugung bis zum Jahr 2020 komplett auf fossile Energieträger wie Kohle oder Öl zu verzichten. Dabei kommt ein auf den ersten Blick ungewöhnlicher Brennstoff zum Einsatz: Unverkäufliche H&M-Kleidung, insgesamt 15 Tonnen waren es bereits im laufenden Jahr 2017.

"Für uns ist das einfach Brennmaterial", so Mälaenergi-Chef Jens Neren gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Hintergrund ist Schwedens sukzessiver Umstieg in der Stromerzeugung: Seit 2002 wächst der Beitrag von Kraftwerken, die Müll zur Elektrizitätsgewinnung verfeuern, während der Anteil von Kohle drastisch reduziert wurde.

Das Kraftwerk in Västerås hat deshalb einen Vertrag mit der Stadt Eskilstuna abgeschlossen, den Abfall der Stadt zu verfeuern. Auch die Lagerhäuser von H&M liegen in Eskilstuna. Das Unternehmen betont, verfeuert würden lediglich Kleidungsstücke, die unbrauchbar für den Verkauf seien und sonst auf der Mülldeponie gelandet wären - also beispielsweise Stoffe, in denen Chemikalien gefunden wurden. "H&M verbrennt keinerlei Kleidung, die sicher für den Gebrauch wäre", so eine Sprecherin.

Tatsächlich ist der Beitrag der verfeuerten Kleidung an der Energiegewinnung ziemlich gering: 2017 hat das Kraftwerk insgesamt 400.000 Tonnen Müll verbrannt. Von H&M stammten weniger als 0,004 Prozent der Menge.

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